NDS37 – Leopolds Erben I: Wessen Boden?
Shownotes
Im Februar 2025 schreibt Félix Tshisekedi, Präsident der Demokratischen Republik Kongo, einen Brief an Donald Trump, mit einem Angebot: Zugang zu den Kobalt-, Coltan- und Kupfervorkommen seines Landes im Gegenzug für amerikanische Sicherheitsgarantien im andauernden Kampf mit den M23-Rebellen im Osten des Landes. Ein Rohstoffe-gegen-Schutz-Deal, der wenige Monate später als Washington Accords unterzeichnet wird und damit die Frage, wem der Boden des ansonsten international wenig beachteten Kongo eigentlich gehört, schlagartig wieder in die Mitte der Weltpolitik rückt. Dabei folgt der neue Deal mit Trump eigentlich nur einem sehr alten Muster, das sich im Kongo über die letzten 140 Jahre etabliert hat: Große, oft vage Versprechen aus dem Ausland im Austausch für die realen Rohstoffe des Kongo.
Diese Reihe widmet sich der Geschichte, die zu dem Deal geführt hat, sowie seiner Gegenwart und damit der heutigen Demokratischen Republik Kongo wie dem internationalen und nationalen Ringen um ihre Rohstoffe. Einem Ort, der politisch und medial wenig betrachtet wird - als die vermeintliche globale Peripherie -, der aber gleichzeitig nicht nur überladen ist mit allerlei Symbolik, sondern real eigentlich schon immer einer der Knotenpunkte der Weltpolitik ist: über die Kolonialgeschichte, den Kalten Krieg bis hin zur heutigen Energiewende.
Folge eins legt das historische Fundament. Von der Berliner Konferenz 1884, auf der Leopold II. den Kongo zugesprochen bekommt, über die belgische Kolonialherrschaft und die Ermordung Patrice Lumumbas bis zu Mobutus drei Jahrzehnten Kleptokratie und den Kongokriegen. Eine Folge über die Frage, wie ein Land so systematisch arm geblieben ist - obwohl, oder eher: weil es auf einem der größten Rohstoffvorkommen der Welt sitzt.
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Produktion, Recherche und Moderation: Mick Klöcker
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Musik: Joscha @gruneWav
Logo: Danny @Dann_y
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00:00:33: Und herzlich willkommen zurück.
00:00:35: Mein Name ist Miklokka und ihr hört Folge thirty-seven von neben der Spur, heute mit Folge eins in eine neue Reihe vor der ich mich jetzt zugegeben eine Weile gedrückt
00:00:45: habe.
00:00:46: Nicht weil es mich nicht interessieren würde ganz im Gegenteil sondern weil das so schwer zu fassen ist.
00:00:51: So vielfältig sind die historischen politischen wirtschaftlichen und irgendwie auch symbolischen Versatzstücke, die alle miteinander verbunden sind.
00:00:59: Aber oft einfach nebeneinander stehen ohne dass Geschichte symbolische Aufladungen und geopolitische und wirtschaftliche Realität je zu einem
00:01:08: Ganzen zusammengeführt werden.
00:01:10: Kein Wunder!
00:01:12: Denn auch wenn Kolonialgeschichte, Rohstoff, Geopolitik, Regionalkonflikte, Energiewende, Klimapolitik und Co.
00:01:19: alle offensichtlich zusammenhängen... Man wird nur allzu leicht erschlagen von dem Wust an historischen und gegenwärtigen Versatzstücken.
00:01:28: Und am Ende
00:01:28: sieht man vielleicht den Wald voll aus der Bäume
00:01:30: nicht mehr oder verheddert sich vielleicht sogar
00:01:32: in Stereotypen.
00:01:33: Vereinfachung,
00:01:35: was besonders für die Weltregion geht mit der
00:01:38: wir uns heute und die Folgen und Folgen befassen werden – die Demokratische Republik Kongo!
00:01:43: Denn der Kongo ist eines der Länder dieser Welt über die fast jeder von uns
00:01:49: irgendeine
00:01:49: Vorstellung hat Aber wie gleichzeitig eigentlich
00:01:52: kaum etwas wissen.
00:01:54: Und das klingt erst mal
00:01:55: widersprüchlich, ist aber gerade deshalb ein Problem, dass wir auch
00:01:58: Eingangs anreißen müssen.
00:02:00: Denn wir werden vor allem konfrontiert mit Bildern die sich seit mehr als einem Jahrhundert aufgeschichtet haben oft von außen produziert und oft auch mit einer Agenda versehen –
00:02:11: und wenn nur implizit!
00:02:12: Und die so tief sitzen, dass sie sich kaum abschütteln lassen
00:02:16: selbst wenn man es versucht.
00:02:17: Konkret?
00:02:18: Der Kongo nicht nur als mythisch verklärtes Herz des Kontinents,
00:02:22: sondern
00:02:23: auch
00:02:23: Herz der Finsternis.
00:02:25: Als ein Ort an dem viele der Problembeschreibungen aber auch Stereotype die sich auf den Kontinent als Ganzes beziehen ihren Ausgangspunkt
00:02:32: finden.
00:02:33: Rohstoffausbeutung
00:02:34: wie
00:02:34: Reichtum, Kolonialismus, schwache Staatlichkeit
00:02:38: und Gewalt.
00:02:39: Der Kongoo ist über Jahrhunderte also zu so etwas wie einem die eigenen Grenzen überschreiten ein Symbol der Dauerkonflikte
00:02:46: und Probleme des Kontinents geworden.
00:02:49: Und das aus verschiedenen Perspektiven.
00:02:51: Für die einen immer wieder als Waffe aufs moralische Schlachtfeld geführt, um die schlimmsten
00:02:56: Formen des Kolonialismus anzuprangern
00:02:58: – wie die fortlaufende
00:03:00: Ausbeutung.
00:03:01: für die anderen unter anderem Vorzeichen der vermeintliche
00:03:05: Beweis dafür dass
00:03:06: Afrika
00:03:06: es nicht kann!
00:03:07: Nicht seine Rohstoffe
00:03:08: verwalten, nicht Demokratie.
00:03:10: Und beide unterscheiden sich natürlich, und wir stehen hier auch der einen wesentlich näher als der anderen.
00:03:17: Aber bei der Erzählung überschneiden Sie sich auch gelegentlich zumindest insofern, als sie oft
00:03:23: instrumentell
00:03:23: genutzt werden – Der Kongo
00:03:25: als Beweisstück A.
00:03:28: Das ist kein Zufall oder auch kein rein akademisches Problem sondern die konkrete Schwierigkeit über dieses Land zu sprechen ohne sofort
00:03:36: eine dieser vorgebauten Erzählungen hineinzurutschen
00:03:39: Und die Älteste davon und vielleicht auch die wirkmächtigste Stammt nicht aus einem Nachrichtenartikel,
00:03:45: sondern aus einem Roman.
00:03:47: Joseph Conrad's Ninzehundertzwei
00:03:49: veröffentlichte
00:03:50: und gerade
00:03:51: schon
00:03:51: angerissen
00:03:52: Erzählungen – das Herz der Finsternis.
00:03:55: Eine Erzählung über eine Reise in den Kongo auf einen Flussdampfer.
00:03:59: und allein der Titel hat sich dabei ob man es nun gut findet oder nicht tief ins kollektive Gedächtnis
00:04:05: gerade der ehemaligen Kolonialreicher eingebrannt.
00:04:09: Denn Konrad beschreibt damit gleichzeitig eine physische Finsternis, die des unergründlichen und bedrohlichen Dschungels der alles verschluckt bis man orientierungslos dahin irrt ohne Verständnis
00:04:21: von
00:04:21: Zeit und Ort.
00:04:22: Aber auch eine menschliche oder psychologische
00:04:26: Die Finsterness des Herzens
00:04:27: selbst, die der Dschunge nicht schafft sondern bloß sichtbar macht.
00:04:31: Der äußere Raum als Spiegel einer inneren
00:04:34: Wahrheit.
00:04:35: Was bleibt, wenn die normativen Grenzen der Zivilisation wegfallen ist brachherzte
00:04:39: Gewalt und Ausbeutung.
00:04:41: Konrad wollte das damals
00:04:42: als
00:04:43: Kritik verstanden wissen – als Spiegel für das was Europa
00:04:46: im Namen von Fortschritt und Zivilisierung über andere Teile der Welt brachte.
00:04:51: Heute steht der Kongo aber oft auch unter
00:04:53: umgekehrten Vorzeichen.
00:04:54: Sinnbildlich nicht mehr für die Brutalität des europäischen Konellismus sondern für die brutalität Afrikas
00:05:01: selbst!
00:05:02: Für einen quasi natürlichen Zustand von Gewalt, Elend
00:05:05: und
00:05:05: geringer Staatlichkeit.
00:05:07: Eine Erzählung
00:05:08: die nicht umsonst
00:05:09: dabei auch oft von historischer Verantwortung entbindet.
00:05:12: Beides macht aber schon deutlich der Kongo steht spätestens seit Konrad für
00:05:16: mehr als nur für sich selbst
00:05:18: Und das stimmt auch ohne Frage ist aber auch
00:05:20: eine Herausforderung
00:05:22: Denn neben dem was tatsächlich passiert oder passiert ist geht es wenn man über den Kongo sprich zwangsläufig auch darum wie dieser politisch aufgeladen und instrumentalisiert wird, und wie seine Geschichte oder oft nur Teile dessen unsere Wahrnehmung und unser Verständnis
00:05:39: des
00:05:39: Kontinents als Ganzes und seiner Geschichte
00:05:41: prägen.
00:05:42: Ein Aspekt also den wir heute zumindest mitdenken müssen und worauf wir daher auch immer mal
00:05:47: wieder eingehen werden.
00:05:49: Aber der Kongo steht natürlich nicht nur symbolisch für mehr als sich selbst sondern auch ganz
00:05:53: praktisch
00:05:54: womit wir bei dem Thema angekommen sind, das heute
00:05:56: vor allem mit
00:05:57: dem Kongo verbunden ist und dass sich als roter Faden auch
00:06:00: durch die kommenden Folgen hier ziehen wird.
00:06:02: Der Rohstoffreichtum der den Kongo zu einer wenn nicht vielleicht der wirtschaftlich und geopolitisch bedeutsamsten
00:06:09: Region der Welt macht.
00:06:10: Wenn er gleichzeitig aber auch beispielhaft steht für die globale
00:06:15: Peripherie – medial und politisch wenig beachtet!
00:06:20: Und auch diese Diskrepanz, die so prägend ist für das Land über Jahrhunderte steht natürlich für mehr
00:06:26: als nur das Land selbst.
00:06:27: Sondern den globalen Charakter der internationalen Ausbeutungsverhältnisse.
00:06:32: So liegen zum Beispiel siebzig Prozent der globalen Kobaltreserven
00:06:36: im Kongo relevant für
00:06:38: jedes E-Auto wie die Solarenergie, Handy, Slaptops
00:06:41: und immerso weiter.
00:06:43: Die gesamte globale Energiewende hängt in wörtlichen Sinne von dem Abwas aus dem Boden
00:06:49: dieser Region kommt!
00:06:51: Und das wissen inzwischen auch alle, wie wir von Peking bis Washington und von Brüssel bis Riad.
00:06:57: Zuletzt sogar mal wieder kurz in den Medien
00:06:59: als Donald Trump seinen neuen Deal mit dem
00:07:01: Kongo schließt – während aber gleichzeitig im Osten des Landes eine Rebellion-Tope dieser knapp dreißig Jahren nicht endet und zu einem der schlimmsten
00:07:10: Dauerkonflikte des Kontinents und der Welt gehört!
00:07:14: Genau diese Diskrepanz zwischen Bedeutung und Bedeutsungslosigkeit, ebenso wie die zwischen internationalen Beispielcharakter- und spezifischen Bedingungen zwischen Armut und Reichtum.
00:07:25: Ebenso wie Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart
00:07:28: wollen wir in den kommenden Folgen aufarbeiten.
00:07:31: Und in dieser ersten Folge legen wir dafür
00:07:32: heute das historische Fundament.
00:07:35: Warum ist der Kongo der Kongopolitisch-Wirtschaftlich-Strukturell?
00:07:39: Was halt Leopold II.
00:07:41: mit dem Kobait-Deal von zwanzig, fünfundzwanzig zu tun?
00:07:44: Wie hängen der Genozid in Rwanda, Mobutus claptocrati und die Frage zusammen, wessen Boden das
00:07:50: eigentlich ist?
00:07:51: Die Grundlage also für alles was dann folgt
00:07:54: genauer die Jüngste Gegenwart
00:07:56: Konkret, was hat China in den letzten zwanzig Jahren im Kongo aufgebaut und wie?
00:08:00: Was steckt wirklich hinter dem Trump-Deal.
00:08:03: Warum ist die Energiewende des Norns gerade dabei ein Extraktionsmuster zu perpetuieren, dass wir aus der Kondonialgeschichte kennen, lediglich mit neuem Lebel aber auch...was hat sich eigentlich verändert
00:08:14: seit der KONONIAL-Zeit?
00:08:15: Welche Hebel haben afrikanische Staaten heute um sich zu wehren?
00:08:20: Was versucht der Kongo?
00:08:21: Was versucht die Afrikanische Union und wo stößt das?
00:08:24: an strukturelle Grenzen, die keine gute Idee
00:08:27: oder Regierung alleine lösen kann.
00:08:30: Wobei das Ziel dieser Reihe
00:08:31: wie immer ist nicht einfach eine Leidensgeschichte zu erzählen – auch wenn Achtung, Disclaimer!
00:08:37: Wir uns heute mit viel Leid befassen werden, sondern struktuelle Bedingungen und politischen Entscheidungen wie Zwinge aufzuzeigen, die sie geschaffen haben
00:08:45: und weiter reproduzieren.
00:08:47: Und
00:08:47: den weißen Fleck im Herzen des Kontinents nicht nur als instrumentales Beispiel zu begreifen, sondern als Knotenpunkt einer fortlaufenden globalen Entwicklung zwischen Kolonialgeschichte, Rohstoff-, Geopolitik an sich, Energiewende
00:09:03: und Regionalkonflikte.
00:09:05: Soweit also der grobskizzierte Plan fürs Ganze – und damit auch die nächsten Monate!
00:09:10: Aber heute beginnen wir dafür erstmal mit dem langen
00:09:13: Arm der Geschichte.
00:09:22: Der Kongo ist in fast jeder Hinsicht ein absolutes
00:09:26: Extrembeispiel
00:09:27: Ausdehnung, Vielfalt in Natur und Bevölkerung.
00:09:30: Existenzielle Krisen wirtschaftlicher und politischer Strukturen nach Jahrzehnten von Gewalt aber auch Rohstoffe in einem
00:09:38: schier endlosen Überfluss.
00:09:40: Extremer Mangel- und extremer Reichtum auf verschiedenen Ebenen immer nah beieinander ohne dass das eine das
00:09:47: andere je aufgelöst hätte.
00:09:49: Verstreut über zwei Komma drei vier
00:09:52: Millionen Quadratkilometer Land
00:09:54: Ungefähr siebenmal Deutschland, die kombinierte
00:09:57: Fläche West-Europas.
00:09:58: Und damit das drittgrößte Land Afrikas!
00:10:02: So groß?
00:10:03: Das ist fast schwer es sich überhaupt
00:10:04: vorzustellen.
00:10:06: Vor allem wenn man es lediglich auf der klassischen Mercatorkarte betrachtet – wie nun wirklich jedem
00:10:10: bekannt
00:10:11: – in Parallelität dazu, wie oft weiterhin über dem Kontinent als Ganzes gesprochen wird alles irgendwie kleiner und unbedeutender aussehen lässt, als es tatsächlich ist... Dabei ist im Kongo alles riesig und wie wir sehen werden auch global
00:10:26: bedeutsam,
00:10:26: lediglich die Beschreibung als Peripherie, die vor allem politisch bedingt ist mag dazu nicht so recht passen.
00:10:34: So ist das dann zum Beispiel
00:10:35: durchzogen
00:10:35: vom
00:10:35: Kongostrom
00:10:37: dem zweikrössten Fluss
00:10:38: der Welt nachdem Amazonas
00:10:39: gemessen am Wasservolumen
00:10:41: den tiefsten Fluß der Welt überhaupt mit bis zu zweihundertzwanzig Metern Tiefe
00:10:45: in einigen Abschnitten
00:10:47: Und an den Ufern seines Beckens auf drei Komma sieben Millionen Quadratkilometern der zweitgrößte tropische
00:10:53: Regenwald, der Erde.
00:10:55: Eine der bedeutendsten Kohlenstoffsenken des Planeten überhaupt –
00:10:59: ein Zentrum der globalen
00:11:00: Artenvielfalt, der zweite Lungenflügel des Planets
00:11:03: neben dem Amazonas
00:11:04: wenn man so will und auch ein potenzielles Energiezentrum für
00:11:08: eine ganze Region.
00:11:10: Denn das Hydroenergiepotenzial des Kongoflusses ist zumindest theoretisch so groß, dass das geplante Grand Inger-Wasserkraftwerk
00:11:19: seit Jahrzehnten
00:11:20: in der Pipeline nie gebaut.
00:11:22: Das gesamte subsaharische Afrika
00:11:24: mit Strom versorgen könnte.
00:11:26: auf dem Papier also auch eine der bedeutendsten Energiequellen der Welt –
00:11:31: auch wenn es wohl erstmal bei der Idee bleiben wird
00:11:34: wahrscheinlich im Sinne
00:11:35: der Natur selbst
00:11:36: wobei das Land zumindest informt der dort lebenden Menschen eigentlich wenigso
00:11:41: sehr braucht wie Energie
00:11:43: Denn so abgelegen und vielleicht entrückt der Kongo auch manchmal wirkt, auf dieser Fläche leben heute bereits über
00:11:49: hundert Millionen Menschen.
00:11:51: In mehr als
00:11:52: vierzig ethnischen Gruppen mit
00:11:53: über zweihundert
00:11:54: Sprachen
00:11:55: in vielen Fällen
00:11:56: eng verbunden – mit den neun Nachbarstaaten von der Republik Kongo im Westen über die Zentralafrikanische Republik im Norden bis
00:12:03: Ruanda,
00:12:04: Burundi, Uganda, Tanzania, Sambia und
00:12:07: Angola im Osten und Süden.
00:12:09: Was den Kongo eigentlich weniger zur oft beschriebenen Peripherie macht, als tatsächlich zum geografischen
00:12:17: Herzen Zentralafrikas.
00:12:18: Auch wenn es sich in der Realität die längste Zeit bis heute
00:12:23: ganz anders darstellt – mit einem dauerhaften
00:12:26: Zyklus, indem er vor allem als Pufferzone und Vorhof
00:12:30: seiner Nachbarn verstanden wird.
00:12:32: Und das Warum hat natürlich auch vor allem mit dem kongolesischen
00:12:36: Boden zu tun!
00:12:37: Denn hier
00:12:38: fangen die Superlative eigentlich erst so richtig an….
00:12:41: Die demokratische Republik Kongo sitzt auf nicht weniger als geschätzten, vierundzwanzig Billion
00:12:46: Dollar an bekannten Mineralvorkommen.
00:12:49: Manche Schätzung gehen sogar noch erheblich
00:12:51: höher weil große Teile des Landes geologisch kaum erfasst sind und nie eine
00:12:55: systematische geologische
00:12:57: Kartierung stattgefunden hat
00:12:58: ganz bewusst Als Ergebnis
00:13:00: einer Geschichte in der niemand wirklich
00:13:02: jemals ein Interesse daran hatte den Kongolesenden tatsächlich zu sagen
00:13:06: Auf welchen schätzen
00:13:07: sie denn da wirklich sitzen?
00:13:09: Aber was wir wissen, siebzig Prozent der weltweiten Kobait-Reserven
00:13:15: liegen hier.
00:13:16: Und damit das vielleicht zentralste
00:13:18: Mineral der technologisierten Gegenwart und auch Zukunft.
00:13:22: Denn Kobait
00:13:23: ist unverzichtbar für die Kathoden in Lithium-Ion-Batterien – jene Batterien, in denen heute fast die gesamte
00:13:30: globale Energiewende steckt von den E-Autos
00:13:33: in deutschen Showbooms
00:13:35: bis zu den Batteriespeichern hinter Solaranlagen überall auf der Welt!
00:13:39: Und damit nicht genug, denn das
00:13:40: Land hat auch riesige Kultarenvorkommen.
00:13:43: Ebenfalls unversichtbar für die Kondensatoren in Smartphones und Spielekonsolen aber zum Beispiel auch in jedem militärischen
00:13:51: Kommunikationssystem.
00:13:53: Der Kongo
00:13:53: produziert über vierzig Prozent
00:13:55: des weltweiten Kultarns vor allem im Osten des Sannes
00:13:59: in den Provinzen Nord-Kivo und Süd-Kivow – nicht umsonst
00:14:02: dort wo
00:14:03: auch diverse bewaffnete
00:14:04: Gruppen seit Jahrzehnten operieren.
00:14:07: Dazu der Klassiker Kupfer.
00:14:09: Nicht ganz so spektakulär wie die eben genannten, aber kein bisschen
00:14:12: weniger relevant –
00:14:14: das Katanga Copper Belt, dass sich vom Süden des Kongos bis nach Sambia schreckt
00:14:18: ist eine der reichsten Kupfalagerstätten in
00:14:20: der Welt
00:14:21: und damit eine der Schlüsseregionen der längst nicht abgeschlossenen globalen Elektrifizierung.
00:14:27: Ohne Kupffer, kein Kabel,
00:14:28: keine Leitung, kein Generator und immerso weiter.
00:14:32: Und gleiches geht vielleicht schon bald auch fürs Lithium im
00:14:35: Manonodepot im Südosten Ebenfalls eines der größten bekannten Lithiumvorkommen
00:14:40: der Welt, lange kaum beachtet seit einigen Jahren aber
00:14:43: nun schon der Gegenstand von immer intensiveren internationalen Interessen.
00:14:48: Und damit sind wir nicht mal am
00:14:49: Ende der Liste
00:14:50: denn hinzu kommt noch eine Vielzahl mehr – Gold in den östlichen
00:14:54: Provinzen, Kasseterie, Wolframm,
00:14:56: Diamanten
00:14:57: und natürlich Uran!
00:14:59: Denn die Mine in Katanga war
00:15:01: lange Zeit die
00:15:01: reichste
00:15:02: Uranärzmine der Welt.
00:15:04: Mit einem Uranengehalt,
00:15:05: der vierzig- bis sechzigmal
00:15:06: höher war als in anderen bekannten Vorkommen.
00:15:10: Und selbst das Uran für die Atombombe, die im August nineteenundfünfundvierzig auf Hiroshima fiel,
00:15:15: kam daher von dort.
00:15:17: Belgien hat es sofort den USA nineteenundzeinzwölzig verkauft – als Gegenleistung für Schutz und politische Unterstützung während der deutschen Besatzung!
00:15:27: Und wie es uns in der Geschichte dieses Landes noch öfter begegnen wird.
00:15:31: Die Entscheidung, das Material dass die erste nukleare Massenvernichtungswaffe der Geschichte ermöglichte aus ihrem Boden zu verkaufen
00:15:39: wurden natürlich in Brüssel und Washington getroffen und nicht in Kinshasa
00:15:44: was direkt auf die erste Eingangs schon
00:15:47: angerissene offensichtlichste
00:15:49: Diskrepanz hinweist, die uns jetzt über
00:15:51: mehrere Folgen beschäftigen wird.
00:15:54: Auf dem Papier ist der Kongo Zumindest in Sachen Rohstoffvorkommen das mit Abstand
00:16:00: reichste Land der Welt.
00:16:02: Selbst die konservativen Schätzungen von vierundzwanzig Billionen Dollar sind kaum zu fassen, ebenso wie die reale und potenzielle Bedeutung dieses Reichtums nicht nur für das
00:16:12: Land selbst
00:16:13: sondern auch für die globale wirtschaftliche
00:16:15: Entwicklung an sich – und die
00:16:17: Geopolitik mit Auswirkungen
00:16:19: für
00:16:19: uns alle!
00:16:20: Konsumenten von Hightech-Produkten, Supermächte aber auch Millionen vom Menschen weltweit die noch auf Strom und
00:16:27: technologischen Anschluss
00:16:28: warten um die digitale Kluft
00:16:31: endlich zu schießen.
00:16:32: Der Kongo ist also ohne Frage eine der Schlüsselregionen
00:16:37: der Menschheit
00:16:38: dessen Ressourcen den weiteren Verlauf mitentscheiden können und werden so wie sie die Geschichte bis
00:16:44: hierhin schon mitbestimmt haben sei es in Form der
00:16:47: Atombombe oder
00:16:48: den elektronischen Infrastrukturaufbau
00:16:51: überall auf der Welt.
00:16:52: Aber
00:16:53: gerade auch deshalb,
00:16:54: und das ist nun kein Geheimnis,
00:16:55: dass wir noch auflösen müssen,
00:16:57: bleibt ja in der Realität globale Peripherie – und ist
00:17:01: stärker betroffen von Mangel- und Krise
00:17:04: als ein Großteil der Welt!
00:17:06: So platziert der Human Development Index von zwanzig dreiundzwanzig der Vereinten Nationen die demokratische Republik Kongo aufkrank hundertneunundsiebzig
00:17:14: von hundertdreiund neunzig Staaten.
00:17:17: Der Durchschnittsbürger lebt
00:17:18: von weniger als drei Dollar am Tag,
00:17:20: Die Kinderschäblichkeitsrate gehört zu den höchsten der Welt.
00:17:23: Teile des
00:17:24: Osten sind seit
00:17:25: fast dreißig Jahren in einem Zustand
00:17:27: quasi
00:17:27: permanenter bewaffneter Gewalt.
00:17:29: Der Staat erreicht weite Teile seines Territoriums nicht wie damit Sicherheitskräften,
00:17:34: noch mit
00:17:34: Gesundheitsversorgung, Bildung oder Gerichten.
00:17:37: Und während das Land seit Jahrzehnten die Grundlage zur Elektrifizierung der Welt liefert – haben Millionen seiner eigenen Einwohnerinnen keinen Zugang zu Strom –
00:17:46: geschweige deren Beteiligung an den wirtschaftlichen Gewinn.
00:17:50: Den Begriff für diese himmisch reine Diskupanz zwischen Reichtum und Mangel kennen wir inzwischen alle aber nirgendwo wird er so deutlich wie
00:17:58: in der demokratischen Republik Kongo.
00:18:00: Der viel beschriebene Ressourcenfluch!
00:18:02: Die empirische
00:18:03: Beobachtung, dass Länder mit reichen Rohstoffvorkommen oft schlechter dastehen
00:18:08: als solche ohne.
00:18:10: Aber wie immer ist das auch
00:18:12: unzureichend – denn Fluch
00:18:14: klingt irgendwie
00:18:15: direkt nach Schicksal oder sogar Naturphänomen
00:18:18: nach etwas, das Ländern passiert quasi unvermeidlich wie
00:18:22: ein Erdbeben und das ist natürlich falsch!
00:18:25: Denn der Fluch
00:18:25: ist keine Rache von
00:18:26: irgendwelchen
00:18:27: Mineralgeistern sondern das Ergebnis
00:18:29: von Entscheidungen und Strukturen
00:18:31: die sich im Kongo und an seinen Rändern seit Jahrzehnten und teilweise auch Jahrhunderten
00:18:37: geformt haben.
00:18:45: Wenn man die Geschichte des Kongos erzählt, kommt man nicht umhin dabei
00:18:49: in Europa zu beginnen.
00:18:50: Allein schon weil wir über das davor schlicht
00:18:52: kaum etwas wissen.
00:18:53: Wobei ich euch um das gleiche zu konterkarieren auch ein Buch an die Schaunern stellen werde dass ich genau
00:18:58: mit dieser
00:18:58: Frühgeschichte beschäftigt.
00:18:59: aber wir beginnen heute in Europa
00:19:02: Denn wie die meisten heutigen Staaten in Afrika der Kongo formt sich nicht von selbst Sondern er wird erfunden, wie viele andere auch
00:19:10: an einem Tisch in Berlin.
00:19:12: Im November, die Vertreter von Vierzehn starten
00:19:17: nach Berlin ein.
00:19:18: Großbritannien, Frankreich, Portugal das Osmanische Reich die USA Deutschland
00:19:23: und andere.
00:19:24: Sie treffen sich um die Spielregeln für den Prozess festzulegen der schon im Gange ist nun aber endlich geordnet werden soll
00:19:31: und dass im Bestfall
00:19:32: ohne schmollende Verlierer
00:19:33: allen voran das Deutsche Reich
00:19:35: Die europäische
00:19:36: Teilung Afrikas.
00:19:38: Die Anspannung
00:19:39: ist dementsprechend groß.
00:19:40: Jeder will sein Stück behaupten oder neue gewinnen, oder den Einflussbereich noch ein bisschen ausweiten – weshalb
00:19:46: es dann auch fast
00:19:47: drei Monate dauert
00:19:48: bis die letzte Grenze
00:19:50: im Februar in den letzten
00:19:51: Jahren
00:19:52: gezogen ist
00:19:53: und die Kolonialreiche stolz zurücktreten
00:19:55: um
00:19:55: ihr Meisterwerk zu betrachten.
00:19:57: Ein vermeintlich wilder Kontinent fein säuberlich mit dem
00:20:01: Lineal in Ordnung gebracht und
00:20:03: aufgeteilt.".
00:20:04: Damit ist er bereits seit Jahren
00:20:05: laufende Scramble for Africa offiziell abgeschlossen
00:20:09: und nun auch endlich kodifiziert.
00:20:11: Aber unter den großen Gewinnern des neuen Deals,
00:20:14: zumindest in der eigenen
00:20:15: Wahrnehmung, stechen zwei
00:20:17: besonders hervor – Deutschland und Belgien.
00:20:20: Zwei Länder die auf den ersten Blick einiges gemeinsam haben aber gleichzeitig auch die Vielfältigkeit der Kondonialprojekte
00:20:26: illustrieren.
00:20:28: Gemeinsam haben sie vor allem
00:20:29: ihre kolonial begeisterten
00:20:31: politischen Führer
00:20:32: Kaiser Wilhelm II.
00:20:34: und Leopold
00:20:35: II.,
00:20:35: König der Belgier,
00:20:37: beides Männer den die Herrschaft über ein Reich in Europa ganz persönlich nicht reicht,
00:20:43: die mehr von der
00:20:44: Welt wollen überzeugt von der eigenen nationalen Größe und gleichzeitig getrieben von Minderwertigkeitsgefühlen einem Loch im Herzen
00:20:52: das nur ein paar schmucke Kolonien stopfen könnten.
00:20:55: Wobei beide zumindest zunächst
00:20:58: weniger von ökonomischer
00:20:59: Effizienzgetrieben scheiden als andere
00:21:01: Kolonia erreichen.
00:21:02: Die wirtschaftliche Ausbeutung ist hier also zunächst zumindest
00:21:05: zweitrangig.
00:21:06: Es geht ums Besitzen, um den Anspruch Kolonialmach zu sein und den damit
00:21:11: einhergegenden
00:21:12: Status
00:21:12: auf der Weltbühne.
00:21:14: Ohne koloniale Subjekte fühlt man sich hingegen schlicht unvollständig und
00:21:18: von den anderen erniedrigt.
00:21:21: Beiden schlägt daher aber auch vom Beginn an – wohl gerade weil das eher nach emotionaler, denn ökonomischer Begründung klingt – extreme Skepsis aus dem
00:21:30: eigenen Staatsapparat entgegen!
00:21:33: In Deutschland in Form von
00:21:34: Bismarck persönlich, der sich nur wiederwillig auf das teure Experimentplatz an der Sonne einlässt –
00:21:40: in Belgien gleich das ganze Parlament.
00:21:43: Hier aber enden dann
00:21:45: auch die Gemeinsamkeiten.
00:21:46: Denn in Deutschland setzt sich der Kaiser
00:21:48: einfach durch!
00:21:49: Wilhelm II.
00:21:50: hat wieder einen fast absolutistischen
00:21:52: Anspruch an seine Macht,
00:21:53: sein
00:21:54: Wort zählt.
00:21:55: da kann Bismarck noch so brodeln und das Schägbuch noch so dünn werden angesichts der Kosten um sich am anderen Ende der Welt auf einem Stück Wüste
00:22:03: den Traum einer Siedlerkolonie zu verwirklichen.
00:22:06: Und der Kaiser wird dabei sogar von der
00:22:08: Öffentlichkeit mitgetragen.
00:22:10: Denn die Deutschen selbst bekommen Ende des Jahrhunderts gar nicht genug von hübschen Postkarten aus Übersee und wehnen sich zudem vor allem längst in der Überzeugung, die Welt warte eigentlich nur auf
00:22:21: den deutschen Kultur-Export.
00:22:23: Das übrigens bis heute in der Deutschen Debatte um den Nationalsozialismus gerne ausgeklammert wird so als hätte das eine
00:22:30: nichts
00:22:30: mit dem anderen zu tun.
00:22:31: dabei lassen sie hier ja durchaus historische Linien finden, die vielleicht mehr Aussagen über die Deutschen als nur
00:22:37: die Wahrnehmung man sei von der Weltbeherrschungsideologie
00:22:40: des Nationalsocialismus in der Mehrheit auch nur Opfer gewesen.
00:22:44: Aber das ist ein
00:22:45: Thema für sich, auf das wir vielleicht
00:22:47: an anderer Stelle mal zurückkommen.
00:22:49: Das gewachsene deutsche
00:22:50: Selbstverständnis, dass nicht nur in einen sondern gleich zwei
00:22:53: Genozide im zwanzigsten Jahrhundert führt.
00:22:56: Aber wie
00:22:56: gesagt
00:22:57: – Wir vermeiden hier heute den Historikerstreit!
00:23:00: Leopold hat es
00:23:01: dagegen schwerer.
00:23:03: Große Kolonien für das kleine Belgien, das scheint intuitiv irgendwie allen klar sind doch eher
00:23:09: ungeeignet...
00:23:11: Und Leopold fehlen auch die politischen Mittel, seinen Willen gegen das eigene
00:23:15: Parlament einfach durchzudrücken.
00:23:17: Was ihn aber nicht davon abhält ist seine persönlichen Ziele
00:23:20: dennoch zu verfolgen
00:23:21: sondern ihnen lediglich dazu zwingend
00:23:22: einen anderen Weg zu nehmen.
00:23:25: und diesen hat Leopolt schon lange vor den schicksalzaften Tagen
00:23:29: in Berlin ausgetreten.
00:23:31: er kommt also keineswegs unvorbereitet.
00:23:34: Wie mehr ist der Kongress das große Finale einer gezielten, jahrelangen Medien- und Lobbykampagne für die er enorme finanzielle
00:23:42: Mittel und politische Kapazitäten investiert hat?
00:23:45: Leopold ist also kein
00:23:46: naivar Abenteurer.
00:23:48: Und auch keine romantischer Imperialist wie vielleicht im Kern der Deutsche Kaiser – der sich letztlich über die kolonialen Restbestände der Welt freut -, sondern ein außerordentlich geduldiger und strategisch denkender
00:24:00: Unternehmer
00:24:01: mit dem Kalkül eines Hedgefondsmanagers und der öffentlichen
00:24:04: Ausstrahlung eines Philanthrophen.
00:24:07: Aufgebaut über eine Lobbykampagne, die über Jahre für europäische Staatsmänner – vor allem auch
00:24:13: amerikanische
00:24:14: Kongressmitglieder – die Erzählungen etabliert hat,
00:24:17: dass er im Kongo-Becken
00:24:19: jenen so entrückten Ort weit weg des Glückes Europäischer Zivilisationen eine humanitäre Mission
00:24:25: verfolge.
00:24:27: Die Unterdrückung
00:24:28: des Arabischen Sklavenhandels, die Öffnung des Kontinents für freie Handel und Zivilisierung
00:24:33: der Bevölkerung.
00:24:35: Und er investiert daher auch schon früh.
00:24:37: in Expeditionen, die zumindest wissenschaftlich aussehen, gründet die internationale Gemeinschaft Natürlich mit ihm an der Spitze, aber unter internationalem Anstrich schreibt Texte mit humanitärem Anspruch und zeigt sich geradezu besessen vom Wohl der Afrikanerinnen
00:24:57: und ihrem Seelenheil.
00:24:59: Zu etwas wie die Bürde des weißen Mannes fokussiert auf
00:25:02: eine einzige Person – Leopoldt,
00:25:05: der sein Leben und sein Geld der Zivilisierung Afrikas
00:25:08: stiftet.
00:25:09: Was ihn in Europa tatsächlich zu einer bewundernden Korifere auf dem Gebiet des zivilisatorischen
00:25:15: Kolonialismus macht?
00:25:17: Ein vermeintlich vertrauensvoller Charakter, dem vor allem die Menschen in der Region am Herzen
00:25:22: liegen.
00:25:23: So die allgemeine Wahrnehmung unter den Kolonialmächten und auch an den USA, die ihre kolonialen Exkursionen im Pazifik bald ganz
00:25:31: ähnlich
00:25:32: legitimieren
00:25:32: werden.
00:25:33: Das ist also Leopold's Geschichte – sie überzeugt in Europa auch dank erheblicher finanzieller Nachhilfe so sehr dass die Berliner Konferenz ihm dem belgischen König persönlich dass Kongo-Bäcken letztlich
00:25:48: einfach überträgt.
00:25:49: Nicht etwa als belgische Kolonie,
00:25:51: sondern
00:25:52: explizit als seinen Privatbesitz unter
00:25:55: dem Namen Freistaat Kongo.
00:25:58: Ein Territorium
00:25:59: also von zwei Komma drei vier Millionen Quadratkilometern.
00:26:04: Sechsund Siebzigmal so groß wie Belgien als Eigentum
00:26:07: eines Einzelnen.
00:26:09: Von dem dort natürlich noch nie jemand gehört hat
00:26:12: und Leopold wird auch nie einen Fuß in dieses Reich setzen, seinen privaten
00:26:16: Vorgarten von der Größe West-Europas.
00:26:19: Er verwaltet ihn
00:26:21: von Brüssel aus.
00:26:23: Wobei wenig überraschen zunächst gar nicht klar ist was es da
00:26:27: denn eigentlich zu Verwalten gebe.
00:26:29: Denn das Projekt ist erstmal sofort mit sich überfordert existiert eigentlich kaum außerhalb der hübschen Karte die sich Leopolt
00:26:36: ins Büro hängt
00:26:37: Denn die Region ist bis dato überhaupt fast nur entlang der Uferbecken des Kongoflusses überhaupt skizziert.
00:26:45: Der Rest
00:26:46: ist eher Vermutung, denn Wissen daran ändern auch die neuen Grenzen auf dem Papier
00:26:51: herzlich wenig.
00:26:52: Weiter weg von jeder kolonialen Kontrolle entlang den Küstenstreifen Afrikas kann
00:26:57: man eigentlich gar nicht sein – nirgendwo ist der
00:26:59: Dschungedichter, die Entfernung weiter das Terrain schwieriger.
00:27:03: kurz Und das ist jedem außer Leopold schnell klar, weshalb man im Rest Europas auch gar keinen Sinn gesehen hat mit Leopolt um das Zentrum des Kontinents zu ringen hier etwas aufzubauen.
00:27:15: Egal was wird
00:27:16: ein Vermögen verschlingen?
00:27:18: Denn es braucht
00:27:18: Stützpunkte, Boote, Personalmaterialversorgung.
00:27:21: und dass alles unter Bedingungen
00:27:23: die den Verschleiß enorm treiben und die Privatkasse schnell zu leeren drohen.
00:27:28: Leopolt ist jedoch nicht einfach
00:27:30: naiv kolonial begeistert Denn der Charakter,
00:27:33: der Kolonie wird von Beginn an nicht etwa von Wagen-Zivilisierungszielen bestimmt wie er sie in Aussicht gestellt hat
00:27:39: sondern bald schon von ökonomischer Ausbeutung.
00:27:42: Einer die nicht nur das Projekt selbst bezahlt, sondern Leopoldt die Heuschrecke im Pelz eines Aufklärers auch bald
00:27:50: sehr reich machen soll
00:27:52: und das Geschäftsmodell dafür ist dabei so einfach wie brutal
00:27:56: und vor allem opportunistisch motiviert.
00:27:59: Denn in den Achtzehntneinziger Jahren explodiert die Nachfrage
00:28:01: nach Naturkautschuk.
00:28:03: die neue Fahrrad und dann die Automobilindustrie
00:28:06: benötigen riesige Mengen.
00:28:07: Und genau diese wachsen wild in den Regenbädern
00:28:10: des Kongo-Banks,
00:28:12: ein Rettungsanker also für das koloniale Himmelfahrtskommando an dem sich Leopold
00:28:17: nur allzu gerne klammert.
00:28:19: Angefangen dabei dass er erklärt alle nicht von Dorfgemeinschaften kultivierten Ländereien und alle Ressourcen darauf
00:28:27: seien nun Eigentum des Staates –des Staates der Er selbst ist!
00:28:31: Das Recht auf die Ernte des Couchschuss
00:28:34: gehört damit also schon
00:28:35: mal ihm und die Bevölkerung
00:28:37: wird seine Arbeitskraft
00:28:38: zu Quoten und Bedingungen,
00:28:40: die natürlich auch er festlegt.
00:28:42: Zumindest auf dem Papier!
00:28:44: Denn zunächst ist das ja erst einmal nur
00:28:46: eine Machtbehauptung.
00:28:48: Um ihr aber auch Nachdruck zu verleihen muss Leopold
00:28:51: erstmal investieren – und zwar in die Forstpublik seine Privatarmee
00:28:55: mehrheitlich aufgestellt aus kongolesischen Soldaten und der belgischen Offizierungen, die nun die Quoten
00:29:01: durchsetzen sollen.
00:29:02: Auch das bleibt ja.
00:29:03: aber zunächst erst mal eine theoretische Antwort auf eine ganz
00:29:07: praktische Frage.
00:29:09: Wie bringt man Menschen, die weder wissen wer der Belgische König ist noch das oder warum er über sie herrscht dazu Fässer
00:29:16: mit Couchhook einzusammeln?
00:29:18: Das muss nun die neue Force-Publik
00:29:20: selbst eine Einheit
00:29:21: basierend auf wenig mehr als ein paar Stützpunkten irgendwo in nirgendwo zusammengehalten von magerer Unterstützung aus Belgien und wie nicht verlässlich.
00:29:29: ihm sollt nun
00:29:31: irgendwie selbst herausfinden.
00:29:33: Wie
00:29:33: die Quoten tatsächlich
00:29:34: durchsetzen?
00:29:35: Wenn
00:29:35: es gibt dafür schlicht keine
00:29:36: Direktive,
00:29:37: kein institutionellen Aufbau.
00:29:39: nur die Menschen des Kongo- und die Forstpublik als Besitzer, die nun fesser mit Couchhook einsammeln muss – wie aber
00:29:47: völlig egal!
00:29:48: Das Ergebnis
00:29:49: kann man sich vorstellen.
00:29:50: Der Kongo entwickelt sich schnell zu einer gesetzlosen Ausbeutungszone ohne Regeln und bald auch menschliche Riegung, bei denen die Nukvoten im Kopf
00:29:58: haben – genau das also worauf Herz der Finsternis von Konrad abzielt!
00:30:03: Und ihre Methoden sind dabei ausführlich dokumentiert in belgischen
00:30:07: Verwaltungsberichten,
00:30:08: Missionarsberichten und Fotografien die heute vielleicht zu den bekanntesten
00:30:12: Darstellungen des Schreckens der Kolonialzeit
00:30:14: überhaupt gehören.
00:30:15: Und deren Wirkung weit über den
00:30:17: Kongo hinaus wirkt Männer Frauen und Kinder in Ketten.
00:30:22: Eine Ordnung
00:30:23: bestimmt durch ein System.
00:30:24: Der Geiseln, Frauen und Kinder werden gefangen genommen, eingesperrt,
00:30:28: manchmal getötet
00:30:29: wenn die Männer eines Dorfes die Kautschukquote nicht erfüllen.
00:30:32: Die simpelste und
00:30:33: effektivste
00:30:34: Maßnahme, die die Männer dann in die Wälder treibt.
00:30:36: immer weiter immer tiefer
00:30:38: für immer weniger
00:30:39: Kautchuk weil sie bestände durch das wenig nachhaltige Ausbeutungssystem
00:30:43: natürlich extrem schnell erschöpft
00:30:44: werden
00:30:45: ebenso wie die Menschen die ihn sammeln müssen.
00:30:48: Durch Leopold's Direktive aus Belgien entwickelt sich also bald eine in jeder Hinsicht
00:30:53: wenig nachhaltige Ordnung der Gewalt.
00:30:57: Noch bekannter aber ist sicherlich das System
00:30:59: der abgehackten Hände,
00:31:01: dass wo bis heute am engsten mit den kritischen Vorstellungen
00:31:04: der Kolonialzeit im Kongo verbunden ist.
00:31:06: Vor allem verbunden mit einer vielfältigen Geschichte des Mangels die die Koloniale Zeit im Land ebenso stark
00:31:12: prägt wie der Reichtum der natürlichen
00:31:14: Ressourcen.
00:31:15: Beides sind von Beginn an
00:31:16: also quasi zwei Seiten derselben Medaille.
00:31:19: Denn die Kautschuk-Suche, die die Mission finanziert und Leopold Reich macht, führt zu einer systematischen Unterversorgung
00:31:26: in der klassischen Landwirtschaft.
00:31:28: Männer, die früher
00:31:29: Felder bestellt oder gejagt hätten, schletten nun Tag einen Tag aus den Kautchuk über hunderte Kilometer ohne
00:31:34: Straßennetz zu den Hefen.
00:31:36: Und das
00:31:37: betrifft bald schon nicht mehr nur die im Kongo lebende Menschen sondern frisst auch die Grundversorgung der
00:31:42: Stützpunkte der Forstpublik
00:31:43: selbst, die nur durch ein dünnes immer wieder unterbrochenes Band
00:31:47: mit Belgien verbunden ist.
00:31:50: Die brutale Ausbeutung sorgt also für Mangelerscheinungen bei der Mission selbst – die sich quasi im Zuge der Erfüllung der Quoten selbst die Versorgung
00:31:58: vor Ort abträt!
00:31:59: Man muss sich also selbst helfen, Ressourcen aggressiv randschaffen um zu überleben.
00:32:04: Und das führt verstärkt durch die bedrohliche Dunkelheit des Dschungels getrieben von Hunger und Paraneuer angestachelt von Alkohol und dem Hochgefühl viel endloser Macht über die Verwaltungssubjekte dazu, dass die Kolonisatoren vor allem die eine Ressource aus Belgien nutzen, die tatsächlich in fast
00:32:21: entloser Menge vorhanden scheint – nämlich Munition!
00:32:25: Zur Erpressung, zur Jagd, zur Unterdrückung und natürlich zur Tötung von Unwilligen die ihre
00:32:30: Nahrungsmittel
00:32:31: nicht abgeben wollen.
00:32:33: Kurz – die Kondensatoren erschießen wahrlos
00:32:35: Mensch und
00:32:35: Tier
00:32:36: und das bereitet bald auch in der Heimat Sorge.
00:32:39: Nicht wegen den Menschen
00:32:40: sondern den Kosten für die Munition.
00:32:43: Aus Belgien folgt daher also eine neue Direktive.
00:32:46: Munition müsse sparsam eingesetzt werden ausschließlich im Sinne der zu erfühlenen Quoten der Couchuck-Ernte Und für jede verbrauchte Patrone müsste daher zukünftig
00:32:57: eine Art Beweis
00:32:58: der Sinnhaftigkeit des Schusses vorgelegt werden.
00:33:01: Ganz praktisch, eine abgehackte rechte Hand!
00:33:05: Was einrücklich zeigt – die Brutalität in den Kolonien wird nicht nur durch Bedingungen vor Ort getrieben, durch Entmenschlichung von Einzelnen in persönlichen und wirtschaftlichen Extremsituationen, sie ist strukturell mit der ökonomischen
00:33:18: Logik verknüpft
00:33:19: In diesem Fall, um Kosten zu senken und gleichzeitig die Disziplinierung zu stärken.
00:33:25: Und das treibt dann wiederum jeden Einzelnen in den Kolonien an –
00:33:29: wenn auch manchmal anders als erwartet!
00:33:31: Denn die Soldaten
00:33:33: weit weg vom Belgischen Zentralstaat,
00:33:35: sie ihre Munition weiter anders nutzen wollen, entdecken schnell die Schlupflöcher in
00:33:39: der neuen Auflage
00:33:40: und entwickeln aus der Direktive daher schnell
00:33:42: ein System der Verstümmelung …
00:33:44: in dem Hände wie alles
00:33:46: andere zu einem Tauschgut werden….
00:33:48: Nun getrieben von der simplen Logik,
00:33:51: ein Schuss eine Hand und eine Patrone.
00:33:54: Tausende fallen dieser Logik in der Folge zum Opfer.
00:33:57: Zudem vollzieht sich all das auch noch in rasender Geschwindigkeit und
00:34:01: weitgehend unkontrolliert.
00:34:03: Stützpunktmissionen fallen ein ums andere Mal in immer kürzeren Abständen in das Land ein, plündern Dörfer aus, zwingen
00:34:10: Menschen zum
00:34:10: Kautschuk sammeln via Erpressung und ziehen dann
00:34:12: weiter zum nächsten.
00:34:14: Und gerade die Zone um den Kongo-Fluss wird dadurch quasi
00:34:17: zur Todeszone
00:34:18: für jeden, der sich noch heranwagt
00:34:20: an die getrampelten Fade der Kolonialverwaltung.
00:34:23: Was dazu führt
00:34:23: dass Tausende immer weiter ins Landesinnere fliehen
00:34:26: was auch die Mission animiert
00:34:28: immer weiter vorzudringen und immer so weiter mit der Konsequenz das eine vergleichsweise kleine Gruppe aus Besatzern und lokalen Kollaboratüren durch ihre Raubzügungsland entlang der Flussarme einen landesweiten Zustand von
00:34:41: Chaos und Willkühlschaft
00:34:43: Und das in einem Ausmaß, dass es schließlich selbst dem Ausland – das eigentlich kaum Einblicke
00:34:48: in die Realität
00:34:49: der
00:34:49: Kolonie hat – irgendwann nicht mehr verborgen bleibt.
00:34:52: Einforan Edmond
00:34:53: Denis Morel ein junger
00:34:55: englischer Redereiangestellter, der in den späten Achtzehnhundertneunzigerjahren als einer der ersten eine so simple wie
00:35:01: bedrückende Beobachtung macht!
00:35:03: Die Schiffe, die in den Kongo fahren bringen Waffen und Soldaten.
00:35:07: Die Schiffe, die zurückkommen, bringen Elfenballen
00:35:09: oder Couchshock
00:35:10: Aber nie waren
00:35:11: als Bezahlung
00:35:12: keine Investitionsgüter oder gar Mitte zur zivilen
00:35:15: Versorgung.
00:35:16: Nur Waffen rein
00:35:18: und Rohstoffe raus,
00:35:19: woraus Morrell richtigerweise schließt – das ist ganz offensichtlich kein Handel sondern Raub
00:35:25: unter Waffengewalt!
00:35:27: Was ihn so aufhört, dass er sogar seinen Posten verlässt und stattdessen in Europa eine der ersten organisierten zivilgesellschaftlichen
00:35:34: Kampagnen der modernen Geschichte überhaupt aufbaut….
00:35:37: Die Kongo Reform Association gegründet, mit dem Ziel international Druck auf Leopold zu erzeugen und damit Elend und Gewalt einzudämmen oder gleich
00:35:48: zu beenden.
00:35:49: Nachdruck erhärt diese Kampagne noch im
00:35:51: selben Jahr durch Watcher
00:35:52: Casement einen britischen Konsul in Kongo, der bereits in drei Jahren ein Bericht an die britische Regierung eingereicht hat – nüchtern bürokratisch korrekt aber genau deshalb vielleicht auch
00:36:02: so vernichtend!
00:36:03: Denn die Bericht wird dann öffentlich und löst in Europa eine
00:36:07: Welle der Entrüstung aus.
00:36:09: Und auf einmal ist Leopolds Privatprojekt damit Mittelpunkt
00:36:13: einer ersten
00:36:14: flächendeckenden Kritik
00:36:15: an Kolonialen Praktiken, über ein Jahrhundert
00:36:18: nachdem Alexander von Humboldt die Sklaverei
00:36:20: in den Spanischen Kolonien
00:36:21: Lateinamerikas angeprangert hatte und vierhundert Jahre
00:36:25: nach der ersten Kritik am Versklawungen durch Vertreter der Kirche in den ersten Spanisch-Kolonien.
00:36:31: Auch diese Kritik bleibt
00:36:32: aber nur eine kurze Episode
00:36:34: und führt nicht zu
00:36:35: einer europäischen Emanzipation
00:36:37: von den
00:36:37: eigenen Kolonialreichen.
00:36:39: Vielmehr erklärt sich die massive Entrüstung,
00:36:42: wohl vor allem auch aus dem Bedürfnis der Abgrenzung.
00:36:45: Der Kongo wird schon damals zum Symbol für den Schrecken des Kolonrealismus vielfach bis heute ohne dass die Beobachtungen
00:36:53: aber auf andere Kolonien übertragen würden
00:36:55: oder das
00:36:56: System als Ganzes hinterfragt wird.
00:36:59: Eine vermeintlich bedauerliche dramatische Einzelepisode für die in der Regel ausschließlich der greifbare
00:37:06: Leopold verantwortlich gemacht wird, als eine Art
00:37:08: Blitzableiter, der die Aufmerksamkeit bis
00:37:11: heute auf einen einzigen Punkt fokussiert.
00:37:13: Weit weg von sich selbst!
00:37:15: Dabei ist die Gewalt im Kongo letztlich nur sichtbarer und weniger subtil
00:37:19: als anderen Orten – was
00:37:21: damals schon zu absurden
00:37:23: kognitiven Verrenkungen führt.
00:37:25: allen voran im deutschen Reich, wo die Entrüstung Anfang des zwanzigten Jahrhunderts über die Praktiken der Belgier ebenfalls hoch ist.
00:37:32: Während genau in dem Jahr, als sie im öffentlichen Diskurs ankommt – nämlich four – das deutsche Reich gerade parallel
00:37:39: damit beginnt eine brutale Vernichtungskampagne im heutigen Namibia zu starten.
00:37:44: und auch im französischen und britischen Reich
00:37:47: ist Geweiht.
00:37:47: natürlich keine Seltenheit genauso
00:37:49: wenig wie Brutalität.
00:37:50: Sie werden
00:37:51: lediglich
00:37:51: strukturierter
00:37:52: und weniger martialisch angewandt.
00:37:54: Das alles fällt aber unter den Tisch.
00:37:56: Und das bis heute könnte man sagen, nicht zuletzt die Deutschen
00:37:59: betonen ja gerne ihren
00:38:01: zeitlich kleinen kolonialen Fußabdruck der
00:38:04: Erinnerung und Reflexion quasi überflüssig machen.
00:38:07: Die Strukturen und Logiken
00:38:09: des Kolonialismus
00:38:10: werden also nicht hinterfragt.
00:38:12: Leopold sieht sich nun aber ab viel, zumindest zur Krisenkommunikation
00:38:16: genötigt.
00:38:18: Er bestreitet Beauftrag gegen Darstellungen und finanziert sogar eine eigene Untersuchungskommission mit natürlich
00:38:24: schon vorher eindeutigem Ergebnis, aber es hilft alles nichts.
00:38:28: Die Forderung nach Aufgabe des Privatprojekts
00:38:30: reißen schlicht nicht ab!
00:38:32: Den Kongo aufzugeben würde aber zumindest für Leopold auch bedeuten – Nicht nur den Verlust hoher Einnahmen
00:38:39: sondern vielleicht noch
00:38:39: schwerwiegner Eine einmalige
00:38:42: Blamage vor ganz Europa.
00:38:44: Das mit so großer Begeisterung gestartete Projekt als beweist nicht etwa für die Stärke und Bedeutung seines Landes auf der Karte der europäischen Großmächte,
00:38:52: sondern genau das
00:38:52: Gegenteil.
00:38:53: Und er selbst
00:38:54: zurechtgesturzt
00:38:55: auf einen unbedeutenden Kleinherrscher.
00:38:59: Gott sei Dank ist Leopold aber
00:39:00: König – und das
00:39:01: bringt natürlich gewisse Vorzüge!
00:39:03: Denn am
00:39:04: Ende des Tages gehört
00:39:05: Belgien immer
00:39:05: noch Leopold, daran
00:39:07: ändern auch politische
00:39:08: Institutionen wie ein Parlament nichts.
00:39:10: Er ist die Verkörperung des Staates und wenn er in Brindolier gerät oder geschwächt wird dann
00:39:15: geht das natürlich für Belgien als Ganzes.
00:39:18: Die Person Leopolt ist für Belgian also schlicht too big to fail.
00:39:22: Anstatt die Kolonie also einfach zu verlassen – oder sie noch schlimmer anderen zu überlassen – kauft der belgische Staat diesen nun Szeneknirschen
00:39:29: das von ihm angerichtete
00:39:31: Schlachthaus ab Und nach Jahren internationalen Drucks wird der Freistaat
00:39:36: damit an den Belgischen Staat übertragen.
00:39:39: Neopold, der das Land als Extraktionsunternehmen betrieben hat,
00:39:42: wird nun also auch noch dafür entschädigt,
00:39:44: dass
00:39:44: er seinen Besitz aufgeht.
00:39:46: Geld, das dieser in der Folge übrigens direkt wieder investiert um sein Image
00:39:50: als kolonialer Monarch zu kitten –
00:39:52: vor allem durch dem Bau des Königlichen Museums für
00:39:55: Zentralafrika
00:39:56: nahe Brüssel ein punktvolles Gebäude voller Objekte aus dem Kongo.
00:40:01: dass es
00:40:02: nach einer Renovation
00:40:03: wieder eröffnet wurde,
00:40:05: diesmal sogar mit einer neuen
00:40:06: Ausstellung, die nun auch zum ersten
00:40:08: Mal überhaupt
00:40:09: die
00:40:09: Verbrechen benennt.
00:40:11: Die Bronzostatoren im umliegenden Park, die belgische Kolonialoffiziere als heldenhafte Zivilisierer zeigen
00:40:18: stehen allerdings ebenfalls noch heute.
00:40:20: In gewisser Weise ist Leopold's Plan
00:40:22: also letztlich zumindest in Teilen aufgegangen.
00:40:25: In Belgien erinnert bis heute wenig an
00:40:27: den Schrecken des
00:40:28: Kongo und vielmehr
00:40:29: an die alte nationale Grüße,
00:40:31: die eher vermeidlich wagemutig
00:40:33: für Belgien mit dem Kolonialprojekt auferstehen lassen wollte.
00:40:36: Die direkten fatalen Folgen
00:40:38: für die Menschen im Kongo hingegen
00:40:40: sind weitestgehend vergessen – Leopolds Bild überstrahlt
00:40:43: sie
00:40:43: egal in welchem Sinne!
00:40:45: Damals, wie heute
00:40:46: denn die eigentlichen Betroffenen über eindrübliche einzelne Fotografien hinaus sichtbar zu machen
00:40:52: scheint heute kaum möglich.
00:40:54: Zum einen bei sich zu lange niemand
00:40:56: für sie interessiert,
00:40:57: niemand ihre Erfahrungen ihr Leben ihre Geschichten dokumentiert aber vielleicht auch weil damals wie heute für den Kongo geht was wir
00:41:04: Eingangs angerissen haben.
00:41:06: er bleibt letztlich abstrakt
00:41:08: zu groß zu weit
00:41:09: weg und zu fremd nie ganz ins Verständnis
00:41:12: Europas von den kolonialreichen
00:41:14: eingerückt
00:41:15: nie ganz akzeptiert, nicht nur als Ausreißer und Extremfall sondern vielleicht eher die Essenz
00:41:21: der Kolonialgeschichte an sich.
00:41:23: Die deutlich macht was letztlich hinter fast jeder
00:41:25: Fassade von kolonieller Ordnung, Zivilisierung und Bekehrung wirkte – ein brutates Willkürsystem der wirtschaftlichen
00:41:32: Ausbeutung das Menschen grundsätzlich als Varo-und
00:41:35: Zündstoff des eigenen wirtschaftliche Aufstiegs versteht.
00:41:39: Und daher ist es vielleicht auch nicht verwunderlich dass die Kolonialgeschichte des Kongo oft als Schauer-Geschichte erzählt wird, gerade die Dimension dabei aber selten systematisch erfasst werden und
00:41:49: auch dann eigentlich abstrakt bleiben.
00:41:53: So die Einschätzung zur Ausgangspopulation, Folge einer Praxis der Entvölkerung
00:42:15: mit vielfältigen Auslösern.
00:42:17: Krankheiten, Ausbeutungen, Mangelernährungsgewalt – die jedoch alle mit dem Kolonialsystem
00:42:21: verbunden sind.
00:42:24: Adam Hochschild
00:42:25: kommt aber in King Leopold's Ghost auf rund zehn Millionen
00:42:28: verlorene Leben durch direkte Gewalt.
00:42:30: Hunger
00:42:31: und Krankheit als Folge der Zwangsarbeit durch Flucht und den Zusammenbruch
00:42:35: sozialer Strukturen.
00:42:36: Zahlen, die intuitiv erschüttern sollten, aber gleichzeitig irgendwie
00:42:41: ungreifbar
00:42:42: bleiben.".
00:42:42: denn längst vergessen sind die Leben dahinter,
00:42:45: ebenso wie was es bedeutet für alle, die das
00:42:47: überleben.
00:42:48: Die Zahlen verdeutlichen vielmehr dass die Geschichte und Geschichten des Kongo in der europäischen Geschichte letztlich
00:42:55: eine Lehrstelle geblieben ist bis heute Denn je nach Schätzung
00:42:59: und Metologie ist das was im Kongo über Jahrzehnte Realität ist
00:43:03: einer der schlimmsten Massenmorde der modernen Geschichte.
00:43:06: Dass das aber irgendwann ebenfalls Teil europäischer Erinnerung wird
00:43:10: scheint fast ausgeschlossen.
00:43:19: Als Belgien, den Kongo übernimmt ist die Direktive durch den
00:43:23: internationalen Druck klar.
00:43:24: Schluss mit Leopolds Exessen.
00:43:26: eine in Anführungsstrichen ordentliche Kononialverwaltung und das was diese Unter-Rechtsstaatlichkeit versteht müssen her so die Erwartung
00:43:35: von außen.
00:43:36: oder kurz der Kongo soll doch bitte aus den Schlagzeilen verschwinden und endlich Ruhe einkehren
00:43:41: bevor noch irgendjemand anfängt den Kononalismus als Ganzes zu hinterfragen.
00:43:45: Und was folgt, ist daher auch keine irgendwie geartete Humanisierung.
00:43:50: Sondern lediglich die Professionalisierung der
00:43:52: selben Grundburg.
00:43:54: Die offene Massengewalt wird sukzessive
00:43:56: zurückgefahren
00:43:57: nicht aus moralischen Gründen sondern vor allem um die Kritiker zu beruhigen und wohl noch mehr weil zunehmend auch ins Gewicht fällt dass eine zu brutale Ausbeutung und zu viele Tote die ökonomischen
00:44:09: Ziele des Projekts selbst gefährden würden
00:44:11: Denn in einer ausgepowerte dezimierte Bevölkerung produziert normal
00:44:15: schlicht weniger.
00:44:17: Das System der
00:44:17: Zwangsarbeit bleibt also wird aber in der Folge zunehmend dem Beispiel
00:44:21: anderer folgend institutionalisiert
00:44:24: was konkret bedeutet anstatt der direkten Gewalt rückt nun die finanzielle Gewalt, die Steuer als Instrument
00:44:31: der institutionellen Gewalt ins Zentrum der ökonomischen Strategie.
00:44:35: Die direkte Gewalt tritt also in den Hintergrund.
00:44:38: umso enger wird aber das Gefläch des
00:44:40: finanziellen Zwang Das weit effizienter
00:44:43: und letztlich kaum weniger brutal die Kontrolle garantiert,
00:44:47: über Kopfsteuern, Hüttensteueren und Arbeitssteuere.
00:44:50: Abgaben, die natürlich nur in belgischer Währung bezahlt werden können – die wiederum nur durch Lohnarbeit verdient werden kann, die ihrerseits nur bei belgischen Unternehmen oder der
00:44:59: Kolonialverwaltung zu leisten ist.
00:45:01: Ein verklausulierter Prozess also, der letztlich aber immer zum
00:45:04: selben Ergebnis führt wie vorher.
00:45:06: Nun aber in einem System das keine konstante physische Gewalt mehr braucht
00:45:10: um Arbeitskraft zu mobilisieren!
00:45:11: zumindest meistens.
00:45:13: Es braucht nur eine Steuer, eine Währung und die glaubhafte Androhung von Gewalt, die implizit wie oft auch explizit hinter jeder finanziellen
00:45:22: Forderung
00:45:22: steht.".
00:45:25: Das belgische Kolonialsystem im Kongo ruht dabei auf drei
00:45:28: Institutionen,
00:45:29: die über den Kongo hinaus beispielhaft für das Institutionsgefüge
00:45:32: der Koloniale Reiche
00:45:33: an sich sind – und die zusammen eine neue Architektur
00:45:37: der Kontrolle bilden.
00:45:38: In der Kongo-Histografie,
00:45:40: manchmal auch als die sogenannte
00:45:42: koloniale Trinität zeichnet.
00:45:44: Also bestehend aus drei zusammenwirkenden Teilen – die Kolonialverwaltung,
00:45:48: die Bergbaukonzerne und
00:45:51: die katholische Kirche.
00:45:52: Drei Kräfte, die in ihren Interessen nicht immer identisch sind,
00:45:56: in ihrer
00:45:56: gemeinsamen Wirkung das konkurrisische System nach den Jahren des Excesses aber über Jahrzehnte
00:46:02: stabil halten.
00:46:03: Die Kolonionalverwaltung bittet dabei das politische
00:46:06: und juristische Grüst
00:46:07: recht!
00:46:08: Steuern, Verwaltungsstruktur und nicht zu vergessen
00:46:10: das Militär.
00:46:12: Denn die Forstpublik muss natürlich bestehen bleiben nur weniger sichtbar gewalttätig aber immer noch vorhanden.
00:46:18: als letztes Druckmitte-
00:46:19: und konstante glaubhafte Androhung von Gewalt.
00:46:22: Die Bergbaukonzerne eint voran die Union Minier.
00:46:25: wiederum lösen zunehmend die Couchok-Polition
00:46:28: als zentralem Wirtschaftsbereich ab
00:46:30: und werden zum eigenständigen wirtschaftlichen Herzstück der Kolonie und darüber
00:46:34: hinaus.
00:46:35: Und gerade diese Union An und sechs noch unter Leopold gegründet
00:46:40: als ein Gemeinschaftsunternehmen
00:46:41: belgischer Banken
00:46:42: und einer britischen
00:46:43: Firma wird dabei zu dem Schlüsselunternehmen welches zunehmend das Monopol auf den Bergbau
00:46:48: in Katanga besitzt.
00:46:50: Zunächst vor allem Kupfer, dann Kobalt Damals noch Nebenprodukt und wirtschaftlich wenig beachtet, aber die Infrastruktur für seine Gewinnung wird bereits mitgebaut.
00:46:59: Und dann natürlich Uran ab den neunzehnundzwanziger Jahren zunächst für die Radium-Produktionen
00:47:04: und dann
00:47:04: ab dem neunzentviertzigen Jahr
00:47:06: vor allem für das Manhattan Project.
00:47:07: Damit
00:47:08: werden nun auch die Gewinne aus der Unternehmung
00:47:11: zunehmend privatisiert – nicht nur das!
00:47:14: Der belgische Staat, der schon unter Leopold eine verschwinden geringe institutionelle Rolle im Land gespielt hat, zieht sich mit der Übernahme der Kolonie – frei nach dem Motto «der Staat ist immer der schlechtere Unternehmer», fast vollständig aus dem
00:47:27: direkten Engagement zurück.
00:47:29: Er setzt den
00:47:30: rechtlichen Rahmen und liefert das Gewaltpotenzial.
00:47:33: Alles Weitere aber wird nun zunehmend gegen Steuerzahlungen
00:47:36: an die Bergbauunternehmen ausgelagert.
00:47:39: Da seien es Vorsorge genauso
00:47:41: wie Infrastruktur- und
00:47:42: Städtebau!
00:47:43: Eine umfassende Kompetenzverschiebung, die den Bergischen Staat enorme Kosten und viel Personal spart und ihn gleichzeitig zunehmend der wirtschaftlichen und
00:47:52: politischen Verantwortung entbindet.
00:47:54: Stattdessen ist es nun die Bergbau-Union und andere, die in Katanga eigene Städte bauen – eigene Krankenhäuser, eigene Schulen
00:48:01: und eine eigene
00:48:02: Infrastruktur
00:48:03: für ihre Arbeitskräfte als ein Art Start
00:48:05: im Staat, der damit faktisch auch bald sehr viel mehr Macht in seiner Region hat als die eiltliche
00:48:11: Kolonialverwaltung.".
00:48:14: Die dritte
00:48:14: und oft vergessenen Kraft, weil am wenigsten sichtbar.
00:48:17: Aber vielleicht gerade deshalb die analytisch interessanteste –
00:48:21: die katholische Kirche!
00:48:22: Denn auch Belgien und der Batekan
00:48:24: schließen früh einen sogenannten
00:48:25: Missionsvertrag, der den Verträgen mit den Bergbauffirmen
00:48:29: gar nicht so unähnlich ist.
00:48:30: Denn auch
00:48:31: hier stellt der belgische Staat lediglich den Zugang im Austausch für Outsourcing
00:48:36: und damit Imagepflege,
00:48:37: die ihn noch von
00:48:38: Verantwortung entbindet und kostenspart.
00:48:41: Anders als die Bergbauunternehmen betreibt die Kirche aber keine Minen,
00:48:45: zumindest nicht im eigentlichen
00:48:46: Sinne sondern vor allem das Bildungssystem.
00:48:49: Die meisten Krankenhäuser und die soziale Infrastruktur Und das ist natürlich keine Philanthropie ohne Funktion.
00:48:55: Denn die Missionsschulen
00:48:56: vermitteln zwar auch Lesen, Schreiben und Rechnen aber auf Französisch mit katholischen Werten und vor allem mit einem Korrikulum dass die koloniale Ordnung quasi als Gott gegeben darstellt und neben dem wirtschaftlichen und militärischen Einfluss auch gesellschaftlich
00:49:11: verankert
00:49:13: was die Trinität im Zusammenspiel ihrer Teile
00:49:15: letztlich extrem effektiv macht.
00:49:17: Denn
00:49:18: anders als die reine Gewaltordnung im Form physischer Unterdrückung deckt sie nun alle drei Ebenen
00:49:23: gesellschaftlicher Kontrolle ab.
00:49:25: Physische Gewalt durch Verwaltung und Militär, wirtschaftliche Abhängigkeit durch die Bergbaukonzerne und ideologische
00:49:32: Legitimation durch die Kirche –
00:49:35: ein klarer Lerneffekt aus der Leopold-Erre und Umorientierung zu
00:49:39: anderen Orts bereits erbrotenen Praktiken!
00:49:41: Ein Kolonialismus,
00:49:42: der nur auf Gewalt setzt ist teuer und instabil.
00:49:46: Aber einer, der auch Erziehung und vermeintliche Fürsorge als Instrument nutzt während er sukzessive alle politischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen durchdringt kann sich langfristig reproduzieren ohne ständig
00:49:59: direkte Gewalt einsetzen zu
00:50:00: müssen.".
00:50:02: Das erklärt die folgenreichste Entscheidung
00:50:04: der belgischen Koloniale Verwaltung
00:50:06: das bewusste Verbot
00:50:07: für höhere Bildungen Denn
00:50:10: Universitäten im Kongo gibt es bis nineteenhundertfünfzig
00:50:14: schlicht nicht, sechs Jahre vor der Unabhängigkeit.
00:50:18: Und die
00:50:18: Begründung lässt sich explizit nachlesen in den belgischen
00:50:22: Parlamentsakten der Zeit.
00:50:24: Eine gebildete Elite würde politische Ansprüche stellen, Unabhängigkeitsideen entwickeln und
00:50:29: die Kononialordnungen infrage stellen – also darf es schlicht keine geben!
00:50:33: Und das folgenreiche Ergebnis ist eine der vielleicht bemerkenswertesten und eindrücklichsten
00:50:39: Zahlen in der Kolonialgeschichte
00:50:40: überhaupt.
00:50:41: Denn als der
00:50:42: Kongo am dreißigsten Juni, unabhängig wird, gibt es in einem Land mit vierzehn Millionen Menschen offiziell
00:50:49: genau siebzehn kongolesische AkademikerInnen.
00:50:53: Kein einzigen kongoläsischen Offizier über dem
00:50:55: Rang
00:50:55: eines Unteroffiziers, kein einziger kongolisischer Richter kein einzigen Arzt,
00:51:00: der eine
00:51:00: vollständige medizinische Ausbildung in Europa absolviert hatte.
00:51:04: Keine Verwaltungsenite und auch kein institutionelles
00:51:06: Personal das eigenständige Staatlichkeit hätte tragen
00:51:09: können.".
00:51:10: Alles was es gibt ist eine Struktur der gesellschaftlichen Kategorisierung wie wir sie aus anderen
00:51:15: Kononialstrukturen nur als so gut kennen.
00:51:17: Das kononiale
00:51:18: Klassenverständnis im Kongo verankert
00:51:20: in der Kategorie der sogenannten aus dem französischen übersetzt fortgeschrittenen
00:51:25: Also jenen Kongolesen, die durch Lebensstil Bildung und Verhalten eine formale Anerkennung
00:51:31: durch die Kononialverwaltung als zivilisiert anstreben.
00:51:34: Und die durch eine Art Probebürgerschaft
00:51:36: dann bestimmte Rechte halten
00:51:38: ohne aber je volle Gleichstellung zu erreichen.
00:51:41: Diese Fortgeschrittenen werden damit zur U-Bahn Mittelklasse und damit den entscheidenden
00:51:46: Einheimischen zuarbeitern für das ansonsten personell schwache Kononalgerüst.
00:51:51: Sie arbeiten als Schreiber,
00:51:52: als Übersetzer, als Krankenpfleger oder als Lehrer
00:51:56: an den Missionsschulen.
00:51:57: Ebenso zu Arbeiter
00:51:59: also die
00:52:00: den Laden am
00:52:00: Laufen halten wie deshalb auch Blitz-Ableiter der Frustration
00:52:04: für die Mehrheitsgesellschaft
00:52:06: als Schutzschild
00:52:06: vor der Konditionalverwaltung
00:52:09: und Patrice Lumumba der gleich relevant werden wird ist
00:52:11: einer von ihnen
00:52:12: kein Wunder Denn zum einen ist es diese Gruppe, der als vermeintliche Kollaborateur bis heute Verachtung und Misstrauen entgegen gebracht wird.
00:52:21: Gleichzeitig ist sie aber auch die einzige mit begrenzten Zugang
00:52:24: zu politischen und ökonomischen Ressourcen.
00:52:27: Und daher auch der Ort an dem die ersten eigenständigen politischen Netzwerke entstehen, die dann letztlich zur
00:52:33: Unabhängigkeitsbewegungen werden –
00:52:35: eine jener unvorhergesehenen Konsequenzen
00:52:38: der so
00:52:38: ausgeklügelten
00:52:39: Kolonialpolitik.
00:52:41: Bis diese aber an Relevanz gewinnen dauert es über fünfzig Jahre, in denen sich an den Grundstrukturen des Landes
00:52:48: kaum etwas ändert.
00:52:49: Was
00:52:50: aber nicht bedeutet das der Kongo im Stillstand
00:52:52: verharrt?
00:52:53: Denn der zunehmende Umstieg auf den Bergbau als zentrale Einnahmequelle löst einen zweiten wirtschaftlichen Boom aus –
00:53:00: der zwar bei den
00:53:01: meisten vor Ort nie im persönlichen Leben ankommt Aber aus der konkurrisischen Würde, die der belgische Staat wiederwillig von Leopold übernommen hat –
00:53:10: bei eine wirtschaftliche
00:53:11: Schlüsseregion
00:53:12: für Belgien und die Weltmacht.
00:53:15: Und dementsprechend ist auch die Infrastruktur Leopoltwils des heutigen Kinshasa in den neunzehntfünfziger
00:53:21: Jahren längst beachtlich!
00:53:23: Die Bergbau-Unternehmen produzieren Kupfer in industriellen Mengen.
00:53:26: Es gibt Eisenbahnen, Kraftwerke und Hilfen.
00:53:29: Belgien investiert in den neunzehnten Fünfzigerjahren sogar mehr in den Kongo als je zuvor angetrieben vom Kalten Krieg – den hohen Gewinnerwartungen aber auch
00:53:37: den wachsenden Dekolonialisierungswellen,
00:53:39: die
00:53:39: die Kolonialmächte langsam dazu
00:53:41: zwingen,
00:53:42: Lebensstandards zu verbessern
00:53:44: um ihre
00:53:44: Reiche irgendwie zu stabilisieren.
00:53:47: In den neunzehnten Fünfzigerjahren macht der Kongo daher auch inzwischen etwa sechzig Prozent der
00:53:51: belgischen Exporteinnahmen aus.
00:53:53: Was nichts anderes bedeutet als, das belgische nachtriegswirtschaftswunder ist zu erheblichen Teilen auf konsolesischem
00:54:00: Kupfer gebaut –
00:54:02: ein riesiger Waren- und Kapitaltransfer, der Belgien stabilisiert und zu einem modernen Nationalstaat transformiert während der Kongos zwar langsam zur globalen Schlüsseregion heranreift Aber die Hypotheken der Zukunft steigen und die institutionelle
00:54:17: Lehre bleibt.
00:54:19: Was letztlich aber auch dazu beiträgt, dass der Widerstand gegen diese Ordnung
00:54:22: und
00:54:22: ihre Ungerechtigkeit ab den
00:54:24: neunzehnten Fünfzigerjahren konstant wächst bis hin
00:54:27: zu Protesten
00:54:28: und einer neuen Welle der gewalttätigen Unterdrückung.
00:54:39: Am dreißigsten Juni-Ninzehnundsechzig erreicht die Dekolonialisierung
00:54:43: endlich den Kongo nach Jahren
00:54:45: wachsenden Widerstand, dann Protest und letztlich auch geflossenen Blut.
00:54:49: All jener die dafür ihr Leben
00:54:51: riskiert haben.
00:54:52: Aber nun bei einer Zeremonie in Leopoldville der heutigen Hauptstadt Kinshasa
00:54:57: wird das Land doch noch unabhängig
00:55:00: Unter Anwesenheit von keinem geringeren
00:55:02: als dem aktuellen Belgischen
00:55:03: König,
00:55:04: Großnäffel Leopold
00:55:06: II.,
00:55:06: der den historischen Moment erkennt und ihn daher noch einmal nutzt um in einer Rede den Kongolesenen gute Ratschläge auf den Weg in die Freiheit mitzugeben.
00:55:16: Und vor allem auch nochmal das glorreiche Erbel
00:55:18: seines
00:55:19: Urgroßonkels ins
00:55:20: Verdiente rampenlich zu stellen
00:55:21: – Die zivilisierende Mission, die den Kongo
00:55:25: an die Welt
00:55:25: angeschlossen hätte.
00:55:27: der Fortschritt,
00:55:27: den die Belgier
00:55:28: gebracht hätten –
00:55:29: ihr unermüdlicher Einsatz für Mensch und wirtschaftliche Entwicklung.
00:55:34: Es ist eine
00:55:34: völlig von der Realität entrückte
00:55:37: aber damals nur allzu übliche
00:55:38: Verzerrung, die noch im Moment der Niederlage versucht die Geschichte aus Perspektive
00:55:43: des vermeintlichen Siegers zu erzählen.
00:55:45: Bedauerlicherweise müsse man sich nun trennen,
00:55:48: man wisse eigentlich auch gar nicht so genau warum….
00:55:50: Aber gern geschehen!
00:55:52: Eine Imagepflege, die noch im Moment der Unabhängigkeit ein Narrativ etabliert, das bis
00:55:57: heute weiter wirkt.
00:55:58: Und auch an diesem Tag wirkt es erst so als würde das Publikum auf dem Podium die erneute Demütigung
00:56:04: stillschweigend ertragen –
00:56:06: auch der
00:56:06: frisch gewählte Premierminister
00:56:08: Patrice Emery Lumumba, thirty-four Jahre alt und eine Figur, die zuvor recht unverhofft zur zentralen
00:56:14: Persönlichkeit der UnAbhängigkeitsbewegung herangreift ist.
00:56:18: Wie schon der Name sagt
00:56:20: Denn eigentlich heißt
00:56:21: er gar nicht Nomumba,
00:56:22: sondern Elias Okid Asombo.
00:56:25: Das Nomumba ist
00:56:26: mehr ein Namen
00:56:27: Zusatz der je nach Übersetzung so viel heißt wie aufgebrachte Masse
00:56:31: oder auch Mannschaft.
00:56:33: Sein Name ist also unmittelbar mit dem Protest verbunden, der die Beschreibung Nomumbas stärker prägt als alles
00:56:40: davor und danach in seinem Leben
00:56:42: was natürlich auch
00:56:43: damit zu tun hat dass ihm davon nicht mehr viel bleibt
00:56:47: geboren mitten im Zentrum des riesigen Landes, weit weg von allem.
00:56:50: Aber vielleicht deshalb auch von Beginn an näher dran an der Lebensrealität der Menschen gegen die er sich sein ganzes Leben
00:56:57: lang sehr widerständig zeigen wird.
00:56:59: Er fliegt von der Missionsschule, weh sich nicht einordnen in die koloniale Ordnung.
00:57:04: Muss es dann aber doch
00:57:06: als Postbeamter?
00:57:07: Aber bereits in seinen frühen Zwanzigern scheint ihm die Karriere in dieser
00:57:11: Ordnung eigentlich unsinnig.
00:57:12: Weshalb er sich in einer
00:57:14: Art inneres Exil zurückzieht und
00:57:16: aus der Ferne studiert – die Menschen-und Verhältnisse um sich herum
00:57:20: wie auch Jura und die
00:57:21: aufkommenden panafrikanischen Ideen!
00:57:24: Peter schreibt ja dann, organisiert gebetete Kreise und kulturelle Veranstaltungen alles als Autodidakt der nach belgischen Verständnis kaum die nötigen Bedingungen erbringt um
00:57:34: überhaupt als zivilisiert
00:57:36: zu gelten
00:57:37: höchstens noch als Störungsfried.
00:57:38: Und bei es gar nicht so leicht ist Lungomba politisch zugreifen!
00:57:43: Denn als er die politische
00:57:44: Bühne in deiner eigenen Partei betritt, ist er vor allem ausgerichtet
00:57:49: auf einen entscheidenden Punkt – Die Unabhängigkeit des Kongos
00:57:54: Begründet ebenso auf einem neuen nationalen Selbstverständnis der
00:57:58: Nation
00:57:58: der Kongolesenen.
00:58:00: Ebenso wie gewerkschaftsnah als Kämpfer gegen die wirtschaftliche Ausbeutung und liberal, wenn es
00:58:06: um Rechtsgleichheit und gesellschaftliche Emanzipation geht
00:58:09: Und anders als andere politische Bewegungen der Zeit, die sich schwer tun in dem riesigen Land Fuß zu fassen gelingt es Lomumba und seiner Partei
00:58:17: damit fast alle Menschen im Land bis Anfang der sechziger Jahre auch tatsächlich zu erreichen.
00:58:23: Ein Prozess also von außergewöhnlicher Geschwindigkeit über
00:58:26: knapp zwei
00:58:27: Jahre, bei der gerade nur Mumbas persönliche Rolle gar nicht
00:58:30: überschätzt werden kann.
00:58:32: Denn es ist eher der das neue Selbstverständnis definiert und vor allem auch artikuliert, der in der Lage ist massen anzuziehen und ihren Forderungen rhetorischen Nachdruck zu verleihen
00:58:42: als Sprachrohr einer entrechteten
00:58:44: Masse."
00:58:45: was
00:58:45: ihn letztlich auch zu den unangefochten
00:58:48: Anführer der ersten panafrikanischen Massenbewegung in der Geschichte des Kongo macht.
00:58:53: Wie anderen Orts auch,
00:58:54: vor allem getragen
00:58:55: durch seine Person und die Fokussierung auf das eine Ziel – Unabhängigkeit!
00:59:02: Es hat wahrscheinlich eigentlich nicht überraschend ist, dass Lumumba an diesem Tag
00:59:07: nicht einfach schweigt und das belgische Protokoll übersich ertragen lässt
00:59:11: Denn als der belgliche König gerade geändert hat tritt dieser nun ebenfalls
00:59:16: ans Mikrofon.
00:59:17: Unangekündigt, nicht abgesprochen und zur großen Verwunderung der Beiwohnern Europäer die eigentlich
00:59:24: ein klares Zeremoniell
00:59:25: für den großen Tag
00:59:27: ihres offiziellen Abschieds vorgegeben haben.
00:59:30: Und dass Lumumba sich nun darüber hinweg setzt in dem er selbst ans Mikrophon tritt ist daher vielleicht auch einen noch größerer Schock für die anwesenden Belgier als die massiven Proteste, die Jahre zuvor überhaupt zu
00:59:41: diesem Tag geführt hat.
00:59:43: Aber mit Lumumba steht da nun offensichtlich jemand, mit dem König auf einer Stufe oder
00:59:49: eher eine Bühne
00:59:50: und der gibt sich gar nicht wie ein
00:59:51: dankbares oder beschränktes Herrschafts-Subjekt.
00:59:54: Stattdessen klagt nun Lumumba in perfektem
00:59:57: Französisch an
00:59:58: und hält sich dabei nicht
00:59:59: anders
01:00:00: Business as usual!
01:00:01: Stattdessen spricht er von der Ernietrigung, von der Zwangsarbeit und von den Verhaftungen für Übertretung des Kondensialrechts vom Menschen die schon für ein zu lautes Wort oder ein falsches Lächeln
01:00:12: beschraft worden sind.
01:00:14: Und von den Hunderttausenden, die für die
01:00:16: Unabhängigkeit ihr Leben gelassen
01:00:17: hatten.".
01:00:18: Das entscheidende Zitat – wir sind keine Sklaven mehr!
01:00:22: Die belgische Dedikation ist dementsprechend
01:00:24: entsetzt.
01:00:25: Der belgischen König verlässt
01:00:26: das Land sogar noch am
01:00:27: selben Tag ohne
01:00:28: Lumumba überhaupt die Hand zu schütteln
01:00:30: und belgische Diplomatenberichte des Tages beschreiben eine Mischung aus Empörung
01:00:35: und Schock.
01:00:36: Die Unabhängigkeit, die man selbst begleitet hatte als würde sich dabei um nichts Bedeutsameres als eine Autogrammstunde für den König in einem Autohaushandeln erzeugt doch tatsächlich nicht nur
01:00:46: strahende Dankbarkeit und ein schluchzenes Lebewohl bei dem neuen ehemaligen Subjekt!
01:00:52: Hinter der in den nächsten Tagen von zahlreichen belgischen Medien und Diplomaten zur schaugestellten theatralische Entrüstung über die Respektlosigkeit steckt aber natürlich nicht nur ein verletztes Fragil des Selbstverständnis oder der Wunsch für sich selbst,
01:01:04: ein günstiges
01:01:05: Narrativ der Vergangenheit zu etablieren.
01:01:07: Denn jedem in Belgien – gerade auch bei den Bergbauunternehmen wird spätestens in dem Moment, in dem sich Lumumba über die diplomatischen Höflichkeiten hinweg setzt, bewusst.
01:01:19: nun Das
01:01:19: ist eine klare politische Ansage.
01:01:22: Und das Programm dahinter scheint ebenso klar!
01:01:25: Die Ressourcen des Kongos, das Kupfer und das Kobalt, die Diamanten, das Gold und das Uran-Ton
01:01:31: verloren zu gehen.
01:01:33: Lomumba hat natürlich auch im Vorfeld bereits
01:01:35: keinen Hehl aus seinen Verstaatlichungsplänen
01:01:37: gemacht – aber dass die Unabhängigkeit kein Business as usual Nach der es einfach weitergeht wie zuvor, wird vielleicht erst in dem Moment als Domumba sich über die etablierten Normen hinweg setzt und ans Mikrofon tritt –
01:01:50: wirklich für alle deutlich.
01:01:53: Denn damit setzt er früh in der Unemphängigkeit ein klares Signal das vom Gegenüber
01:01:57: direkt als Bedrohung wahrgenommen
01:01:59: wird was den weiteren Verlauf der Geschichte vielleicht stärker beeinflusst
01:02:02: als man einer einzelnen Rede eigentlich zugestehen will.
01:02:06: Dabei ist Domumba kein sozialistischer verstaatlicher
01:02:09: im sowjetischen Sinne.
01:02:10: ganz im Gegenteil
01:02:12: Er sucht von Beginn
01:02:13: an aktiv
01:02:14: westliche Unterstützung, vor allem
01:02:15: in den USA.
01:02:17: Nur hat er schlicht keine andere Wahl als die Verstaatlichung des Bergbaus zu forcieren.
01:02:22: aus dem gleichen Grund warum
01:02:23: der belgische Staat zunächst recht entspannt mit der Unabhängigkeit umgeht – denn de
01:02:27: facto ändert
01:02:28: sie erst mal nichts an den etablierten Verhältnissen.
01:02:32: Was im größeren Kontext auch zumindest miterklärt, warum es in den neunzehnundsechziger Jahren
01:02:37: überhaupt zu einer Bälle von Unabhängigkeiten gerade in Afrika kommt!
01:02:41: Denn bis dahin hat sich der Kolonialismus entscheidend verändert.
01:02:45: Die früheren staatlichen Mission, die enorm Kosten für Verwaltung und Militär, die engen strukturellen Verbindungen zwischen Staat-und Staatsähnlichen Unternehmen hatten sich im Zuge des konstanten Outsourcings und staatlichen Rückzug
01:02:57: längst gewandelt
01:02:58: zu hauptsächlich privatwirtschaftlichen Unternehmungen in Sinne
01:03:01: einer modernen globalen kapitalistischen Ordnung –
01:03:05: ohne staatliche Koloniale Romantik und politische Ansprüche weit besser
01:03:09: auskommt als mit.
01:03:11: Kurz, es ist schlicht nicht mehr nötig die Kolonien noch zu besetzen in einer Welt in der Bergbau-, Agrar- und Industrieunternehmen alle entscheidenden Strukturen längst übernommen haben.
01:03:21: Und im Sinne von Renditeerwartungen effiziente vor allem finanzielle
01:03:25: Kontrollstrukturen etabliert haben.
01:03:28: Neben allen anderen Faktoren –
01:03:30: der Überspannung
01:03:31: der Kolonialreiche, der finanziellen und politischen Erschöpfung nach dem Zweiten Weltkrieg dem Kalten Krieg, dem entstehen akademischer Gruppen in diversen Kolonien die zunehmend ein
01:03:40: politisches
01:03:41: Selbstbewusstsein entwickeln ist es also auch entscheidend dass sich der politische Kolonialismus des frühen zwanzigsten Jahrhunderts zunehmen zu einer globalen
01:03:50: kapitalistischen
01:03:51: Ordnung
01:03:51: gewandelt hatte.
01:03:52: Womit die Unabhängigkeit weit
01:03:54: weniger
01:03:54: bedrohlich aussieht
01:03:56: ganz im Gegenteil
01:03:58: Denn sie befreit nun die ehemaligen Koloniale Staaten von weiterhin hohen Kosten und vor allem
01:04:03: auch der Verantwortung über ihre kolonialen
01:04:06: Subjekte,
01:04:07: die sich zunehmend wären.
01:04:09: Der Verantwortungsverlust ist also durchaus gewollt, solange er ohne finanziellen Verlust aus den
01:04:15: Geschäften einhergeht – auch wenn dabei das Großmachtsego ein bisschen schmerzt!
01:04:21: Und in der neuen und vor allen von den USA in der westlichen Hemisphäre etablierten globalen Wirtschaftsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg, die auf wirtschaftliche Liberalisierung setzt, lässt sich das
01:04:31: nur allzu gut verwirklichen….
01:04:33: Denn in ihr werden aus den ehemaligen Konditionalunternehmen, in denen Staat und Privatwirtschaft gemeinschaftlich agieren – nun endgültig multinationale Konzerne im Sinne
01:04:44: einer globalen freien Marktwirtschaft.
01:04:46: Was sie de facto unantastbar und ihre Unabhängigkeit
01:04:50: zu einer mächtigen Waffe
01:04:51: macht.".
01:04:52: Denn bei der Kampf gegen private Unternehmen zuvor gleichzusetzen mit einem Kampf gegen die Besatzung ist er ein schwerwiegender
01:05:00: Eingriff in die Unabhängigkeit der Unternehmen.
01:05:04: Kurz, die liberale Wirtschaftsordnung bietet den Kolonialmächten eigentlich
01:05:09: einen Easy Way out – wobei natürlich
01:05:12: entscheidend ist.
01:05:13: das Verhältnis zwischen nun freien Staaten und diesen Privatunternehmen wird fast nirgendwo im Zuge der
01:05:19: Befreiung neu verhandelt oder gebrochen.
01:05:22: Wie mehr behalten die Unternehmen ihre wirtschaftliche Dominanz und damit quasi
01:05:26: die koloniale
01:05:27: ökonomische Kontrolle werden aber gleichzeitig durch die Parallelität aus Befreiung und dem Dogma der liberalisierten Weltwirtschaft gewissermaßen weiß gewaschen
01:05:38: und immunisiert.
01:05:40: Für Lomumba ist diese Situation nun aber derart offensichtlich ungerecht, dass er eigentlich nicht daran zweifelt, zumindest in den USA und bei den neuen internationalen
01:05:50: Institutionen Unterstützung
01:05:51: für seinen Summarinitätsanspruch
01:05:53: über die eigenen Ressourcen zu finden.
01:05:55: Schließlich hatten die USA die Befreiung zumindest rhetorisch mitgetragen und sich auch als Garant für Freiheit und Demokratie
01:06:02: nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert.
01:06:05: Die überraschende Reaktion bei einem Besuch von Lumumba bei Eisenhower fällt allerdings
01:06:10: eisig aus!
01:06:11: Denn wie viele afrikanische Figuren der Befreiung unterschätzt Nomumba Anfang der neunzehnten sechziger Jahre noch den neuen Konflikt zwischen den Supermächten und damit, dass aus amerikanischer Perspektive jeder der westliche wirtschaftlichen Interessen infrage stellt in der Binärlogik des Kalten Kriegels automatisch
01:06:29: ein potenzieller Sowjetverbündeter ist.
01:06:31: Und er unterschädzt auch den Umstand dass auch US-Unternehmen längst in dem Milliardengeschäft
01:06:36: im Land etabliert
01:06:37: sind und diesen nun im Zuge des Systemkonfliktes nur
01:06:40: umso mehr Bedeutung zukommt, gerade wenn es um die Produktion von Kupfer und Uran geht.
01:06:46: Dabei ist die Sorge eigentlich grundsätzlich unberechtigt denn Lumumba kommt gar nicht mehr dazu überhaupt einen ersten Plan für eine Transformation
01:06:54: zu skizzieren –
01:06:56: und dennoch so zynisches klingend Näher als Lumumba's gut.
01:07:01: siebzig Tage an der Macht, wird das Land der eigenen Summarinität über seine Ressourcen und einem momentpolitischen
01:07:07: Hoffnung vielleicht nie wieder kommen.
01:07:09: Lumumba bleibt das Symbol für das was hätte sein können ohne aber dass je klar wird wie liberal oder auch sozialistisch
01:07:17: das Land unter seiner Führung tatsächlich geworden wäre
01:07:20: Vor allem nachdem nur Wochennach der Unabhängigkeit
01:07:23: Meus
01:07:23: Ticombe, der Gouverneur
01:07:25: Katangas und
01:07:26: enger Vertrauter der belgischen Bergbauinteressen
01:07:29: die Provinz im Osten des Landes für unabhängig erklärt.
01:07:33: Noch im Moment der UnAbhängigkeit beginnt die Bergbau-Union also damit ihre
01:07:37: wirtschaftliche Macht gegen den freien Kongo und die mögliche Bedrohung durch Nomumba zu verteidigen
01:07:42: – und ihr erstes Mittel dabei
01:07:45: ist die Finanzierung von Ticombis Sezessionsregierung!
01:07:48: mit Bergbaueinnahmen, die natürlich eigentlich an den Zentralstaat hätten
01:07:52: fließen sollen.
01:07:54: Und unterstützt wird sie dabei vom belgischen Staat der seine Offiziere nach der Unabhängigkeit nicht etwa abzieht sondern diese nun Ticombis Truppen führen lässt ebenso wie
01:08:04: hunderte belgischer Söldner.
01:08:07: Das Ganze ist also keine spontane Sezession auf Grundlage von irgendwelchen internen Konflikten um die Macht, sondern es ist von Beginn an nur Wochen nach der Unabhängigkeit eine
01:08:18: gesponserte Gegenrevolution zum Schutz
01:08:21: von Mineninteressen und damit den privatwirtschaftlichen und staatlichen Interessen
01:08:25: aus Belgien.
01:08:28: Bestützt
01:08:28: und gefördert durch die Regierung in Belgien, Anti-Image-Kampagne versucht Lomumba
01:08:35: zu einem antiweißen
01:08:36: Kommunisten zu machen und sich als Schutzmacht
01:08:39: der Belgier im Land
01:08:40: aufspielt.
01:08:41: Wohl wissen, dass sie damit auch die Radikalisierung unter den Belgiern im Land anstachelt, die dieses nach der Unabhängigkeit
01:08:47: nicht verlassen haben.
01:08:48: Geschätzt Leute
01:08:49: und vor allem Militärs,
01:08:51: denen nun an vielen Orten
01:08:52: noch immer für die Kongolisische Armee in Einsatz
01:08:54: sind –
01:08:55: denn die hat ja kaum andere Alternativen!
01:08:58: Die Lage für Lomumba entwickelt sich also nur wenige Wochen nach dem großen Triumph der Unabhängigkeit
01:09:04: sehr schnell dramatisch in Schlechte.
01:09:07: Keine Rückendeckung aus den USA, eine Sitzession im Ostkongo, belgische Offiziere die jede Schwäche nutzen könnten zur Revolte, bestechliche kongolesische Soldaten, die kaum sollte erhalten und eine Allianz aus Bergbau- und belgischen Staat, die mit gewaltigen Mitteln
01:09:23: daran arbeiten können jedes politische Projekt im Keim zu
01:09:26: ersticken.".
01:09:28: Wenn man so will, wartet also
01:09:30: hinter der Unabhängigkeit nur
01:09:32: erneut die Frage
01:09:32: der UnAbhängigkeit.
01:09:34: Nur jetzt halt tatsächlich und
01:09:36: nicht einfach als symbolischer Akt.
01:09:39: Was also
01:09:40: tun um irgendwie Kontrolle und
01:09:43: Sognität zu erlangen?
01:09:45: Du Mumba weht den
01:09:46: aus seiner Sicht einzigen Ausweg.
01:09:49: Wenn Belgien das Land nicht überlassen will und die
01:09:52: USA
01:09:52: es dabei unterstützen
01:09:54: dann bleibt eigentlich nur der Blick nach Osten.
01:09:57: Und damit
01:09:58: die Sowjetunion um Unterstützung gegen die Besatzung bitten.
01:10:02: Ein irgendwie sologischer,
01:10:04: wie auch dramatisch naiver Plan der vielleicht
01:10:07: größte
01:10:08: Fehler in der kongolästischen Geschichte überhaupt ist.
01:10:10: Denn kaum erreicht das Telegram Moskau –
01:10:13: da liegt es auch schon in Washington!
01:10:15: Die CIA hat nur darauf gewartet und hier isst sie nun
01:10:19: ihre Begründung Lumumba endlich zu beseitigen.
01:10:22: Eine neue für Lumumba lange Zeit unsichtbare Gefahr, nachdem sich der Konflikt mit seinen Sezessionisten im Ostkongo und zunehmend auch der Belgischen Armee, die sich dort stationiert
01:10:34: weiter zuspitzt.
01:10:37: Die eine Gefahr kommt
01:10:38: dabei eingeflogen.
01:10:39: Im August neunzehntsechzig schickt Allen Dulles damaliger CIA-Direktor ein Telegramm an die
01:10:45: CIA-Station in Neoportville.
01:10:47: Lomumba sei die Zitat ernsteste Bedrohung für
01:10:51: unsere Ziele im Kongo
01:10:52: und seine Zitat Entfernung
01:10:54: daher vorrangige
01:10:56: Aufgabe.".
01:10:57: Und schon kurz darauf trifft auch eine
01:10:58: Maschine aus Washington
01:11:00: in Neopold Will ein, an Bord einen CIA-Wissenschaftler
01:11:03: mit einem chemischen Wirkstoff
01:11:05: der Lumumbaßtod
01:11:06: wie eine natürliche Krankheit aussehen lassen soll.
01:11:10: Was wohl auch deshalb nur heute öffentlich ist –
01:11:12: weil es nicht dazu kommt!
01:11:14: Denn andere sind schlicht schneller.
01:11:16: Genauer Josef Desiree Mobuto
01:11:19: früherer Wegbegleiter Lumumbas
01:11:21: und
01:11:21: Armeechef, der inzwischen
01:11:23: aber die Seiten gewechselt hat.
01:11:24: Und sich nun im Sinne der reichhaltigen Unterstützung, die ihm die CIA verspricht sowie seines eigenen Machtausbaus mit dem Staatschef
01:11:32: des Landes verbündet um Lumumba zu stürzen.
01:11:36: Was folgt ist als die sogenannten Kongu-Würgen bekannt ein komplizierter Prozess, in dem nun Lumumba uns sein Gegenüber um die Legitimität
01:11:48: Bis am vierzehnten
01:11:49: September, die Armee unter Mobuto in einem mit den USA abgesprochenen und geförderten
01:11:55: Putsch
01:11:57: übernimmt.
01:11:58: Und
01:11:58: Lumumba unter Hausarrest stellt.
01:12:02: Was nun danach passiert ist ehrlicherweise
01:12:04: bis heute nicht ganz
01:12:05: klar und weiter
01:12:06: der Ausgangspunkt diverser Debatten,
01:12:08: in denen sich vermutlich Beteiligte seit Jahrzehnten den
01:12:11: Schwarzen Peter weiter gegenseitig
01:12:12: zuschieben.
01:12:13: Und diverse Narrative, diverse schuldige Teilverantwortliche und Strippenzier ausmachen – inklusive einem Wust an Malmere-und mal weniger verklausulierten Verlautbarungen und Teileingeständnissen
01:12:25: der beteiligten staatlichen Akteure.
01:12:28: Was wir aber wissen ist, dass Nomumba ab September neunzehnhundertsechzig de facto Gefangener
01:12:33: von Mobutu ist
01:12:35: und sich ohne Frage große
01:12:36: Sorgen macht, um sein eigenes Leben.
01:12:38: Zu Recht!
01:12:39: Dann auch der Befehl an die CIA ihn zu töten – einige Kongressabgeordnete
01:12:44: sagen
01:12:44: später von Eisenhower persönlich eingefordert ist weiter aktuell.
01:12:48: Und Lummermann weiß zudem auch wenn er die politische Macht nun los ist so lange er lebt
01:12:54: bleibt ja ein Gefahr für alle, die folgen.
01:12:56: und wenn es nur symbolisch ist.
01:12:58: Er muss also das Schlimmste fürchen.
01:13:02: Hier hört aber eigentlich Auch schon auf,
01:13:04: was wir mit Sicherheit sagen können.
01:13:06: Denn offiziell versucht er deshalb im Dezember-Ninzehntsechzig aus dem Hausarrest
01:13:11: zu fliehen – was ihm tatsächlich auch gelingt.
01:13:14: Also zumindest
01:13:15: verschwindet er
01:13:16: und taug nicht wieder auf!
01:13:19: Was aber direkt die Frage aufmacht?
01:13:21: Warum gelingt Lomoma die Flucht jetzt?
01:13:23: Warum nicht früher
01:13:25: wenn es doch so einfach scheint?
01:13:27: Nutzt der einfach einen günstigen Moment endlich aus der Schockstarre befreit Wissen das er keine andere Wahl hat als es versuchen?
01:13:34: bekommt er dabei Unterstützung von Freunden
01:13:36: oder auch
01:13:37: Feinden.
01:13:38: Soll er vielleicht sogar fliehen, damit Mobutu ihn und die Verantwortung für alles was folgt los ist?
01:13:44: Lässt Mobuttu ihn also vielleicht gehen um sein eigenes Image zu schonen Und den Druck der auf ihm als Werter liegt an jemandem anders abzugeben?
01:13:52: Oder wird er vielleicht
01:13:53: sogar animiert
01:13:55: oder offen aufgefordert
01:13:56: Vielleicht von einem der ausländischen
01:13:58: Akteure du Mumba die Flucht zu ermöglichen weil diese
01:14:01: eigene Pläne haben?
01:14:03: Oder gibt es gar keine Flucht?
01:14:04: Nur einen
01:14:05: angeforderten, gefangenen Transport.
01:14:08: Das alles bleibt weitestgehend unklar.
01:14:10: Klar ist aber sowohl für Mobuto wie auch jeden anderen der Lumumba loswerden will ohne dabei selbst verwickelt zu werden – ist dessen Flucht
01:14:19: ein Riesengewinn!
01:14:20: Denn bereits
01:14:21: kurz nach seiner Flucht wird dieser zufälligerweise wieder aufgegriffen und nicht etwa wieder zurückgebracht sondern ausgerechnet an die
01:14:30: unabhängige Regierung
01:14:31: Ticombis in
01:14:32: Katanga ausgeliefert.
01:14:34: Womit sich Lumumba nur nicht nur im Territorium seines größten indendischen Machtkonkurrenten befindet, sondern damit de facto
01:14:42: in einem
01:14:42: Gebiet, in dem Belgien und die Bergbaugesellschaft finanzielle
01:14:46: und politische Kontrolle behaupten.
01:14:50: Ein Monat später ist Lumumba
01:14:51: tot!
01:14:53: Am siebzehnten Januar nineteenundsechzig zusammen mit zwei Mitstreitern erschossen
01:14:57: im Alter von nur vierunddreißig Jahren, bevor
01:14:59: auch nur irgendeine politische Idee
01:15:01: für das Land hätte Form annehmen können.
01:15:05: Und dabei ist lange Zeit nicht mehr ganz klar wer überhaupt
01:15:07: bei dieser Ermordung dabei ist.
01:15:10: Erst Jahre später wird öffentlich Belgische Offiziere kommandieren
01:15:13: die Soldaten, die ihn später
01:15:15: exekutieren.
01:15:16: und nicht nur das!
01:15:17: Um
01:15:17: jede Spur an das Verbrechen zu vernichten.
01:15:20: und auch gleich Lomombas andenken, lösen Sie dessen Körper später in Schwefels
01:15:24: eure auf.
01:15:25: Erst Jahre später berichtet
01:15:26: es einen damals im Kongo-tätiger
01:15:28: Polizeiauffizier aus Belgien
01:15:30: wie eine Anekdote bei einem Interview.
01:15:33: Wirklich ein Zahn sei erhalten
01:15:34: geblieben den
01:15:35: der Belger mit nach Hause nimmt als Souvenir,
01:15:37: wer ebenso stolz
01:15:38: erzählt."
01:15:39: Worauf ein
01:15:40: jahrzehntelanger juristischer
01:15:41: Kampf folgt, der erst zwanzig-zweiundzwanzig darin mündet das Belgien dem
01:15:46: Kongo und den Zahn wieder zurückgibt.
01:15:48: Als einzige sterbliche Überreste von Dumumbaar aber damit auch der
01:15:53: kurzen lediglich siebzig Tage wehrenden politischen Hoffnung nach der Unabhängigkeit.
01:15:58: Der Schatten
01:15:59: des Konditionalismus hingegen wirkt bis heute wie das Verfahren
01:16:02: von zwanzich-zweihendzwanziger ganz praktisch zeigt.
01:16:06: Und nicht nur der!
01:16:06: Denn seit den neunzehntzigern Jahren hat sich der Radius der tatsächlichen oder möglicherweise Beteiligten an diesem Kuh und auch
01:16:13: der Ermordung konstant nur ausgeweitet.
01:16:16: Auf den MSX, der beteiligt gewesen sein könnte, den belgischen König, der von dem Plen zur Ermordung auf jeden Fall wusste als Teil eines Netzwerkes aus Monarchisten- und Kolonisatoren
01:16:27: sowie diverse Geschäftsmänner, belgische Militärs und Co..
01:16:31: die auch weiterhin Teil von anhaltenden
01:16:33: Verfahren sind, wie zum Beispiel der belgische Geschäftsmann Etienne Davinion.
01:16:38: Dem die belgischen
01:16:38: Staatsanwaltschaft die Mithilfe
01:16:40: an Versteppung und Ermordungen Lumumers
01:16:42: vorwirft und gegen den die Verfahren jetzt gerade erst im März-Zwanzig-Sechsohnzwanzig
01:16:48: überhaupt
01:16:48: anlaufen.".
01:16:50: Ein Prozess, der
01:16:50: also längst nicht abgeschlossen ist.
01:16:52: Was vor allem auch daran
01:16:53: liegt, dass er lange Zeit gar nicht begann.
01:16:55: Denn erst-twanzig-einundzwanzig
01:16:57: hat Belgien nach einem parlamentarischen Untersuchungsbericht überhaupt eine Zitat moralische Mitverantwortung
01:17:04: an Nomumbas Tod eingeräumt –
01:17:06: ein nicht umsonst präzise gewählter Begriff in seiner Unverbindlichkeit die vorallem mehr aus denn eigentlich
01:17:13: einschließt!
01:17:14: Die USA hingegen
01:17:14: haben bis heute keine liveformale
01:17:16: Erklärung zur Rolle der CIA abgegeben, obwohl die in den vergangenen Jahren freigegebenen Dokumente auch hier eigentlich wenig Interpretationsspielraum zulassen über die direkte
01:17:25: Beteiligung an Lumumbas Tod.
01:17:29: Was Lumumbass Ermordungen für die Geschichte Skongo bedeutet geht aber so oder so über die Biografie und diesen vielleicht niemals abgeschlossenen
01:17:36: Prozess hinaus
01:17:39: Denn sie macht den Kongo vielmehr zu einem zentralen Beispiel für die Transformation des Kolonialismus in Afrika, in Folge der Unabhängigkeit und damit auch für seinen Keineswegs damit
01:17:49: verbundenes Ende.
01:17:50: Auch wenn über Lumumba heute oft eher gesprochen wird als wäre
01:17:54: es nur ein Politikführler
01:17:55: des Kalten Krieges oder
01:17:56: eine Episode im Kampf der Supermächte.
01:18:00: Denn was bei den Diskussionen um politische Interessen in dieser Region dabei häufig unter den Tisch fällt aber gerade deshalb betont gehört Die schlichte Brutalität, Skrupellosigkeit und Verachtung für das menschliche Leben die Lumumbas Tod spiegelt.
01:18:14: Die nicht allein erklärbar ist durch politische Spielchen-
01:18:17: und Interessenkonflikte.
01:18:20: Für mehr zeigt sich auch hier wieder ein tief verankerter fortlebender Rassismus gegenüber Afrika und den Kongolesenen
01:18:27: im Besonderen.
01:18:28: Gestützt durch das Verständnis dass für eine Region wie dem Congo grundsätzlich nicht die gleichen Regeln gelten, nicht die gleiche Aufmerksamkeit.
01:18:36: Nicht die gleicher Entrüstung!
01:18:38: Nicht die Gleiche Würde!
01:18:39: Nicht
01:18:39: einmal die gleichen Notwendigkeit, eigene Interessen zu tarnen wie
01:18:42: Andernorts.".
01:18:45: Und so löst schon Lomumbas Tod zwar auch im besten ein großes Medienecho aus aber westliche Medien kolportieren zunächst ganz selbstverständlich die Darstellung
01:18:53: einer Zitat
01:18:55: internen Stammesfede während die eigentliche Aufarbeitung
01:18:58: bis heute andauert.
01:19:00: kein Zufall wohlgemerkt, sondern
01:19:02: struktureller Rassismus.
01:19:04: Man schaut einfach nicht genau
01:19:05: hin –
01:19:06: weil das nicht interessiert höchstens als historische Schauergeschichte während Verantwortung für was folgt
01:19:12: bis heute ausgeklammert
01:19:13: wird natürlich auch in Deutschland wo die Beschäftigung mit Kolonialismus und Lumumba konkret gerade noch ausreicht um augenzwinkern ein heißes
01:19:22: Kakao getränkt
01:19:23: mit Rum im Sprachgebrauch
01:19:25: und die Gastronomie zu übernehmen als humorvolles koloniales Relikt
01:19:38: Auf Nomas in Machtung durch Mobutu, und sein Tod.
01:19:42: knapp ein Jahr später folgen vier
01:19:44: Jahre blutiges Chaos.
01:19:47: Nun regnen neue starke Männer vor allem Militärs, Polizeichefs und Söldner verschiedener
01:19:52: Fraktionen um die Macht – inklusive einer gescheiterten UN-Intervention
01:19:56: und der Secession
01:19:57: Katankars.
01:19:58: Letztlich setzt sich aber der bereits
01:20:00: bekannte Mobutru durch!
01:20:02: Er kontrolliert die Hauptstadt und damit das politische Zentrum.
01:20:05: Und es gelingt ihm vor allem auch am besten, die externen Geldgeber davon zu überzeugen, dass er wieder Ordnung schaffen kann – und damit
01:20:13: auch eine Rückkehr zu geregelten Geschäften!
01:20:16: Wenn man so will, gelingt ihn das auch
01:20:18: tatsächlich.
01:20:19: Denn Muguto bleibt wie viele seiner autoritären Nachbarn nicht etwa in einer kurzen Episode, sondern regiert das Land bis Drei Jahrzehnte also, die ihn zu einer international verachteten aber auch symbolisch
01:20:37: überladenen Figur machen.
01:20:39: Die bis heute auch beispielhaft ist für die Darstellung afrikanischer Diktatoren gerade
01:20:44: in westlichen
01:20:45: Medien
01:20:45: und Vorstellungswelten.
01:20:47: Und ohne Frage ist Mobutu auch wirklich eine Figur,
01:20:50: die nur allzu leicht zur Karikatur wird –
01:20:53: es gibt zumindest Momente in seiner Geschichte, die das auch geradezu
01:20:56: herausfordern.
01:20:57: die Leopardenfell-Mütze der Ebony G. Stock und nicht zu vergessen, die bombastische
01:21:03: Selbstbezeichnung.
01:21:04: Mubuto Ceceseko Kuku Engbendu Vasabanga übersetzt ungefähr soviel wie Der Allmächtige Krieger, der durchaus Dauer und Unbeugbarren Willen von Sieg zu Sieg schreitet und dabei
01:21:18: Feuer
01:21:18: hinterlässt.".
01:21:19: Das hat schon
01:21:20: ziemlich viel Aura muss man sagen!
01:21:22: Und das weiß natürlich auch Mubutto selbst.
01:21:25: Der Erfahrung der jahrhundertelangen Entrechtung, gefolgt von der Enttäuschung der Unabhängigkeit und dem Gefühl weiter einfach nur Spielball externer Mächte zu sein ganz bewusst das Bild des potenten afrikanischen
01:21:39: Führers entgegensetzt.
01:21:40: Über selbstbewusst vor Stärke strotzend tief verwurzelt in einer afriikanischen Tradition als mythischer und kultureller Gegenpol zur
01:21:49: kolonialen Ernietrigung mit allem was dazugehört
01:21:53: zum Beispiel der Unbenennung
01:21:54: des Landes.
01:21:56: Denn als Koloniales Überbleibsel
01:21:57: gibt er eben in den Neunzehnten-Siebzig
01:21:59: den afrikanischen Namen Saire und auch die alte Währung muss natürlich weg.
01:22:04: Stattdessen prangt bald sein Name auf dem Schein, während Mobutu sich in allen Fernseh- und Radiosendungen
01:22:10: als Kopf
01:22:11: ankündigen lässt, der aus
01:22:12: den Wolken herabsteigt.
01:22:14: Mobuttu inszeniert sich also als eine Art
01:22:17: nationaler Messias
01:22:18: eines neuen und von der Tradition
01:22:21: gestützten Zeitalters
01:22:22: Und das als umfassende Transformation
01:22:25: des Inneren wie Äußeren.
01:22:27: In seiner sogenannten Authentizität-Kampagne der frühen, neunzehnt, siebziger Jahre fordert er von den Kongolesenen da jetzt zum Beispiel auch europäische Namen
01:22:35: und Kleidung
01:22:36: abzulegen und sich stattdessen auf afrikanische
01:22:38: Werte zu besinnen – und stellt sich selbst dabei natürlich als die Verkürberung genau dieser Werte und der authentischen afrikantischen Identität dar.
01:22:47: Bei aller Karikaturenhaftigkeit sollte man es aber nicht einfach
01:22:50: als Eilbahnheiten abtun.
01:22:52: Denn wenn zumindest grundlegend beantwortet Mobutu damit auf seine zugegeben etwas skurrile Art, eine Frage die für den Kongo aber letztlich ganz Afrika bis
01:23:05: heute relevant ist.
01:23:07: Wie geht man nicht nur im wirtschaftlichen sondern auch im politischen geografischen und gesellschaftlichen Sinne mit dem um was man selbst nicht
01:23:16: geschaffen hat?
01:23:17: sondern einem von den Kononialreichen als wenig mehr, als eine Karte mit zufällig
01:23:21: gezogenen Grenzen übergeben wurde.
01:23:24: Für den Kongo konkret – wie geht man mit einem Land um das so riesig, so vielfältig an Sprachen, Edenien und Interessen ist?
01:23:33: Dass bisher aber lediglich durch Gewalt- und kononiale Minimalordnung zusammengehalten wurde und nicht durch ein irgendwie geartetes nationales Zugehörigkeitsgefühl geschweige denn durch einen
01:23:45: funktionierenden
01:23:46: Staat!
01:23:49: Und die Antworten sind dabei bis heute extrem unterschiedlich, von nationaler Selbstbehauptung
01:23:54: über Pan-Afrikanismus
01:23:56: bis hin zu dem was wenn es gut läuft vielleicht mal
01:23:59: die Zukunft Afrika sein wird.
01:24:01: Zumindest wenn es nach
01:24:02: den Plänen der afrikanischen Union geht
01:24:04: ein Kontinent auf dem ähnlich wie in Europa
01:24:07: die Grenzbäume sukzessive
01:24:09: verschwinden werden und die alten Grenzen über bilaterale und multilaterale Verträge, Freizügigkeit für Menschen, Waren und Tiere wie ein gemeinsames Steuerrecht
01:24:19: langsam
01:24:19: verwischt werden.
01:24:20: Und damit auch das koloniale Erbe zumindest auf den Karten
01:24:24: verblasst.".
01:24:25: Das ist in den neunzehntzigern Jahren
01:24:26: aber noch
01:24:27: Zukunftsmusik – und auch die Afrikanische Union kommt!
01:24:30: sagen wir mal eher
01:24:31: schleppend voran.
01:24:33: Kein Wunder bedeutet mehr Gleichheit, doch immer
01:24:36: auch ein Kampf darum wäre dann am Ende gleicher ist
01:24:38: als andere
01:24:39: und was für Europa
01:24:40: schon eine Herausforderung ist,
01:24:42: ist dabei natürlich für Afrika noch eine größere.
01:24:46: Mobutu findet daher Anfang der neunzehntsächsiger Jahre
01:24:49: eine andere Antwort – eine die weniger
01:24:52: strukturell verändert aber zumindest symbolisch die Wände
01:24:55: schon einmal vollzieht.
01:24:57: Anders als Japan-Afrikanismus ist diese symbolische Wende allerdings vor allem zynisch und das in
01:25:03: doppelter Hinsicht.
01:25:04: Denn Mobuto
01:25:05: instrumentalisiert lediglich eine antikoloniale Erzählung, um seine persönliche Machtkonsolidierung
01:25:11: zu legitimieren – während
01:25:13: er gleichzeitig bald als verlässlicher Westverbündeter im Kalten Krieg agiert und sein persönliches Vermögen
01:25:18: in Schweizer Banken und europäischen Immobilien anlegt.
01:25:22: Der Widerspruch ist also offensichtlich,
01:25:25: stört damals aber niemanden!
01:25:27: Nicht in Kinshasa, wo Kritiker dieser Doppelmoral bald im Gefängnis sitzen und auch nicht in Washington,
01:25:32: wo man andere Prioritäten hat.
01:25:35: Und was Mumbuto in der Folge auf dieser zynischen Balance- und Unterstützung aufbaut, nennt man heute
01:25:41: Achtung.
01:25:41: schöner Begriff Neopatrimonialismus
01:25:44: –
01:25:44: was erstmal Absatz klingt aber eigentlich nur eine sehr simple und konkrete
01:25:49: Logik
01:25:49: beschreibt!
01:25:50: Denn im neopatrimonialen System gibt es keine
01:25:53: Trendlinie zwischen Staatsressourcen und persönlichen Vermögen des Herrschers.
01:25:58: Politische Loyalität wird also nicht durch Ideologie gesichert, sondern durch
01:26:02: materielle Zuwendung –
01:26:03: Positionen, Verträge,
01:26:04: Deviesen- und Straffreiheit.
01:26:07: Wer loyal ist bekommt also Zugang!
01:26:09: Wer nicht loyalist
01:26:11: verliert ihn und riskiert Schlimmeres?
01:26:14: Das System wird durch die Erwartungen zusammengehalten, dass Loyalitet belohnt und Abweichung
01:26:19: bestraft
01:26:19: wird.
01:26:20: Im Kern also eine permanente Tauschstruktur und kein eigentliches institutionelles
01:26:25: System.
01:26:26: Patronage
01:26:27: in ihrer gefriesslichsten Form, wenn man so will!
01:26:30: Und das hat nun mit der Sechzigerjahre als Mobutu anfängt dieses System zu etablieren wiederum zwar nur
01:26:36: allzu leicht
01:26:37: nachvollziehbare wirtschaftliche
01:26:39: Konsequenzen.
01:26:40: Erstens staatliche Institutionen werden nicht als Instrumente öffentlicher Daseinsvorsorge aufgebaut sondern
01:26:48: als Patronagerobjekte.
01:26:51: Ein Ministerium ist als Verwaltungseinheit also quasi wertlos, als Quelle von Positionen und Verträgen für Gefolgsleute dagegen ein hochwertiges
01:27:00: Gut.
01:27:01: Zweitens – auch das ist nur logisch – dieses System kann nur dann aufrechterhalten werden, solange
01:27:07: es auch etwas zu verteilen gibt.
01:27:09: Was die Rohstoffeinnahmen zur politischen
01:27:11: Existenzfrage macht.
01:27:13: Denn kein Ressourcenfluss, keine Patronage
01:27:16: und damit kein
01:27:17: Regime und eventuell ein
01:27:18: Ende Mobutus!
01:27:22: Was Mobutto Anfang der neunzehnten Siebziger Jahre nun aber ironischerweise nur zu derselben Erkenntnis wie zuvor schon
01:27:29: Nomumba führt, nur unter anderen Vorzeichen.
01:27:32: Der Zugriff auf die Ressourcen muss
01:27:34: gesichert werden –
01:27:35: was Mobutte zur Seirisierung treibt seinem wirtschaftlichen Großprojekt der frühen Neunzehnundsebzige Jahre.
01:27:42: und das strebt wiederum eigentlich nichts anderes an
01:27:45: als Verstaatlichung des Bergbaus
01:27:48: Was angesichts der Tatsache, dass Mobuto thirty-two Jahre lang herrscht, natürlich direkt die Frage aufwirft.
01:27:53: Warum kommt ausrechnet er damit durch?
01:27:57: Während Lomumba doch nur wenige Jahre zuvor nur für die Andeutung einer möglichen Verstaatlichungen bereits
01:28:03: mit seinem Leben bezahlt.
01:28:04: und die Antwort ist wie immer kompliziert aber eigentlich
01:28:07: auch ganz einfach.
01:28:09: Zunächst hat Mobuto schlicht Glück denn als sein Verstaatechungsprojekt startet haben sich
01:28:13: die Zeiten längst geändert.
01:28:15: Europa hat die Kolonien fast schon vergessen und der Aufschwung in den eigenen Volkswirtschaften lässt auch das enttäuschte Ego nicht mehr kolonial macht zu sein, langsam aber doch sicher
01:28:25: verblassen.
01:28:26: So auch in Belgien dass sich in der Unruhephase sukzessive doch noch aus
01:28:30: dem Land zurückgezogen hat – zumindest politisch!
01:28:34: Die großen Player in Afrika sind nun die Sowjetunion und vor allem die USA, die bei Mobutu in erster Linie zunehmen
01:28:41: politische Loyalität im Ring
01:28:43: um Afrika wollen und weniger
01:28:45: wirtschaftliche Zugeständnisse.
01:28:47: Und Mobutuu liefert genau DIE!
01:28:49: Er macht sich zum
01:28:50: Träum verbündeten...
01:28:52: Zuverlässig antikommunistisch, bereit in Angola die Unitarrebellen mit Waffendiefungen durch Kongolesisches Territorium zu unterstützen.
01:28:58: Bereit CIA-Operation im Zentral Afrika zu ermöglichen und
01:29:03: immer so weiter.
01:29:04: Er wird durch seine Unterstützung also schnell so etwas wie ein unversichtbarer Knotenpunkt für die strategischen Interessen
01:29:09: der USA in Zentralafrika.
01:29:12: Und dafür begrüßen ihn als Belohnung – in der Folge quasi alle US-Präsidentinnen als respekthaften Staatsmann,
01:29:18: denen es zur Unterstützung gilt!
01:29:20: Von Nixon über Carter, Reagan und letztlich Bush.
01:29:24: alle schütteln fleißig Hände und garantieren
01:29:26: politische Unterstützung.
01:29:28: Was natürlich auch an den internationalen Akteuren
01:29:30: nicht einfach vorbeigeht!
01:29:31: Denn der IWF vergibt in der Folge großzügig Kredite
01:29:35: ohne Ernsthaftier zu kontrollieren wo das Geld
01:29:37: eigentlich hinfließt – und auch Frankreich und Belgien unterhalten
01:29:41: weiter enge wirtschaftliche Beziehungen.
01:29:44: Alles sehr ironisch, wenn man bedenkt, dass auch Lumumba kein ausgesprochener Gegner
01:29:49: des Westens war.
01:29:51: Auch er strebte ja lediglich Rohstoff-Sorinität an
01:29:54: wie jetzt
01:29:55: Mobuto – auch er hätte sich also vielleicht zu einem solchen Partner entwickeln können, wenn ich ihn frühzeitig unterstützt und nicht gestürzt hätte, wenn
01:30:03: auch vielleicht zu anderen Konditionen.
01:30:07: Mobuto hat aber nicht nur Glück denn er unterscheidet sich eben auch grundlegend
01:30:12: von Lumumba durch sein politisches System Und so will
01:30:16: er zwar auch verstaatlichen, aber damit ist keinerlei glaubhaftes Versprechen verbunden das Rohstoffgeschäft an sich zu transformieren
01:30:24: oder irgendwie gerechter zu gestalten.
01:30:26: Denn in der Praxis geht es ihm nicht um effiziente staatliche Bewirtschaftung und irgendwie gearteten volkswirtschaftlichen Nutzen sondern um Patronage
01:30:35: an seine Gefolgsleute.
01:30:38: Anders als Lumumba strebt Mobutu Verstaatlichungen also nur insofern an als er sicher gehen will, dass immer genug
01:30:45: für sein Regime dabei heraus
01:30:46: springt.
01:30:47: Und das ist wiederum für das Gegenüber
01:30:49: absolut berechenbar –
01:30:51: viel berechenbare als was Lumumba vorhatte oder nur möglicherweise vorhatten und deshalb weit
01:30:56: weniger bedrohlich.
01:30:58: Mobutur hält also nicht
01:31:00: trotz
01:31:00: seiner Scruppellosigkeit und ruinösen Staats- und Regierungspraxis solange Unterstützung von außen
01:31:06: sondern gerade deshalb!
01:31:08: Denn ein militärischer
01:31:09: Diktator, mit dem man bereits zusammengewirkt hat um Lumumba loszuwerden,
01:31:14: der also seine Bestächtlichkeit
01:31:15: bereits bewiesen hat
01:31:16: ist ein weit verlässlicher
01:31:18: Garant der alten Verhältnisse
01:31:20: als jedes andere politische Projekt im Kongro.
01:31:23: Und das zeigt sich dann auch in den Verstaatlichungsprojekten.
01:31:25: So wird das Erbe der großen von Leopold geründeten Bergbau-Union zwar tatsächlich verstaatlicht, gleichzeitig vergibtem Brutu
01:31:32: aber im Gegenzug
01:31:33: zunehmend Mineralizenzen
01:31:35: an ausländische
01:31:35: Unternehmen und garantiert Belgien und auch zunehrend anderen
01:31:39: weitreichende Rechte.
01:31:41: Nun hat er seinen Anteil und die eigene Macht
01:31:43: also quasi mit wirtschaftlichen Zugeständissen erkauft.
01:31:47: Das Ergebnis?
01:31:48: Die Privaten gewinnen de facto weiter an Macht und produzieren nun umso effizienter.
01:31:54: Die staatlichen Betriebe aber werden nun
01:31:56: zunehmend
01:31:57: ihrem Schicksal überlassen, man kann sich vorstellen wie
01:32:00: das in einem Patronage-System aussieht.
01:32:03: In wenigen Jahrzehnten wird die staatliche Bergbaugesellschaft von einem der produktivsten Bergbauunternehmen Afrikas
01:32:09: zunehnend in einen Wrack verwandelt.
01:32:11: Wartungsbudgets werden unterschlagen, Infrastruktur verfällt ... Management-Positionen
01:32:16: werden nach
01:32:17: Loyalität nicht nach Kompetenz vergeben und die Kupferförderung fällt in der Folge von über fünfhunderttausend Tonnen jährlich, in den neunzehnhundessiebziger Jahren auf letztlich nur noch rund
01:32:27: dreißigtausenden
01:32:28: Tonnen
01:32:28: Ende der neunzentneunzehntneunheitsjahre.
01:32:30: Wer das Geld nach oben verschwindet vor allem
01:32:33: in Richtung Mobutu selbst.
01:32:36: Der dadurch trotz aller wirtschaftlichen Produktivitätseinbrüche immer noch ein beeindruckendes
01:32:41: persönliches Vermögen anhäuft
01:32:42: Bis zum Ende seiner Herrschaft geschätzte vier bis
01:32:46: acht Milliarden Dollar.
01:32:47: Ironischerweise ungefähr so viel wie die gesamte Auslandsverschuldung
01:32:52: Saires zum Zeitpunkt seines Sturzes.
01:32:55: Er besitzt Immobilien in der Schweiz, Portugal, Frankreich, Belgien, Spanien und immer so weiter.
01:33:00: Er schadert Konkordflüge für Einkaufstouren in Paris – er lässt sich sogar im Norden des Landes einen Palast und ein Flughafen bauen, dessen Landebahn für die Konkorde
01:33:11: selbst
01:33:11: ausgelegt ist mit einem Nichts
01:33:14: fernab jeder
01:33:14: Infrastruktur als Symbol dafür, dass der Staat
01:33:18: ihm gehört und nicht umgekehrt.
01:33:22: Und noch folgenreicher als der dadurch entstandene finanzielle Schaden Durch sein zerschaugestelltes Prottstum merkt Mobuto nicht nur seinen eigenen Status, er gibt auch der Stereotypenfigur des afrikanischen Despoten eine neue Facette die bis
01:33:37: heute eng mit dem westlichen
01:33:38: Vorstellung
01:33:39: von Afrika als Ganzes verbunden ist.
01:33:41: Denn er is so was wie
01:33:42: der wahrgewordene Traum
01:33:44: eines jeden der gerne über verschwendete Entwicklungsgäder den Stillstand Afrikas und sein unfähiges korruptes
01:33:50: Personal herzieht!
01:33:52: Und noch folgenreicher, durch sein so aggressives nach außen gerichtetes vermeintliches Afrikanischsein.
01:33:58: Die Inszenierung mit der Leomütze die nicht westliche Kleidung verbindet er seine persönlichen Laster im Blick von Außen fast unwiederruflich auch mit dem was
01:34:07: es vermeintlich heißt afrikanische zu sein.
01:34:10: Dabei sollte aber nie vergessen werden und das gilt für Mobuto mehr als für jeden anderen Er ist ein Produkt, das mindestens ebenso sehr von den Machtakteuren außen wie von den Machtverhältnissen
01:34:22: im Land geprägt ist.
01:34:24: Und deshalb ist es auch kein Zufall dass jemand wie Domumba als vermeintliche Bedrohung nach siebzig Jahren getötet aufgelöst und vergessen wird während ausgerechnet der so Stereotypemobuto der so gut in die Fortschreibungen kolonialer Rollenbilder passt über
01:34:40: dreißig Jahre überdauert.
01:34:44: Ende der neunzehnundachziger Jahre sieht sich allerdings auch Mobutu
01:34:47: mit einem Wandel konfrontiert, der ihn
01:34:49: wie viele andere
01:34:50: Recht überraschen trifft.
01:34:51: Der Zusammenbruch der
01:34:53: Sowjetunion und damit verbundenen der Wegwahl
01:34:55: des eigenen strategischen Wertes.
01:34:58: Und das spürt
01:34:58: Mobutuu auch einigermaßen
01:35:00: sofort am eigenen Leib,
01:35:01: denn neunzenhundertneunundachtzig verhängt der IWF einen Zahlungsstopp – und Saire kann seine Schulden plötzlich
01:35:07: nicht mehr bedienen!
01:35:09: Und statt Sonderbehandlung gibt es damit nun auch
01:35:11: die
01:35:12: übliche und längst bekannte Verordnung,
01:35:14: alle einmal im Chor Struktur Anpassungsprogramme.
01:35:18: Also Staatsdienst abbauen, Währung stabilisieren, Subventionen
01:35:22: streichen sonst kein Geld.
01:35:26: Politisch ist damit unmittelbar Anfang der neunziger Jahre aber auch schon klar –
01:35:30: das ist das Ende!
01:35:32: Denn Mobutu steht vor allem eigentlich unauflösbaren
01:35:35: Dilemma.
01:35:36: Entweder er zieht die Programme durch und opfert dafür
01:35:40: seinen Patronage-Apparat.
01:35:41: Und damit de facto sein
01:35:43: zentrales
01:35:43: Machtmittel mit unabsehbaren, aber wohl dramatischen Folgen oder erhält seinen Apparat.
01:35:50: Aber dem geht dann sukzessive das Geld aus
01:35:52: und man kommt letztlich zum selben Ergebnis.
01:36:03: Bevor wir wieder zum Kongo kommen müssen wir kurz zu einem seiner Nachbarn blicken –
01:36:07: nämlich Wanda!
01:36:09: Ich versuche das hier diesmal bewusst lediglich aus der Perspektive des für den Kongo direkt relevanten zu behandeln.
01:36:15: Wer sich aber für die Geschichte des Völkermords und auch die Versöhnungen relativ interessiert, ich habe das in der Doppelfolge
01:36:21: Rwanda
01:36:21: gesetzlos ausführlich aufgearbeitet.
01:36:23: Also gerne da nochmal reinhören!
01:36:25: Aber keine Sorge, Rwander
01:36:27: wird uns über die kommenden Folgen noch einmal
01:36:28: begegnen... Und die wichtigsten historischen Versatzstücke
01:36:31: rufen wir uns jetzt auch noch einmal
01:36:33: ins Gedächtnis.
01:36:34: Denn sie haben unmittelbare Auswirkungen auf die weitere Geschichte im Kongo und sorgen dafür, dass diese so stehengeblieben wirkende Zeit, die Mobuto-Dreißigjahrelang im Sattel hält,
01:36:44: auf einmal mit brachialer Wucht wieder dramatisch an Fahrt aufnimmt.
01:36:48: Am Anfang dieser Geschichte steht wieder die Kolonialzeit, auch wenn das lange
01:36:51: Zeit international umstritten
01:36:53: bleibt und bis
01:36:54: heute kaum ein öffentliches Eingeständnis erfolgt ist.
01:36:57: Dann es dauert bis des Jahr zwei Tausend Eins Also sieben Jahre nach den Verbrechen in Rwanda, nineteenhundertvierneinzig, fünfeinneinzig bis Mammoth Mandani ein ugandisch-amerikanischer Politikwissenschaftler mit seinem Buch When Victims Bekam Killers die Analyse vorlegt, die für das Verständnis des Genozids und seine Auswirkungen auf den Kongo
01:37:16: heute eigentlich unversichtbar ist.
01:37:19: Die Kategorien Hutu und Tutsi in ihrer starren Form als fixierte ethnische Identitäten sind keine vorkolonialen Gegebenheiten.
01:37:28: Sie sind koloniale Konstrukte, spezifisch belgische Ergebnis
01:37:33: einer politischen Entscheidung der neunzehnten dreißiger Jahre.
01:37:37: Denn vor der Kolonialisierung existierten Hutu- und Tutzi zwar als soziale Kategorie im Rwanda Urundi Komplex aber sie waren weitgehend
01:37:45: fluid
01:37:46: also durchlässig und vor allem sozial-
01:37:48: und ökonomisch definiert.
01:37:50: Ein reicher Hutu konnte in die Tutsi-Kategorie aufsteigen,
01:37:55: ein verarmter
01:37:56: Tutsis zur Hutu-Kategory
01:37:58: absteigen –
01:37:59: keine idnischen Kategorien
01:38:01: im modernen Sinne.
01:38:03: Die Belgier, die Rwanda Urundi als Mandat nach dem Ersten Weltkrieg übernehmen,
01:38:08: interessieren sich allerdings wenig für
01:38:10: solche Details.
01:38:11: Sie brauchen Kategorie für Verweitung Und am liebsten natürlich solche, die ihnen Kollaborateur verschaffen und
01:38:17: die Masse irgendwie kontrollierbar machen.
01:38:20: Die finden sie wie andernorts auch
01:38:22: in der pseudowissenschaftlichen Rassentheorie.
01:38:25: Genauer der sogenannten hermitischen Hypothese nach der Tutsi als hermitische Afrikaner mit europäischen Zügen
01:38:33: und entsprechend höherer Intelligenz galten!
01:38:37: Man muss es kaum noch mal sagen, aber das ist natürlich ausgesprochener rassistischer Unsinn völlig an den Haaren herbeigezogen.
01:38:44: Aber dennoch mit
01:38:45: direkten politischen Konsequenzen.
01:38:47: Denn die Belgier institutionalisieren auf dieser Grundlage die Hutu-Tutsi Unterscheidung in Personalausweisen vergeben Bildungschancen und Verwaltungsposition systematisch nach Kategorien und bevorzugen dabei die Tutsi
01:39:01: als Kononialvermittler.
01:39:04: Was vorher also durchlässig war wird nun legal
01:39:07: fixiert.
01:39:08: Und aus einer in erster
01:39:09: Linie sozialen Kategorie,
01:39:11: wird damit zunehmend eine ethnische.
01:39:13: Verankert in Papieren verweitet durch das Kononialregime und damit angeheizt
01:39:18: von kononialen Spannungen
01:39:19: – mit einem System, das nun nicht mehr auf zwei
01:39:23: sondern drei Klassen basiert.
01:39:25: Mit
01:39:26: den Hutu
01:39:26: als
01:39:27: entrechtete Masse und den Tutsi als protigierte Blitzableiter für deren Frustration.
01:39:33: Und deshalb auch so die Idee treue Unterstützer des Kondonialsystems, das ihnen Status
01:39:38: und Sicherheit garantiert.
01:39:40: Ein System also dass uns auch anderen Orts schon begegnet ist und das typisch ist von den Kolonialismus – und wie andernorts auch führt es in Ruanda letztlich
01:39:49: zu einer gewaltvollen Entladung der konstruierten
01:39:52: Spannungen nachdem die koloniale
01:39:54: Ordnung geschwunden
01:39:55: ist.
01:39:55: aber die sozialen Gräben bleiben
01:39:58: Wie wir alle wissen.
01:39:58: in Ruand
01:39:59: konkret, Als in hundert Tagen
01:40:02: zwischen fünfhundertausend und achthunderttausend
01:40:05: Menschen ermordet werden,
01:40:07: überwiegend Tutsi durch Hutumulizen mit Macheten koordiniert über
01:40:11: Radiosendungen auf Basis.
01:40:12: Von Namenslisten
01:40:13: auf
01:40:13: Basiss
01:40:14: von
01:40:14: Personalausweisen die die Belgier eingeführt haben.
01:40:17: Während die internationale Gemeinschaft entsetzt und erstarrt zuschaut – inklusive der UN-Friedensturken, die schon im Land sind aber
01:40:24: keine Direktive zum Eingreifen haben!
01:40:26: Die Folge das
01:40:27: bereits bekannte
01:40:28: Verantwortungsgeschacher auf
01:40:29: internationaler Bühne vor allem der
01:40:31: USA, die sich schon damals rhetorisch verringten um die Gewalt bloß nicht als das zu bezeichnen
01:40:37: was sie ist.
01:40:38: Nämlich ein Genozid weil das dann nach der Responsibility
01:40:42: to Protect
01:40:43: eigentlich eine Selbstverpflichtung zur Hilfe bedeutet hätte.
01:40:47: und so wird die gewalt unter Tage bis eine Fraktion
01:40:50: aus Afrika es schließlich selbst beendet genauer die RPF
01:40:54: die ruandische patriotische
01:40:56: Front unter Paul
01:40:57: Kagame
01:40:58: Heute Präsident Juanas und dessen wohl historisch prägenste Figur.
01:41:03: Gerade was dessen Beruhigung,
01:41:05: wirtschaftliche Entwicklung zum Musterland
01:41:07: aber auch eine besondere Form der autoritären Versöhnung angeht.
01:41:12: Für uns ist das heute vor allem relevante Kontext denn das was danach passiert ist direkt für
01:41:18: den Kongo entscheidend.
01:41:20: Über eine Million Menschen fliehen in der Folge
01:41:30: Bukavu.
01:41:31: Und unter den Flüchtlingen,
01:41:33: ohne Frage viele
01:41:34: Zivilisten vor allem Hutu die nichts mit dem Genuzit zu tun haben und einfach Angst haben
01:41:39: vor der Ruwanischen Armee.
01:41:40: nun befähligte hauptsächlich von Tutsi aber eben auch
01:41:44: die Kämpfer- und Täter.
01:41:45: Frühere Soldaten
01:41:46: der Ruanische Armee direkt für den
01:41:48: Genuzid verantwortlich sie sich nun nach Kongo vor
01:41:52: der anrückenden Truppe Kagames zurückziehen.
01:41:55: Die etablieren in den geflüchteten Lagern daher bald militärische
01:41:59: Lagerstrukturen kontrollieren die
01:42:00: Nahrungsmittelverteilung als Machtmittel und lassen darüber die Rekrutierung
01:42:04: wieder anlaufen.
01:42:07: Und sie geben sich im Zuge dessen auch noch
01:42:09: einen neuen Namen,
01:42:10: FDLR übersetzt aus dem französischen Sofie wie demokratische Kräfte
01:42:14: für Befreiungen Juanas –
01:42:17: was den Anspruch
01:42:18: direkt klarstellt.
01:42:19: Direkt an Juanas Grenze formiert sich eine Zeitbombe mit dem ganz klaren Ziel Befreiung Von den Lagern geht also eine reale Bedrohung für die neuen Machthaber in Rwanda,
01:42:34: einen voranen Paul Kagame
01:42:35: aus.
01:42:36: Und wie im Nahen Osten auch bedingt dabei gerade die Konstellation eines nationenübergreifenden Konflikts eine Eskalationsspirale, die die rwandische Logik der folgenden Jahrzehnte
01:42:47: prägen wird – so wie auch die israelische.
01:42:50: Militärpräsenz im östlichen Kongo als dauerhaftes
01:42:53: Sicherheitsinstrument
01:42:55: Denn Mobuto ist offensichtlich nicht in der Lage und auch wenig interessiert das Problem, dass sich nun auf seinem Land befindet
01:43:02: tatsächlich zu lösen.
01:43:04: Denn sein Staat ist bis nineteenhundertvierneunzig längst in einem
01:43:07: Zustand des konstanten
01:43:08: Verfalls gefangen – und er kann daher weder die FDLR zerschlagen
01:43:12: noch die Grenzen tatsächlich sichern!
01:43:15: Und er hat wohl auch
01:43:16: kein wirkliches Interesse
01:43:17: daran, denn er kontrolliert das östliche Kivo eh längst kaum noch
01:43:21: nachdem sich sein Patronagesystem
01:43:23: zunehmend
01:43:23: aus der Peripherie des Landes zurückgezogen hat.
01:43:26: Von ihm ist also keine Hilfe zu erwarten was im Umkehrschluss aber auch bedeutet – wohl ebenfalls
01:43:33: keine große Gegenwehr!
01:43:35: Weshalb Rwanda, nineteenhundertsechsohnneunzig zusammen mit Uganda selbst handelt
01:43:40: und in Saire einmarschiert.
01:43:42: offizielles Ziel, die FDLR-Strukturen zerstören und die
01:43:46: Lager auflösen.
01:43:48: Und das praktische Mitte dafür sind nicht nur die eigenen Soldaten sondern
01:43:52: auch die Menschen im
01:43:52: Kongo selbst – genauer die nächste Gruppe mit lustrem Namen nämlich die AFDL Die Allianz
01:44:00: der demokratischen
01:44:01: Kräfte für
01:44:01: die Befreiung von Kongosaire
01:44:03: Also quasi das Pendant zur verfeineten Befreiungsfront, die sich auf Ruanda
01:44:08: richtet
01:44:09: eine von Rwanda unterstützte und mobilisierte Rebellen-Bewegung mit Laurent Desiri Kabila als vorgeführter Frontfigur.
01:44:17: Und die marschiert, unterstützt mit Geld und Waffen aus Rwander nun bald in atemberaubender Geschwindigkeit Richtung Hauptstadt des Kongos – und stößt dabei auf
01:44:26: kaum Widerstand!
01:44:28: Denn Mobutus aus Gelauch d'Amé kollabiert einfach,
01:44:31: flieht oder läuft über.
01:44:36: und stirbt nur wenige Monate später im marokkanischen Exil
01:44:39: an Prostata-Krebs.
01:44:41: Kabila aber, der von Rwanda und Uganda eingesetzte Proxy
01:44:45: übernimmt nun die Macht im Land.
01:44:47: Und damit enden nun zumindest auf dem Papier plötzlich und überraschend ausgelöst durch ein Genozid im Nachbarland dreijahrzehnte
01:44:56: Mobutu-Tyrannal –
01:44:58: was durchaus
01:44:58: auch ein hoffnungsvolles internationales
01:45:00: Echo stößt das aber nur allzu leicht vergessen macht, was der Krieg dazu führt für den Einzelnen und die vielen
01:45:07: im Kongo tatsächlich bedeutet.
01:45:10: Denn mit dem Einmarsch Rwandas und dem militärischen Vormarsch, der sich wie ein Feuer durch das Land frisst beginnt für die meisten einen Horror, der noch schlimmer ist
01:45:20: als die Jahre am
01:45:20: Existenzminimum
01:45:22: unter Mobuto.
01:45:24: Denn sie werden von der Gewalt plötzlich
01:45:25: und unerwartet überrascht –
01:45:27: wissen nicht wohin?
01:45:28: ob nicht einmal
01:45:29: wer
01:45:29: ihnen mit der Waffe gegenübersteht und geraten
01:45:31: dabei immer wieder
01:45:33: buchstäblich
01:45:33: zwischen die Fronten.
01:45:35: Millionen irren dabei bei Schutzlos durchs Land, das sich in Auflösung befindet während rohantische Truppen- und ihre kongolesischen Verbündeten auf dem Marsch erhebliche
01:45:44: Mengen an konglesischen Zivilisten töten – vor
01:45:46: allem Hutu Flüchtlinge aber auch Kongolesinnen, die mit dem Krieg
01:45:50: eigentlich nichts zu tun haben!
01:45:52: Der UN-Mapping-Report von den Menschenrechtsverletzungen in der Demokratischen Republik Kongo, vor deiner Hälfte aus dem Jahr und drei Dokumentiert, wisse diese Verbrechen
01:46:02: systematisch
01:46:02: auf.
01:46:03: Und beschreibt sie als mögliche Verbrechung gegen die Menschlichkeit
01:46:05: – je nach rechtlicher Auslegung
01:46:07: sogar als möglichen zweiten Genozid!
01:46:10: Eine Einschätzung, die Rwanda natürlich bis heute konsequent zurückweist.
01:46:15: Auch wenn alles darauf hinweist dass der Übergriff auf die demokratische Republik Kongo für viele der rwandischen Soldaten, die den Genozik gerade erst am eigenen Leib miterlebt hatten als Opfer ein Ventil darstellte um die Gräueltaten zu rächen und wenn man so will den traumatischen Effekt nun umzudrehen
01:46:33: und auf andere zurechten.
01:46:36: Von den Folgen hat sich auch der Kongo bis heute nicht erholt Und sie sind kein bisschen weniger in das Verständnis der Menschen eingebrannt, wie in Rwanda.
01:46:43: Wie Berichter aus dem Land auch immer wieder zeigen
01:46:46: als kollektibles unaufgearbeitetes Trauma, wohin gegen?
01:46:51: allerdings an eine politische Aufarbeitung und wenn es nur auf die Art und Weise wäre, wie ein Rwander allerdings bis heute
01:46:57: nicht zu denken ist.
01:47:00: Was auch an einer weiteren zentralen Entwicklung liegt, die mit diesem ersten Kongelkrieg unmittelbar verbunden
01:47:05: ist.
01:47:06: Denn am Zentralsten an diesen ersten Kongeln Krieg neben der Gewalt ist in Ermangelung einer besseren Beschreibung der Statusverlust des Kongo
01:47:16: als Staates selbst.
01:47:18: Denn mit Mobutus Sturz scheint auch dessen Fassade einer zumindest wahrgenommenen Staatlichkeit
01:47:24: zusammenzubrechen – praktisch wie symbolisch!
01:47:27: Der Riesenstaat eh immer mehr behauptet, als tatsächlich kontrolliert löst sich in seine Einzelteile auf genauso wie die kongolesische Armee im Krieg
01:47:37: Und Kabila
01:47:38: ist zwar nun de facto Herrscher dieses geografischen Colossus, aber letztlich
01:47:45: kein
01:47:45: staatlicher Akteur sondern lediglich ein Rebellenführer
01:47:49: mit extremen begrenzter Autorität und Machtmitteln.
01:47:52: Kurz der Start Kongo wird in Folge des ersten Kongokrieges auf wenig
01:47:57: mehr als eine Region im Herzen Afrikas zusammengestutzt
01:48:00: – mit nur noch nominellen Grenzen für die sich eigentlich
01:48:04: aber niemand mehr interessieren
01:48:06: muss!
01:48:07: Ein rechtsloser, entstaatlichter Raum ohne Sicherheitsversprechen.
01:48:11: Ohne staatliches Gewaltmonopol und ohne die Mittel seine Souveränität
01:48:15: noch zu
01:48:16: behaupten.".
01:48:17: Das wird auch sein diversen Nachbarn
01:48:18: bald klar!
01:48:19: Und auch Kabila selbst, der in den letzten Jahren von seinen Sponsoren aus Rwanda
01:48:24: und Uganda versucht sich zu
01:48:25: lösen, indem er den Abzug
01:48:26: der ruanischen Truppen fordert.
01:48:28: Anstatt aber seiner Autorität anzuerkennen und die Sorinität des Kongos zu respektieren Antworten diese mit einer
01:48:35: zweiten Intervention, diesmal halt gegen ihn.
01:48:39: Und nur knapp ein Jahr nach Mobutus Ende beginnt damit
01:48:42: nun bereits der zweite Kongo-Krieg.
01:48:46: Ein Krieg so komplex dass es fast unmöglich ist ihnen in Gänze aufzuschlüsseln was aber das gerade
01:48:52: gesagtem
01:48:52: Mitblick auf den Statusverlust des Kongos nur
01:48:55: umso deutlicher macht
01:48:56: Denn auf dem Höhepunkt kämpfen nicht weniger als neun Staaten auf
01:49:00: kongolesischen Boden
01:49:02: Alle mit eigenen Interessen, Erwartungen, Versprechungen und Allianzen.
01:49:06: Und allein ihre schiere Zahl macht den Schiff sichtbar!
01:49:09: Der Kongo liegt quasi brach – militärisch wie politisch
01:49:13: und jeder Sieterin seine Chance etwas abzubekommen vom großen Scramble
01:49:18: um die Rohstoffe des Landes.
01:49:20: Eine Verlockung, die eh schon immer da war aber durch den vollständigen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung nun umso
01:49:26: attraktiver
01:49:27: wirkt Denn man muss
01:49:28: ja
01:49:28: eigentlich nur ein paar Kilometer von einer unbewachten Grenze ins Land hineinlaufen und eine Mine besetzen.
01:49:35: Und zack, kann man Reichtum generieren!
01:49:39: Das zieht sie alle an wie Kreuzfahrtgäste
01:49:41: an einem All You Can Eat Buffet.
01:49:43: So Bapfe Angola und Namibia auf Seite
01:49:45: Kabilas teilt aus behaupteter Solidarität aber vor allem aus wirtschaftlichen Kalkül denn Kabila vergibt großzügige Minen- und Holzkonzession als Gegenleistung für militärische Unterstützung.
01:49:57: Wanda, Uganda und Burundi
01:49:59: auf Seiten
01:49:59: der Rebellen.
01:50:00: Dann Uganda bei den Konflikt mit Rwanda weil beide um Einfluss in den mineralreichen Gebieten im Osten konkurrieren.
01:50:07: Und im Schatten dieser staatlichen Akteure noch ein Dutzen und mehr verschiedene kongolesische bewaffnete Gruppen manche ethnisch mobilisiert, manche rein opportunistisch.
01:50:16: Manche durch die Jaspora-Netzwerke aus Rwanda
01:50:19: oder Uganda gesteuert.
01:50:20: Die mal mehr oder weniger
01:50:21: Brandschatzen durcheinanderziehen, Mienen besetzen, ausbeuten solange es geht bevor
01:50:26: eine andere sie ihnen wieder abnimmt und immer so weiter.
01:50:29: Es ist der erste große Rohstoffkrieg des Kongos, der kaum noch von politischen Zielen sondern vor allem von einem umfassenden opportunistischen
01:50:38: Gewaltunternehmertjung geprägt ist.
01:50:41: Aber am auffälligsten vielleicht gerade weil es nicht stattfindet, wie wenig internationale Aufmerksamkeit
01:50:48: dieser Konflikt erhält.
01:50:50: Wohl auch, weil sie neben schon beschriebenen grundsätzlichen Desinteresse für Afrika im übertragenen Sinne tatsächlich kaum sichtbar sind – keine zerbombten Städte, keine Frontverläufe, keine Flaggen und
01:51:02: niemandem, für den es zu jubeln gilt!
01:51:04: Die
01:51:05: Gewalt passiert oft quasi im
01:51:07: Stillen, irgendwo im Dschungel.
01:51:09: ein Schamützel oder Massaka von dem
01:51:11: nie jemand erfährt.
01:51:12: Irgendwo in der Peripherie
01:51:13: ein ausgebranntes Dorf dessen Reste
01:51:15: vom nächsten Regen weggespült
01:51:17: werden
01:51:17: ohne dass jemand fragt wo dessen Einwohner geblieben sind.
01:51:20: Das meiste ist bis heute irgendwie
01:51:23: unsichtbar unklar und das prägt auch das
01:51:26: internationale
01:51:26: Desinteresse gegenüber diesem so komplexen Krieg Der international wenig
01:51:30: mehr als einen Schulterzucken auslöst
01:51:33: Eine Gleichgültigkeit, die letztlich –
01:51:34: wenn
01:51:35: vielleicht auch nicht gewollt –
01:51:36: nur eine altbekannte Abwertung afrikanischen Lebens spiegelt.
01:51:41: Und so ist das was wir bis heute tatsächlich über die Folgen des Krieges sagen können.
01:51:46: Letztlich lediglich
01:51:47: Schätzungen!
01:51:48: So wie die Des International Rescue Committee, dass für den Zeitraum Keine Gefallenen, also im militärischen Sinne.
01:52:06: Sondern Menschen die an heilbaren Krankheiten starben bei Gesundheitsinfrastruktur zusammengebrochen war Kinder die verhungerten beim Märkte nicht mehr funktionierten Menschen Die an Malaria oder anderen Krankheiten staben weil wieder Medikamente
01:52:17: noch sauberes Wasser verfügbar.
01:52:19: und die zahl der Opfer insgesamt liegt wohl noch viel höher wenn man die tatsächlichen
01:52:24: Kriegstoten mit einbezieht.
01:52:26: Und daher geht es heute auch als weitgehend ohne umstritten Auch wenn die tatsächlichen Zahlen jedes Jahr weiter steigen dass der Zweite Kongo-Krieg damit der tödlichste
01:52:35: Konflikt seit dem zweiten Weltkrieg ist.
01:52:38: Auch wenn das kaum jemand in Europa weiß,
01:52:41: was neben allen Fragen zum europäisch-afrikanischen Verhältnis natürlich auch die Frage aufwürft, warum hat der
01:52:48: Krieg eine solche Dimension angenommen?
01:52:51: Und warum hält der Konflikte in veränderter
01:52:53: Form bis heute an?
01:52:55: und ich weiß Rohstoffe.
01:52:57: Aber was genau sind die Mechanismen, die ja eigentlich arbeiten?
01:53:00: Die dafür sorgen, dass ein Konflikt um Rohstoffe zu einem der tödlichsten Konflikte
01:53:05: in der Menschheit überhaupt wird.
01:53:08: Und eine möglicher Antwort bietet einen im Jahr zwei Tausend Siebzehn in der American Economic Review veröffentlichtes Studie, die sich genau
01:53:14: dieser Frage widmet.
01:53:16: Macht Werkbaukriege wahrscheinlicher und wenn Ja, warum eigentlich?
01:53:22: Das Warum klingt wahrscheinlich intuitiv.
01:53:24: erstmal ganz einfach Rohstoffe, also vermutlich Gier als Motivation.
01:53:30: Aber es ist doch entscheidend weil es in der Forschung bis dahin keine Einigkeit
01:53:34: darüber gab.
01:53:35: Es gab lediglich drei
01:53:36: konkurrierende Theorien.
01:53:38: Die erste tatsächlich Gier Bewaffnete Gruppen kämpfen, weil sie eine
01:53:42: Mine wollen.
01:53:43: Der Rohstoffreichtum ist
01:53:44: einfach das Ziel
01:53:46: der Preis für den es sich
01:53:47: lohnt Krieg zu führen.
01:53:48: Alles ganz einfach!
01:53:51: Die zweite hingegen ist schon
01:53:52: etwas komplizierter Grievance
01:53:55: auf Deutsch am
01:53:56: ehesten Groll- oder Ressentiment.
01:53:58: Also
01:53:58: Bergbau schürt Gewalt, weil er die Umwelt zerstört oder Bevölkerung vertreibt und lokative Jobs nur an Außenstehende vergibt.
01:54:06: Weshalb frustrierte Gruppen also zu den Waffen greifen um sich zu wehren oder das Geschäft
01:54:11: selbst zu beanspruchen?
01:54:13: Und beides klingt plausibel und passt wahrscheinlich mit den meisten intuitiven
01:54:17: Vorstellungen zusammen!
01:54:19: Die Studie von zwei tausend siebzehn belligt jedoch einen dritten bis dato
01:54:23: unterschätzten Mechanismus nämlich feasibility,
01:54:26: also Machbarkeit.
01:54:29: Was zunächst nach nicht viel klingt aber subtil anders ist als
01:54:32: die ersten beiden
01:54:34: denn machbarkeit bedeutet nicht dass man kämpft um eine mine zu bekommen sondern das man kämpfen kann
01:54:41: weil man eine mine
01:54:42: hat dann eine bewaffnete gruppe die eine mine kontrolliert hat einnahmen aus dem direkten verkauf von mineralien
01:54:48: als
01:54:49: schutzgeldern Abgaben von Kleinschörfern und immer so weiter.
01:54:54: Und diese Einnahmen senken die Finanzierungskosten eines Aufstands auf einen Niveau, auf dem er überhaupt erst über lange Zeit aufrechterhalten
01:55:03: kann.
01:55:04: Denn Kämpfer müssen bezahlt werden – auch Munitionen kostet natürlich Geld!
01:55:09: Wer daher keine Einnahmen hat, dessen Gruppe
01:55:11: zerfällt?
01:55:13: Eine Gruppe mit Mineneinnahmen kann dagegen über Jahre
01:55:16: manchmal Jahrzehnte bestehen.
01:55:19: Die Mine ist also weniger das Ziel des Konflikts sondern
01:55:22: viel mehr ihr ermöglicher.
01:55:25: Und das zu belegen, kombiniert die Studie georeferenzierte Daten zur Bergbaufförderung von vierzehn Mineralien für ganz Afrika mit Daten zum Konflikt der Ereignissen von nineteenhundertsebeneinzig bis
01:55:35: zweitausendzehn.
01:55:37: Und dass auf einem Raster von fünfundfünfzigmal fünfundfünfzicht Kilometern und verknüpft das dann wiederum mit Schwankungen im Weltmarktpreis
01:55:45: der jeweiligen Mineralie.
01:55:47: Was wissenschaftlich erstmal verklausuliert und kompliziert klingt – und es ehrlicherweise auch ist!
01:55:52: Aber das Ergebnis
01:55:53: ist eigentlich ganz einfach.
01:55:55: Ein Gebiet, das zum Beispiel Coltan fördert, bekommt nicht deshalb mehr Gewalt weil es Coltan fordert sondern weil der Weltmarktpreis für
01:56:04: Coltan steigt.
01:56:05: und dieser Preisanstieg kommt natürlich von außen.
01:56:07: Es ist für die einzelne kongolisische Provinz exogen also nicht durch sie
01:56:12: selbst beeinflusst
01:56:13: Was den Kausalenschluss erlaubt.
01:56:15: ein Anstieg des Weltmarkpreises für das relevante Mineral um eine Standarderweichung
01:56:21: einer typischen
01:56:22: historischen Schwankung, erhöht die Wahrscheinlichkeit von Gewalt in einem Minengebiet von sixteen Komma neun
01:56:27: auf zweiundzwanzig Komma fünf Prozent.
01:56:30: Ein Anstieg also um ein Drittel statistisch robust über viele
01:56:35: verschiedene Spezifikationen.
01:56:38: und tatsächlich betrachtet man nun den zweiten Kongukrieg noch einmal im internationalen wirtschaftlichen Kontext stellt man fest dass es zeitgleich auch einen historischen
01:56:48: Anstiege der Mineralpreise gab
01:56:50: den Rohstoff-Superzyklus der zweitausender Jahre, als die Preise für Kobalt-, Kupfer und Quartan stark stiegen getrieben von Chinas
01:56:58: Industrialisierungsbogen.
01:57:00: Und die Studie zeigt das allein das zwischen vierzehnundvierundzwanzig Prozent des durchschnittlichen Gewaltniveaus
01:57:06: in afrikanischen Ländern in diesem Zeitraum erklärt –
01:57:10: nicht der einzige Faktor also aber doch
01:57:12: ein substenzieller!
01:57:13: Noch bemerkenswerter aber als diese abstrakten Zahlen ist
01:57:16: der räumliche befunden
01:57:18: Denn die Studie betrachtet nicht nur, ob Gewalt dort zunimmt wo der Mineralpreis steigt.
01:57:23: Sie schaut auch was danach
01:57:25: räumlich passiert
01:57:27: und erst hier wird Visibility dann
01:57:29: auch wirklich greifbar.
01:57:30: Denn wenn eine bewaffnete Gruppe die territoriale Kontrolle über ein Minengebiet gewinnt intensiviert und verbreitet sie ihre Kämpfe in den Folgeperioden in
01:57:40: benachbarte Gebiete,
01:57:42: die selbst
01:57:42: keine Mienen haben.
01:57:43: Wenn
01:57:44: dieselbe Gruppe hingegen eine Schlacht außerhalb eines Minengebiets gewinnt,
01:57:48: passiert das nicht.
01:57:51: Der Unterschied zwischen einer gewonnenen Minengebiet-Schlacht wenn man so will und einer außerhalb ist also die folgende
01:57:57: räumliche Eskalation.
01:57:59: Was nichts anderes bedeutet als dass Bergbaugebiet schafft quasi einen Kapitalstock aus dem heraus die Gruppe
01:58:06: ihre Operationen ausdehnen kann.
01:58:08: So war es wie die räumliche Fingerabdrucklinie des Visibilitikanats.
01:58:13: Und dabei müssen die Gruppen oder auch Staaten Denn Schutzgelderhebungen von Kleinschörfern oder auch Bergbauunternehmen haben letztlich
01:58:21: denselben Effekt.
01:58:23: Was eine Mine tut, ist also nicht eine Gruppe plötzlich reich zu machen aber sie senkt die Finanzierungsschwelle unter ein Level ab dem einen Aufstand oder auch eine
01:58:33: militärische
01:58:34: Operation von einem Staat langfristig funktioniert
01:58:37: und aufrechterhalten werden kann.
01:58:40: Und der letzte Befund ist dabei für den Kongo besonders
01:58:42: relevant
01:58:43: Denn der konfliktschürne Effekt von Mineralpreistocks ist interessanterweise fast ausschließlich bei ausländischen Unternehmen
01:58:51: zu beobachten.
01:58:53: Und das Stärke in korrupten Umgebungen, denn auslängische Firmen im korruptem Kontext
01:58:58: sind
01:58:59: vulnerabler für Erpressung und daher eher bereit bewaffneten Gruppen Zugang zu ermöglichen um ihre
01:59:05: Operationen zu schützen!
01:59:07: Es ist also ein
01:59:08: erwartbares empirisches Muster, aber besonders relevant für den Kongo war ein Großteil
01:59:13: seiner
01:59:14: Minen von ausländischen
01:59:15: Unternehmen betrieben wird.
01:59:17: Die breit sind, hohe Summen an jeden möglichen Besatz hat zu zahlen der ihr Geschäft laufen
01:59:22: lässt.
01:59:23: In vielen Fällen muss eine bewaffnete Gruppe einer Mine nicht einmal selbst betreiben und dann irgendwie schauen wie sie aus den Rohstoffen Geld gewinnt.
01:59:31: Nein, sie muss nur drohen den Betrieb zum Erliegen zu bringen und wird dafür bereits mit Koffern
01:59:36: voller Geld belohnt.
01:59:37: Die dann direkt in Sollt- und Expansionsziele
01:59:40: reinvestiert werden können.
01:59:42: Womit die Studie zusammengefasst eine ökonomisch-rationale vor allem durch die Mineralpreise angetriebene Konfliktspirale aufzeigt, die sich selbst reproduziert bei die strukturellen Bedingungen – nämlich die Mine letztlich immer stabil bleiben!
01:59:55: Und gerade Rwanda ist dabei nachweislich der größte Nutznießer
01:59:59: dieser Dynamik,
02:00:00: ein Umstand den Kagame natürlich auch nicht anerkennt.
02:00:03: Der das wirtschaftliche Wachstum des Landes aber maßgeblich angetrieben hat und weiter antreibt über Mittelzleute, Rebellinggruppen, Schmuggel-
02:00:11: und Bestechung.
02:00:13: Offiziell aber endet der Zweite Kongo-Krieg zumindest, mit dem globalen und inklusiven Abkommen von Pretoria und dem anschließenden
02:00:21: Sun City Prozess.
02:00:22: An den Verhältnissen
02:00:23: ändert das natürlich
02:00:24: wenig,
02:00:25: vielmehr ist es ein
02:00:26: Eingeständnis
02:00:27: eines Großteils
02:00:27: der Beteiligten genug erkämpft oder auch verloren zu haben und die
02:00:31: Gewinne-
02:00:31: oder Verluste
02:00:32: nun zu ratifizieren.
02:00:34: Was vor allem für Rwanda gilt dass seine Rolle im Geschäft gesichert hat und wohl auch weil der Konflikt im Kongo droht auf weitere Staaten überzuspringen sollte er sich weiter
02:00:43: ausweiten.
02:00:45: Auf die Plünderung folgt also ab zwei Tausend Drei eine Phase, die zumindest ein Teil der Souveränität
02:00:51: und politischen Integrität des Landes wiederherstellt.
02:00:55: Vor allem in Form
02:00:56: der Bildung einer Übergangsregierung,
02:00:58: die erste
02:00:58: wirkliche Regierung seit Mobutus
02:01:00: Abgang und eine neue Armee, die die wichtigsten Rebellingruppen nun integriert nach erheblichen wirtschaftlichen Zugeständnissen an deren Führer, welcher auch diese erstmal ökonomisch befriedigt.
02:01:12: Und ihn ermöglicht ihre Gewinne
02:01:14: zu verstetigen.
02:01:16: Zudem finden zwei Tausend Säcke zum ersten Mal überhaupt seit den Sechzigerjahren freie
02:01:21: Wahlen statt!
02:01:22: die letztlich Josef Kabila auf dem Rücken der Absetzung von Mobutu für sich entscheiden kann.
02:01:27: Ein kurzes Aufatmen also, aber die essentiellen Probleme bleiben und es kommen noch ein paar neue
02:01:33: im Zuge des Friedens dazu.
02:01:35: Ein Land dessen staatliche Institution systematisch ausgehört wurden, dessen Militär sich nun aus ehemaligen Militionären zusammensetzt, dessn Rohstoffe nun in diversen Kanälen konstant aus dem Land fließen und dort verkauft werden und dessen Osten
02:01:49: weiterschwert.".
02:01:59: Josef Kabila regiert das Land von two-tausend
02:02:01: eins bis zwei tausend neunzehn.
02:02:03: Vomal bis zwei tausends
02:02:04: achtzehn,
02:02:05: als er eine Wahl verliert die er dann auch nicht mehr mit überwältigenden
02:02:08: Fälschungen
02:02:09: für sich entscheiden kann.
02:02:11: Es ist dennoch die längste
02:02:12: Regierungsphase
02:02:13: der Nachkriegsgeschichte
02:02:14: des Kongo und einen die die Strukturen kaum weniger
02:02:16: geprägt hat als die Jahre unter Monuto
02:02:20: Und einer der prägensten Entscheidungen fällt dabei bereits zwei Tausend Zwei
02:02:23: während das Land noch mitten im Krieg ist
02:02:25: und wird in der öffentlichen Diskussion bis heute vielleicht auch daher kaum beachtet, obwohl sie die Form aller folgende
02:02:31: Mineraldie jetzt für die nächsten Folgen noch so entscheidend werden.
02:02:34: Bestimmt!
02:02:35: Die Verabschiedung des Bergbau-Kodex von zwei tausendzwei
02:02:38: Das rechtliche Fundament auf dem bis heute
02:02:41: alle Minerkonzessionen das Kongo aufgebaut sind
02:02:45: Und dabei ist es sicherlich kein Zufall, dass dieser Kodex eines der ersten politischen Projekte von Josef Kabila als der noch händeringend mitten im Krieg nach Unterstützung sucht, um seine Macht gegen die externen, ehemaligen Unterstützer
02:03:00: abzusichern und zu verteidigen.
02:03:02: Denn Kabila braucht
02:03:04: internationale Verbündete – aber um die zu gewinnen muss er zeigen, dass er anders mit den Ressourcen des Landes umgehen wird
02:03:10: als Mobuto!
02:03:12: Er muss also eine grundlegende wirtschaftliche Wende einleiten, die sich zuspitzen ließ er auf Schluss mit dem staatlichen Bergbau.
02:03:19: Herzlich willkommen
02:03:20: ausländische Investoren.
02:03:23: Ein neuer Ansatz hin zur mehr wirtschaftlicher Liberalisierung, den Kabila ganz zufällig mit der Weltbank
02:03:29: teilt.
02:03:30: Weshalb der Codex
02:03:31: gelegentlich
02:03:32: auch
02:03:32: Weltbank-Kodex genannt wird.
02:03:34: Denn er
02:03:35: entsteht explizit unter Weltbankkonditionalität die umfassende Marktliberalisierung zur Bedingung für
02:03:41: zukünftige Finanzhilfe macht
02:03:44: und dem Prozess zudem
02:03:45: internationale Anerkennung garantiert.
02:03:48: Eine Wahl hat Kabila
02:03:50: dabei
02:03:50: aber nicht!
02:03:51: Er muss, will er die Macht behaupten so schnell wie möglich wieder die Geldmaschine
02:03:56: der Mineralproduktion
02:03:57: anwerfen.
02:03:58: Gerade dort wo sie durch den Krieg alarmt ist und natürlich auch dort wo Mobutes Staat sie zuvor
02:04:03: bereits finanziell zerlegt hat.
02:04:05: Und dafür muss er vertrauen bei denen gewinnen Die Kapital- und Knowhow haben und ihm das gerne im Gegenzug für Abbaurechte und Liberalisierung
02:04:14: überlassen.
02:04:16: Aber die jetzt mit dem Rücken an der Wand?
02:04:17: Das ist nun kein Geheimnis sind selten gute Deals und auch dieser
02:04:21: ist es nicht.
02:04:23: Denn der Kongo öffnet seinen Bergbausektor für ausländische Investoren zu außerordentlich
02:04:28: günstigen Bedingungen,
02:04:29: sehr niedrige Royalties, niedriger Körperschaftssteuern, lange Konzessionslaufzeiten, minimale lokale Inhaltsvorgaben – aber das Ergebnis ist neben ein paar mageren internationalen Krediten in der Realität lediglich ein Rechtssystem
02:04:43: als Knebelvertrag.
02:04:44: Das systematisch die Gewinne der Bergbauunternehmen maximiert und die staatlichen Einnahmen minimiert, genau in dem Moment, in dem der Kongo nach Jahrzehnten der Verwüstung
02:04:54: eigentlich Kapital
02:04:55: für den Wiederaufbau
02:04:56: gebraucht hätte.
02:05:18: bis heute weitestgehend dasselbe ist wie schon
02:05:20: damals.
02:05:23: Der Washington Accords-Mineralvertrag mit den USA, die chinesischen Konzessionen, die europäischen Investition und immer so weiter auf einem Fundament gebaut in einem Krieg aus der wirtschaftlichen
02:05:34: und politischen Notlage heraus.
02:05:37: Der Codex entfacht nach dem Ende des schlimmsten Gewalt aber zumindest wieder internationales
02:05:41: Interesse am kolonialesischen Bergbau.
02:05:44: Und das ist auch kein Wunder denn das Angebot
02:05:46: hat nun fast Schnäppchencharakter!
02:05:49: Und es fällt Anfang der zweitausender Jahre zeitlich perfekt zusammen mit Entwicklungen Asien, wo China nach einem Jahrzehnt vor allem internen Aufbaus nun damit beginnt, nach genau diesen Gelegenheiten zu suchen.
02:06:01: Nach den vom Westen vernachlässigten aber für die Zukunft der internationalen
02:06:06: wirtschaftlichen
02:06:06: Entwicklung
02:06:07: so bedeutsam flecken Erde oder eher den Flecken unter der Erde.
02:06:12: und dabei stößt man wenig überraschend
02:06:14: auch auf die demokratische Republik Kongo.
02:06:17: Was folgt, ist Geschichte oder genauer der Psycho-Mein-Style strukturell vielleicht die relevanteste Entwicklung für das Land
02:06:25: der letzten und nächsten Jahrzehnte.
02:06:27: Und damit vielleicht auch das erste der heute so bekannten Mineralien
02:06:30: für Infrastrukturakkom.
02:06:33: Denn China bekommt langfristige Konzessionen auf Kupfer und Kobalt im Wert von ursprünglich sechs Milliarden Dollar durch ein Gemeinschaftsunternehmen – und der Kongo bekommt dafür
02:06:42: Infrastruktur!
02:06:43: Straßen, Krankenhäuser, Schulen und Universitäten versprechen
02:06:47: im Wert von ebenfalls sechs Milliarden Dollar.
02:06:51: Was erst mal nach
02:06:51: einem Okayendil klingt?
02:06:53: Mineralien raus, Infrastruktur
02:06:55: rein!
02:06:56: Die Praxis zeigt allerdings bald so richtig gut ist
02:06:59: er eigentlich auch nicht.
02:07:02: Für mir wird auch eher zum ersten Beispiel für die Knebelvereinbarung Chinas im globalen Süden, die kaum weniger brachial sind als die des Westens – nicht immer wohlgemerkt aber doch häufig In der Regel abhängig von der strategischen und wirtschaftlichen
02:07:17: Bedeutung
02:07:18: das Gegenübers für China.
02:07:19: Und wie gesagt, für China ist der Deal eher ein Schnäppchen und eine Investition von sechs Milliarden Dollar und die demokratische Republik Kongo zumindest damals
02:07:29: noch recht unbedeutsam.
02:07:32: China bemüht sich daher – der Schwäche des Gegenübers nur allzu sehr bewusst – nicht besonders darum seine Seite des
02:07:38: Deals dann auch tatsächlich einzuhalten.
02:07:41: Ein Großteil der Infrastrukturprojekte scheitert oder wird frühzeitig gestoppt.
02:07:45: Einzig die Mineralförderung
02:07:46: läuft wirklich klarmäßig an.
02:07:48: Der Deal wird daher auch mehrfach nachverhandelt, erst im Jahr twohntausend neun als der IWF protestiert dann wieder zweihnundzwanzig als Schlesiketi, der neue Präsident versucht die Bedingungen
02:07:58: zu verbessern.
02:07:59: Kein Wunder, denn ein unabhängiges Experten-Gremion stellt zwanzig-einenundzwanzig fest, dass die Demokratische Republik Kongo aus dem Deal mit China bis dato genau Null-Dollar
02:08:09: Staatseinahme halten
02:08:10: hat.
02:08:11: Sticht bei den vereinbarten Rückzahlungen der chinesischen Aufbaukostenvorrang vor Staatszahlung haben und diese Aufbaucosten immer wieder
02:08:19: neu kalkuliert werden.
02:08:21: Nach Jahrzehnten also Null Dollar für den konkurrisischen Staat bei Milliarden
02:08:26: an geförderten Kupfer und Kobalt.
02:08:29: Das reißen wir heute nur einmal als historische Marke an, aber es ist für die Folge II unfassichtbarer
02:08:35: Kontext.
02:08:36: Denn wenn wir dort über die Washington Accords sprechen – dass Minowits vor Security abkommen, das Trump und Xi'iqidi in den Jahr-zweifel im Jahr-zu-Zwischen zu schließen – dann ist sowohl der Bergbau-Collex von zwei Tausend Zwei als auch der Diem mit China was Muster von dem es abgeleitet ist und an dem sich bisher
02:08:52: wenig verändert hat.
02:08:53: Externe Mächte bieten etwas an Infrastruktursicherheit, Investitionen und bekommen
02:08:58: dafür Mineralzugang.
02:09:00: Der Kongo unterschreibt weil er keine besseren Option hat was das Gegenüber weiß weshalb die konkreten Gegenleistungen
02:09:06: dann hinter den Versprechen zurückbleiben.
02:09:09: Wenn man so will.
02:09:10: also eine Geschichte die sich von Leopold bis heute zieht durch den ersten Die mit China aber seine
02:09:16: heutige Form annimmt.
02:09:19: Abschließend müssen wir heute aber auch noch über eine zweite entscheidende Entwicklung der Kabilerzeit sprechen, die den meisten zumindest in Form des Namens wohl
02:09:26: schon einmal vorgekommen
02:09:27: ist und die neben dem Bergbau-Kodex und dem Psycho-Mines Diamantina das dritte große Vermächtnis
02:09:33: dieser Phase ist.
02:09:35: Nämlich
02:09:35: die erste
02:09:36: M-III
02:09:37: Rebellion
02:09:37: von Zwei-Ton-Zwölf bis Zwei Tausend Dreizehn.
02:09:40: Wir erinnern uns!
02:09:45: Aber im Kongo selbst folgt vor allem eine lange Phase von
02:09:48: Verhandlungen
02:09:49: mit Rebellinfraktionen, die sich nun in die neue Armee
02:09:52: integrieren sollen.
02:09:53: Eine davon
02:09:54: ist die CNDP –
02:09:56: der Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes.
02:10:00: Die nächste
02:10:00: Gruppe also mit unmerkbarer Abkürzung als Name?
02:10:04: Ich glaube Nummer drei heute aber wenigstens
02:10:06: die dürfte gleich vergessen!
02:10:07: Eine weitere ruhandisch unterstützte aber eigentlich unbedeutsame Gruppe, die ebenfalls in
02:10:12: Nordkivu also im Osten des Landes operiert.
02:10:16: Und zwei Tausend neun nach drei Jahren Verhandlungen folgt auch mit diesen ein Friedensabkommen inklusive Integration
02:10:22: der Kämpfer in die Kongolisische Nationalarmee.
02:10:25: Der General,
02:10:26: der die Truppe anführt wird sogar verhaftet und befindet sich seitdem
02:10:29: unter ruhannischem Hausarrest.
02:10:31: Denn im Jahr ist das Abkommen
02:10:39: gebrochen
02:10:39: worden
02:10:40: und rebeliert erneut.
02:10:49: Vor allem, weil die Möglichkeit zumindest den Osten des Landes erneut zu kontrollieren.
02:10:54: Weit attraktiver ist als die Beseudung innerhalb der Armee und bei die Kader, der späteren M-Bundzwanzig in ihrer Zeit als integrierte Soldaten genau dieser Armee abschätzen konnte was nötig wäre um diese zu schlagen.
02:11:08: und wir realistisch daher auch ein Sieg,
02:11:10: der einem vielleicht
02:11:11: die Kontrolle über erhebliche
02:11:12: Teile aus Kommus garantiert
02:11:15: Und tatsächlich noch im November.
02:11:17: Nimmt M-, dann nachdem die Revolte gestartet ist auch binnen kürzester Zeit die Hauptstadt der Provinz
02:11:23: Nordkivu ein.
02:11:25: Die Zeiten haben sich aber zumindest scheinbar
02:11:28: geändert.
02:11:29: Denn bereits Jahrzehnteilzehn wird M-Dreiundzwanzig durch eine von der ostafrikanischen Gemeinschaft Insante Interventionsbrigade militärisch
02:11:36: besiegt und weitgehend aufgelöst.
02:11:38: Womit das Problem zumindest scheINbar gelöst ist –
02:11:42: sich de facto Geschichte nur
02:11:44: wiederholt!
02:11:45: Denn die Kämpfer fliehen mehrheitlich nach
02:11:47: Uganda und Rwanda,
02:11:49: womit ein nationaler Konflikt nun
02:11:51: erneut die Grenze übertritt.
02:11:54: Bis abend damals nur noch keiner, denn für knapp zehn Jahre fällt M-QC
02:11:58: danach kaum weiter auf.
02:12:01: Bis die Gruppe zwanzig zweiundzwanzig plötzlich wieder
02:12:04: auftaucht – diesmal aber
02:12:06: erheblich stärker und besser ausgerüstet mit Waffen, die wie eine UN-Expertengruppe später bestätigt einzig aus
02:12:13: einem Bestand stammen können dem aus Rwander!
02:12:16: Knapp dreißig Jahre nach dem ersten durch den Denuzit begründeten Einmarsch in Kongo entscheidet Kagame, also offensichtlich die Chance, die
02:12:25: im M-III bietet zu nutzen.
02:12:27: Um erneut in den
02:12:28: Kongo einzugreifen, diesmal nicht persönlich sondern
02:12:31: über M-II als Proxy
02:12:33: mit dem Potenzial jegliche Verantwortung
02:12:36: zumindest vorerst von sich abzuschieben!
02:12:39: Eine Offensive,
02:12:40: die über drei Jahre anhält
02:12:42: bis zur Einnahme von GOMA und Bakuwu.
02:12:45: Und
02:12:45: damit einem erheblichen
02:12:47: Kontrollzubach
02:12:48: für Ruanda über große Teile des Ostkongo.
02:12:51: Womit bis heute ungebrochen das erneute nationale und geopolitische Regen um die mineralreiche
02:12:57: Region von vorne beginnt?
02:12:59: Denn wer die Ressourcen kontrolliert hat macht Und wie wir gelernt haben, er wird vor allem befähigt in einem Raum, in dem der kongolesische Staat kaum präsent ist und internationale Akteure immer wieder versuchen ihre Position über Deals mit dem Zentralstaat abzusichern während die tatsächliche Kontrolle auf den Boden durch bewaffnete Gruppen und ihre
02:13:18: externen Unterstützer ausgeübt wird.
02:13:21: Und zunehmend verbinden sich dabei auch der offensichtlich Konflikt um die Rohstoffe mit den historischen Versatzstücken,
02:13:27: in der hier heute erzählten
02:13:28: Geschichte zu einem Cluster aus Interessen und Legitimationen in einem Umfeld das die entscheidenden Konflikterde
02:13:34: weiterhin nicht gelöst hat.
02:13:37: Beispielgefällig erinnert ihr euch noch an die FDLR jene Hutu, die in den neunzehntinundneinziger Jahren als Täter des Genozids nach dem Einmarsch Kagamis in den Kongoflin – auch diese sind längst nichts verschwunden!
02:13:50: Die Gruppe operiert nun seit fournundneinzig im östlichen Kongo.
02:13:55: Mal geschwächt,
02:13:56: mal neu
02:13:56: aufgebaut nach jüngsten UN-Schätzungen aber immer
02:13:59: noch einige tausend Kämpfer.
02:14:02: Häuse schätzt sie also vielleicht keine echte militärische Bedrohung für Rwanda mehr da?
02:14:06: Aber sie ist immer noch eine willkommene
02:14:09: Legitimation!
02:14:10: Denn wann immer Rwandar für seinen M-Drauenzwanzig Support kritisiert wird kommt die FDLR
02:14:15: als Argument
02:14:16: während die Minen in
02:14:17: den Hintergrund drücken.
02:14:20: Damit haben wir unsere historischen Versatzstücke vor heute zusammen und beenden die aktuelle Folge mit dem Sprung in Die Gegenwart, wo wir
02:14:26: beim nächsten Mal dann weitermachen.
02:14:29: Felix Tschisäke, die Sohn des bekannten kongolisischen Oppositionsführers unter Mobutu, der im bergischen Exilstab gewinnt,
02:14:38: die
02:14:38: Wahl und wird
02:14:40: president.
02:14:41: In einer Phase vergleichbarer Ruhe aber auch in einer, in der sich das Tauschverhältnis zur Außenwelt
02:14:46: sukzessive verstechtert hat.
02:14:49: Was er daraus macht?
02:14:50: wie er mit Trump und Biden verhandelt, was hinter dem Washington Accord steckt.
02:14:55: Was China im Kongo die letzten über zwanzig Jahre gemacht hat.
02:14:58: Warum Ruanda's militärische Dominanz in der großen Seenregion das regionale Gleichgewicht fundamental verschoben hat?
02:15:05: Und so weiter...
02:15:06: Das ist dann der Stoff für Folge zwei.
02:15:09: In der wir uns dann voll der Gegenwart widmen den kritischen Mineralien, den Minerals for Security Deals, dem Ringen zwischen China und den USA auf kongolisischen Boden
02:15:19: Und der Frage, was das alles für
02:15:21: die Zukunft
02:15:22: des Landes bedeutet.
02:15:23: Also
02:15:49: bis zum
02:15:49: nächsten Mal!
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