NDS36 – Hilfe gegen Rückkehr
Shownotes
Ende März diesen Jahres kommt der syrische Übergangspräsident al-Shaara zum ersten Mal nach Berlin, inklusive großem Empfang und gemeinsamer Pressekonferenz bei der es um die Vorstellung eines gemeinsamen deutsch-syrischen-Aktionsplanes gehen soll: um Wiederaufbau, wirtschaftliche Kooperation und politischen Austausch.
Nach dem Treffen geht es aber vor allem um einen Satz, den Merz fast beiläufig in den Raum wirft, der seitdem aber hunderttausende Syrerinnen hier und auch die Frage des syrischen Wiederaufbaus massiv belastet. Knapp dreißig Wörter: 80 % der in Deutschland lebenden Bürgerinnen sollten in den folgenden 3 Jahren in ihre ehemalige Heimat zurückkehren.
Als vermeintlich gewohnter Merz „Ausrutscher“ ist die Aussage schnell wieder aus dem öffentlichen Blickfeld verschwunden, aber sie ist deutlich mehr als das, denn sie formuliert eine Erwartung, die nicht nur mit Syrien verbunden ist, sondern längst zur Realität europäischer Entwicklungspolitik geworden ist, deren Unterordnung und Instrumentalisierung im Sinne der Migrationspolitik.
Diese Folge kehrt daher nach Syrien zurück, um die aktuelle Lage zu beschreiben und zu Fragen, was Syrien nun eigentlich braucht, um dann kritisch einzuordnen, was es tatsächlich bekommt: eine deutsche und europäische Hilfspolitik mit widersprüchlichen Signalen, die vor allem innenpolitische Narrative bedient, während Entwicklungspolitische Ziele zunehmend durch Migrationspolitische ersetzt werden.
Eine Folge über Syrien, seine politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, wie Deutschland, die „Trumpisierung“ der CDU, die Mechanismen der europäischen Festungspolitik und was das für die Zukunft der Entwicklungspolitik bedeutet. betrachtet daher beispielhaft die aktuelle Lage in Syrien und was die Verschmelzung von Entwicklungs- und Migrationspolitik theoretisch wie praktisch bedeutet.
Zeit Online: Nichts als Staub, Schrott und Ruinen https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-11/syrien-harasta-damaskus-lebensbedingungen-stadt
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00:00:32: Und herzlich willkommen zurück.
00:00:34: Mein Name ist Mick Flacker und ihr hört Folge thirty-six von neben der Spur, diesmal ein bisschen verspätet.
00:00:40: ich bitte um Entschuldigung.
00:00:42: Ich hatte mal wieder laptop trouble offenbar ein jährliches event aber inzwischen alles
00:00:48: gelöst.
00:00:48: anders als die straße von hummus bin ich wieder im fluss Auch dank eurer finanziellen Unterstützung.
00:00:54: daher einen guten Moment sich mal wieder bei allen von euch zu bedanken, die diesen Podcast schon finanziell unterstützen.
00:01:00: Es hält Ihnen im wortwörtlichen Sinne am Laufen und gibt mir die Möglichkeit hier weiterzumachen.
00:01:05: also vielen Dank an alle, die diesem Podcast bereits stützen!
00:01:09: Und falls ihr das auch tun wollt dann schaut einfach in die Show-Nauts.
00:01:12: jeder Euro zählt.
00:01:14: Benzin ist schließlich teuer.
00:01:15: Aber zur Folge von heute, die wie schon die letzte ein paar Strenge aus anderen Folgen zusammenführt.
00:01:21: Allerdings diesmal nicht mit Blick auf einen Konflikt in vollem Gange sondern auf die Frage
00:01:27: was folgt eigentlich auf den Krieg?
00:01:29: Schon im vergangenen Sommer so viele Folgen ist es noch gar nicht her haben wir hier ausführlich über die Geschichte und mögliche Entwicklung Syriens gesprochen nach dem Sturz von Assad, Folge
00:01:38: neunundzwanzig
00:01:39: und dreißig.
00:01:40: vieles war damals aber noch unklar.
00:01:45: Einiges hat sich aber auch getan und daher scheint jetzt immerhin acht Monate später eigentlich ein guter Zeitpunkt, um wieder hinzuschauen.
00:01:54: Aber wenn ihr die Nachrichten ...
00:01:57: Und wenn nur
00:01:57: Peripher verfolgt habt, dann wisst ihr auch schon das ist nicht der Auslöser
00:02:01: für
00:02:02: diese Folge, sondern dass Syrien in Deutschland noch mal für zumindest einen kurzen Moment
00:02:08: in den vergangenen
00:02:09: Wochen die Schlagzeilen
00:02:10: dominiert hat.
00:02:11: Na?
00:02:12: Schon vergessen!
00:02:13: Nachvollziehbar.
00:02:14: Es
00:02:14: ist nur einmal ganz
00:02:15: kurz aufgeblitzt, bis es wieder von vermeintlich dringenderem überlagert wurde.
00:02:20: Zum Glück muss man vielleicht sogar sagen ... Aber
00:02:24: wir beschäftigen uns damit heute trotzdem
00:02:26: etwas intensiver, denn es gibt die Möglichkeit des Thema Syrien
00:02:30: mit einem anderen Thema zu verknüpfen.
00:02:32: Dass wir hier in Folge thirty-two
00:02:33: behandelt haben der
00:02:35: internationalen Entwicklungspolitik
00:02:37: diesmal im Kontext der Migrationspolitik.
00:02:40: und nicht zu vergessen Wir können mal wieder über Deutschland sprechen, oder sind wir ehrlich?
00:02:45: Wir können über die CDU und Friedrich Merz herziehen.
00:02:48: Und wenn das im Kontext internationaler Politik so nahe liegt,
00:02:51: dann lassen wir uns das natürlich nicht entgehen.
00:02:54: Machen wir es also gleich konkret!
00:02:56: Im März diesen Jahres kam der syrische Übergangspräsident Amind Alshara
00:03:00: zum ersten Mal nach Berlin
00:03:01: eingeladen zum Gespräch mit dem Bundeskanzler inklusive Polizeikolonne empfangen bei Steinmeier-und unzähligen Fotoops.
00:03:09: volles Programm.
00:03:11: dem Anlass nur angemessen, denn es geht um viel für
00:03:14: beide Seiten.
00:03:15: Das macht schon die Anspannung,
00:03:17: die breite Kritik
00:03:18: und auch vereinzelte Proteste im Vorfall dieses
00:03:21: Besuches klar.
00:03:22: Konkret Wiederaufbau und die Entwicklung bilateraler Zusammenarbeit und natürlich
00:03:28: Migrationen.
00:03:29: Also kurz Es geht um die Zukunft Syriens Und auch die von Millionen Geflüchteter hier wie dort.
00:03:35: Und das nun zum ersten Mal im direkten Gespräch mit einem Mann, der noch vor achtzehn Monaten auf westlichen Terroristen stand.
00:03:43: Jetzt aber schüttet er dem deutschen Bundespräsidenten die Hand und wird im
00:03:46: Kanzleramt empfangen.
00:03:48: Was direkt ein Proteststurm quer durch deutsche Parteien und
00:03:52: Medienlandschaft ausgelöst hat?
00:03:54: Denn es lässt sich offenbar lange und kontrovers diskutieren ob
00:03:58: das nun
00:03:58: richtig ... falsch oder schlicht und vermeintlich ist, schon allein und bedauerlicherweise hauptsächlich
00:04:05: entlang der Person
00:04:06: als Shara ohne Syriene
00:04:08: im Großen überhaupt zu betrachten.
00:04:10: Aber das eigentlich Folgenreichere an diesem Besuch ist natürlich nicht der Besuch selbst!
00:04:15: Es geht hier schließlich nicht darum, dass die Ehre von Steinmeier beschmutzt wird.
00:04:19: Wenn er einem ehemaligen Terroristen
00:04:21: jahrenschüttelt ... Die Weste war vorher schon nicht sauber!
00:04:24: Sondern es ist vor allem ein Satz den Friedrich Merz bei der anschließenden Pressekonferenz in seiner gewohnt Trumpesken-Manie fast beiläufig
00:04:32: in den Raum wirft
00:04:33: als die meisten Journalistinnen und Journalisten
00:04:36: bereits wieder dabei sind ihre Notizblöcke einzupacken.
00:04:38: so dreißig Wörter ungefähr.
00:04:42: Sind gemäß?
00:04:43: In der längeren Perspektive der nächsten
00:04:47: drei Jahre
00:04:48: sei es auch der Wunsch des syrischen Präsidenten, dass rund achtzig Prozent der Syrerinnen und Syrer die sich derzeit in Deutschland aufhielten, in
00:04:57: ihr Heimatland zurückkehren sollten.
00:04:59: Mehr hat's präsentiert als eine gemeinsame Vision – als geteilten Wunsch beider Seiten!
00:05:05: Das große Finale
00:05:07: der Pressekonferenz
00:05:08: bilaterale Verständigung
00:05:10: als in politischer
00:05:11: PR stand, der nun endlich Monate nach dem Sturz von Assad so vielen besorgten Bürgern ihre dringendste Frage beantwortet.
00:05:19: Ja ... aber wann gehen die
00:05:21: Ausländer denn jetzt endlich wieder weg?
00:05:23: Denn jeder Idiot weiß ja, die müssen ihr Land aufbauen.
00:05:27: Das erkennt die Mehrheit der Deutschen sofort.
00:05:29: Darin sind sie schließlich Experten.
00:05:32: Noch
00:05:33: am selben Abend stellt sich dann raus Und zumindest als Scharer sieht das dann
00:05:38: wohl doch etwas anders.
00:05:39: Denn bei einer Veranstaltung in London distanziert er sich ausdrücklich von dieser Zahl, er habe das
00:05:44: nicht gesagt
00:05:45: es war der Kanzler und zwar ganz allein.
00:05:49: Einer von beiden hat also gelogen
00:05:51: oder beide
00:05:53: oder sie haben ein Missverständnis gemeinschaftlich produktiv genutzt und beides wäre in der internationalen Diplomatie nicht ungewöhnlich.
00:06:01: was aber dann doch ungewönig ist wenn auch inzwischen
00:06:04: geübt
00:06:05: ist das Chaos, was in den folgenden Wochen
00:06:07: folgte.
00:06:08: Außenminister
00:06:09: gegen Innenminister, Fraktionen gegen Außenminister, SPD gegen CDU –
00:06:13: der Bundeskanzler taucht
00:06:15: ab, begleitet von einem öffentlichen Diskurs, der sowohl unverhohene Genug tun bei vielen deutschen Auszulösen scheint als auch extremer Angst
00:06:23: und Entrüstung beim Migrationsverbänden und hunderttausenden Syrerinnen in Deutschland.
00:06:28: Die sich nun fragen müssen ... wer ist hier überhaupt gemeint?
00:06:32: wenn lediglich achtzig Prozent
00:06:34: in Aussicht gestellt werden und darauf politisches
00:06:37: Schweigen folgt.
00:06:38: Sie auch,
00:06:39: auch mit
00:06:40: Arbeit,
00:06:40: mit
00:06:41: Aufenthaltserlaubnis vielleicht sogar mit deutscher Staatsangehörigkeit.
00:06:45: wohl kaum
00:06:46: aber vielleicht doch für hunderttausende öffentlich kaum betrachtet
00:06:51: ist es also
00:06:52: ein riesen Schock
00:06:53: während Teil der
00:06:54: Mehrheitsgesellschaft schon wieder von
00:06:56: weißen Fußgängerzonen träumen.
00:06:58: Die Diskussion, die folgt ist entsprechend.
00:07:00: Denn offensichtlich geht es hier um
00:07:02: mehr als nur ein Satz sondern erneut um eine innereuropäische
00:07:05: Grundsatzfrage und nun auch eine im Verhältnis
00:07:09: von Syrien
00:07:09: und Deutschland
00:07:10: und darüber hinaus.
00:07:12: Eine Frage,
00:07:12: die hunderttausende hier und dort betrifft und die am Beispiel Syrien dabei auch einmal deutlich macht wie eng Migrations- und Entwicklungspolitik
00:07:21: inzwischen miteinander verknüpft
00:07:22: sind
00:07:23: als zwei Seiten derselben Medaille.
00:07:26: Das werden wir heute also nachvollziehen, um zu begreifen.
00:07:28: Und das können wir an der Stelle schon einmal vorwegnehmen,
00:07:31: warum
00:07:31: Merzaussage nicht nur falsch ist politisch wie moralisch sondern symptomatisch.
00:07:37: Symptomatisch für eine grundsätzliche Denkhaltung die sowohl Syrien als auch den Menschen hier in Deutschland schadet und die zugleich natürlich
00:07:45: Teil einer viel längeren und größeren Geschichte ist über die wir in Folge thirty-two
00:07:50: schon gesprochen haben, die Geschichte
00:07:52: der Entwicklungspolitik als Instrument der Interessenpolitik.
00:07:56: Also auf geht's!
00:08:05: Wenn man über den Wiederaufbau Syrien spricht bewegt man sich wie auch die kurze öffentliche Diskussion Anfang April und zeigte schnell auf
00:08:12: einer Makro Ebene.
00:08:14: Kein Wunder denn augenscheinlich es geht um viel Geld, um industrielle Produktionen.
00:08:22: Diese Abstraktion verstellt natürlich auch nur als so leicht den Blick darauf, wie sich das
00:08:26: Ganze dann
00:08:27: auf der Mikro-Ebene
00:08:28: also im Leben einzelner spiegelt.
00:08:31: Deshalb wollen wir heute dort anfangen, denn in Zentrum sowohl von März Aussage als auch dem Wiederaufbau stehen ja am Ende konkrete Menschen die damit leben müssen und die in vielen Fällen unmittelbar abhängig sind von
00:08:45: politischen Entscheidungen.
00:08:47: Wir beginnen dafür nach des politischen Zentrums des Landes Also dort, wo zumindest in nicht allzu weiter Ferne auch mal Staatsgäste aus Europa empfangen werden.
00:08:58: Nämlich
00:08:59: in Herasta – einem
00:09:00: Vorort im Nordosten von Damaskus nur etwa eine halbe Stunde vom Stadtzentrum und damit der politischen Macht und dem damit verbundenen Ordnungsversprechen
00:09:09: entfernt.
00:09:10: Ein wenig bemerkenswerte
00:09:11: Ort mit einer Hauptstraße
00:09:13: ein paar
00:09:14: Nebenstraßen und dem was von einer einst lebendigen Arbeiterklasse
00:09:18: Gemeinschaft noch übrig ist.
00:09:20: kein Ort,
00:09:21: der in den großen Erzählungen
00:09:22: des syrischen Bürgerkriegs besonders hervorsticht.
00:09:25: Kein Aleppo, kein
00:09:26: Osgota aber gerade deshalb eignet er sich vielleicht besser
00:09:30: als die meisten
00:09:31: anderen Orte um zu verstehen was dieser Krieg tatsächlich hinterlassen hat.
00:09:35: denn Harasta ist kein Extrembeispiel ethnischer Spannungen keinen Zentrum schwelender Konflikte nicht die Peripherie weit weg
00:09:43: sondern die syrische
00:09:44: Durchschnittsumgebung wenn man so will
00:09:45: eine Art Baseline
00:09:47: Weshalb sie wahrscheinlich auch der Journalist Christian Wohren im Frühjahr, im Auftrag der Zeit gut ein
00:09:54: Jahr nach Asstatzsturz besucht hat.
00:09:56: Auf dessen Robbertage,
00:09:57: die ich euch verlinken werde, sich das
00:10:00: folgende mehrheitlich stürzt.
00:10:02: Denn Wohnen trifft dort mehrheitliche Entscheidungen, sondern Menschen, die
00:10:06: einfach in Syrien
00:10:07: leben
00:10:08: oder es zumindest versuchen.
00:10:11: Und es wird schnell klar ... Auch nach einem Jahr wackeligen, mehrheitlichen Frieden so doll anders als vor einem
00:10:18: Jahr sieht die Lage gar nicht aus.
00:10:20: So trifft er unter anderem eine Frau namens
00:10:22: Ramir al-Hurani,
00:10:24: die in dem lebt was von
00:10:25: ihrem Haus noch übrig ist.
00:10:27: Oberretage weggebompt,
00:10:29: Dachterrasse notdürftig
00:10:30: hergerichtet, Wasser aus einem Brunnen und eine Stromversorgung
00:10:34: wie Ebbe und Flut.
00:10:35: Mal ist sie da dann wieder
00:10:37: für Stunden unterbrochen.
00:10:39: Eine Frau also offensichtlich, die kaum entfernt von einem der Zentren des Landes auch über ein Jahr nach dem Sturz von Assad noch in einer ungebrochenen Extremsituation lebt.
00:10:49: Die für die meisten von uns wahrscheinlich unvorstellbar
00:10:51: wäre.
00:10:52: Ein Leben in Trümmern, einen Alltag bestimmt von der Suche nach dem Nötigsten ausgestattet mit wenig mehr als dem, was im Westen vielleicht gerade
00:11:00: noch so als Campingausrüstung durchgehen würde.
00:11:03: Ein leben in extremster Armut.
00:11:06: Der Schlimmste aber sagt sie
00:11:08: seien die Hunde!
00:11:09: Tollwütige Streuner, die sich während der jahrelangen Belagerung der Stadt durch Assatztruppen die herumliegenden Leichen gefressen hatten.
00:11:16: Und nun sind die Toten zwar begraben aber
00:11:19: die Hunde seien noch da.
00:11:21: Nun eine tägliche Bedrohung für ihre Kinder Ein sehr konkretes
00:11:25: Problem auf das man vielleicht nicht gleich selber kommt wenn man an syrischen Wiederaufbau denkt und die politischen Erzählungen und Hoffnungen die damit verbunden sind Das aber schon anreist wie vielfältig und gleichzeitig unmittelbar die tatsächlichen Probleme
00:11:41: der Menschen im Land sind, wenn man ihre Lebensrealität dann mal konkret macht.
00:11:45: Ramir Al-Hurani
00:11:47: lebt in
00:11:47: täglicher Angst
00:11:48: – nicht wegen dem Militär oder Islamisten sondern wegen der Hunderude in den Vororten
00:11:54: von Damascus.
00:11:55: Für sie ist es eine Frage der unmittelbaren Existenz, etwas das ihr Leben bestimmt.
00:12:00: Im Großen und Ganzen vielleicht eine Fußnote aber eine persönliche Krise die eine strukturelle Realität und viel größere Krise spiegelt
00:12:08: und auf das Individuum herunter bricht
00:12:11: Denn etwa siebzig Prozent von Herasta
00:12:13: sind weiterhin zerstört Und dabei geht es nicht nur um die Gebäude.
00:12:17: Auch die Infrastruktur ist
00:12:18: quasi nicht mehr existent.
00:12:21: Neunzig Prozent sind zerstört.
00:12:23: Es gibt fast
00:12:23: keinen Wohnraum, keine Jobs.
00:12:25: Kaum Menschen,
00:12:26: die den Ort wieder aufbauen könnten.
00:12:28: Der Bürgermeister fährt wohin durch diese zerstörten Straßen vorbei
00:12:31: an
00:12:31: Betonruinen, an leeren Fensterrahmen, an dem was mal Häuserschulen und Werkstätten waren und führt damit praktisch vor ... ohne Hilfe
00:12:41: wird hier gar nichts passieren außer
00:12:43: die Verstetigung von
00:12:44: Elend in einer Landschaft aus Ruinen.
00:12:47: Und Herr Raster ist kein Ausnahmefall, es
00:12:50: ist eher sowas wie die Essenz einer insgesamt weiter verheerenden Gesamtlage.
00:12:55: Ein Drittel des syrischen Territoriums
00:12:57: geht heute weiterhin als physisch zerstört –
00:13:00: nicht beschädigt
00:13:01: sondern zerstört!
00:13:02: ganze Stadtviertel,
00:13:04: Dörfer, Infrastruktur existieren schlicht nicht mehr.
00:13:07: Mehr als neunzig Prozent der syrischen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze nach aktuellen Schätzung
00:13:13: knapp zwanzig
00:13:13: Millionen Menschen von insgesamt
00:13:15: vielleicht einundzwanzig oder zweiundzwantig
00:13:17: Millionen die sich noch
00:13:18: im Land
00:13:18: befinden
00:13:19: Nach jahren
00:13:20: massiver Fluchtbewegungen und etwa sechzehn Komma.
00:13:23: fünf Millionen davon also etwa drei mal Die Einwohnerzahl
00:13:26: Berlins
00:13:27: sind dabei unmittelbar auf humanitäre Hilfe angewiesen um
00:13:30: überhaupt zu überleben.
00:13:32: Sieben von zehn Menschen im
00:13:33: Land brauchen
00:13:34: irgendeine
00:13:35: Form externer Unterstützung für ihre Grundversorgung.
00:13:39: Zahlen, von
00:13:40: denen man nun nicht unbedingt das Gefühl hat,
00:13:41: ihn würde in der innerdeutschen Diskussion
00:13:44: eine besondere Rolle zukommen –.
00:13:46: noch entscheidender aber und direkt damit verbunden die internationale Gemeinschaft der derzeit gerade einmal vierundzwanzig Prozent
00:13:53: der zur Versorgung benötigten Mitte bereit.
00:13:56: Drei Viertel der benötigen humanitären Hilfe hingegen
00:13:59: gibt es schlicht nicht!
00:14:01: Auch nicht über ein
00:14:01: Jahr nach dem Sturz.
00:14:03: Auch nicht im Zuge von diversen Besuchen, bei denen Alshara auf den roten Teppichen der Geberstaaten empfangen wurde sich als öffnungswilliger Staatsmann präsentierte und versucht hat schnell
00:14:13: Mittel einzutreiben.
00:14:14: Für die meisten Menschen im Land bedeutet das in der Konsequenz einen Leben
00:14:17: von der Hand in den Mund Selbst für die, die Arbeit haben Denn
00:14:21: der Durchschnittslohn in Syrien deckt heute gerade einmal ungefähr
00:14:24: ein Drittel des Grundbedarfs ab.
00:14:26: Strom gibt es in vielen Teilen des Landes nur stundenweise, zwei, drei Stunden am Tag.
00:14:30: Wenn das gut läuft – in manchen Regionen
00:14:33: auch weniger und in
00:14:34: anderen gar nicht.
00:14:35: Wasser kommt
00:14:36: oft aus Brunnen wenn einer in der Nähe ist oder muss über weite Strecken herangeschleppt werden.
00:14:41: und dass dann oft auch nicht etwa in Dörfer- oder Häuser sondern in Zeltstädte in den weiterhin
00:14:48: mehr als eine Million Menschen lebt.
00:14:50: Tendenz steigend!
00:14:52: Seitdem über zwei
00:14:53: Millionen Geflüchtete aus den Nachbarländern wieder zurückgekehrt sind und die angesichts der Gesamtlage in der Region
00:14:59: wohl auch weiter kommen werden.
00:15:01: Gerade vor dem Hintergrund einer geopolitischen Situation, die sich im Frühjahr zwanzig sechsundzwanzig – wir haben darüber gesprochen – im Zuge des Angriffs Israels und der USA
00:15:10: auf Iran noch einmal massiv verschärft hat.
00:15:13: Denn für Syrien bedeutet das neben aller Sorge vor einer möglichen Ausweitung des Konflikts vor allem einen
00:15:19: dramatischen Anstieg an Fluchbewegungen.
00:15:22: Schon allein in den ersten fünf Tagen nach dem Beginn der Eskalation überquerten mehr als sixty-fünftausend Menschen, überwiegend Syrerinnen und Syrer aus dem Libanon wieder
00:15:32: die Grenze nach Syrien.
00:15:34: Syrien nimmt
00:15:34: also gerade
00:15:35: reichlich
00:15:36: ehemalige Staatsbürger zu Hause auf – wenn auch nicht aus Europa!
00:15:40: Allein im März zwanzig sechsundzwanzig insgesamt fast zweihundert tausend
00:15:45: Einreisen.
00:15:46: Viele davon in Regionen, die selbst noch erschöpft
00:15:49: und überfordert sind….
00:15:51: Eine Vertreibungskrise, die vielleicht sogar erst an ihrem Anfang steht und die Zeltstätte
00:15:56: konstant
00:15:56: wachsen lässt.
00:15:57: In denen sich immer mehr sammeln zurück im Land aber in vielen Fällen weit entfernt von
00:16:03: ihrem ehemaligen
00:16:03: Zuhause irgendwo im Nirgendwo des zerstörten Landes ohne Papiere und ohne Mittel außerdem
00:16:10: was sie tragen können.
00:16:12: Vorweg müssen wir also anhand dieser abschlichten Aufzählung von Zahlen und das Lebens nur einer Person schon konstatieren Die politische Zäsur, die der Sturz von Assad ohne Frage darstellt, stellt noch lange keine Zäsure in der Lebensrealität
00:16:28: der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung da.
00:16:31: Das ist auch
00:16:32: über ein Jahr nach dem Sturzt und anfänglicher großer Euphorie
00:16:36: nur umso deutlicher geworden.
00:16:39: Aber
00:16:40: es gibt einen Tendenz im Medien- und Politik in Europa diese Realität
00:16:45: nicht anzuerkennen!
00:16:46: oder sie zumindest nicht zu kontextualisieren, gerade wenn hier über Migrationsfragen
00:16:51: debattiert wird.
00:16:53: Sondern die politische Zäsur zu überzeichnen und damit den Eindruck zu erbecken, Syrien stehe quasi zwangsläufig
00:17:00: an einem Punkt des Neuanfangs.
00:17:03: Aber die Idee einer Art Clean Slate eines weißen
00:17:07: Blattes, das
00:17:07: die Syrerinnen nur neu beschreiben müssen.
00:17:10: Indem sie anpacken
00:17:11: und
00:17:12: fleißig sind wo sie doch jetzt in Frieden leben nach dem Sturz ihres Diktators entspricht schlicht nicht
00:17:17: der Realität des Landes
00:17:19: und
00:17:19: auch nicht der Region.
00:17:21: Es gibt hier keinen Neuanfang.
00:17:23: es kann nur den Versuch geben die Vergangenheit die ebenso
00:17:27: Realität
00:17:28: ist,
00:17:28: zu bewältigen
00:17:29: und damit vielleicht sukzessive gegen alle Beharungskräfte und Folgeerscheinungen der Vergangenheit
00:17:36: Armut und Elend langsam zurückzudrängen.
00:17:39: Denn auf der Makro-Ebene ist Syrien weiterhin ein Land
00:17:43: mit einem kollabierten
00:17:43: Staat
00:17:44: –
00:17:44: auch wenn der
00:17:45: jetzt von jemandem anders gemanagt wird!
00:17:47: Nicht einfach nur in Form der Zerstörung physischer Infrastruktur, sondern im Sinne zerfallener staatlicher Institutionen, Legitimität und vor allem
00:17:56: gesellschaftlichen Vertrauens.
00:17:58: Syrien hatte unter erst hat ohnehin nie einen Staat im liberalen
00:18:01: Sinne Keine unabhängige Justiz, keine
00:18:04: freie Presse.
00:18:04: Keine institutionalisierten Kontrollmechanismen.
00:18:08: Was es hatte war ein brutales Patronage-Netz das Loyalität kaufte und Desens bestrafte, dass Ressourcen nach konfessioneller Zugehörigkeit verteilte und den Staat als verlängerten
00:18:19: Arm einer Familiendynastie organisierte.
00:18:22: Dieser Apparat
00:18:23: ist aber nun weg!
00:18:24: Und dass das bleibt ist – und das muss man immer wieder betonen – eine Gesellschaft die vierzig Jahre Repression fünfzehn Jahre wirtschaftlichen Niedergang und drei
00:18:34: zehn Jahre Bürgerkrieg hinter sich hat.
00:18:36: Und die dem Staat, jeglichem Staat mit einem Misstrauen begegnet das aus unmittelbare
00:18:42: Erfahrung
00:18:42: gespeist ist.
00:18:44: Dieser Staat ist zudem auch nur ein Rumpfstaat der bisher viele Teile
00:18:49: des Landes kaum oder gar nicht erreicht.
00:18:52: Damit
00:18:52: verbunden
00:18:53: ist physische und psychologische Erschöpfung.
00:18:56: Millionen Menschen sind traumatisiert Millionen intern vertrieben, Millionen haben Angehörige eben so wie Häuser und Beruf hat verloren.
00:19:05: Und Wiederaufbau in diesem Kontext bedeutet daher auch nicht nur neue Straßenhäuser oder Stromleitungen sondern gesellschaftliche Koalition also überhaupt wieder ein
00:19:15: Minimum
00:19:16: an gegenseitigen Vertrauen zu schaffen Nicht nur gegenüber einem irgendwie abstrakten Staat
00:19:22: Sondern den eigenen Nachbarn
00:19:24: und das lässt sich offensichtlich nicht einfach kaufen oder
00:19:28: per Dekret wiederherstellen.
00:19:30: Es entsteht über Zeit, über erlebte Sicherheit und funktionierende Institutionen.
00:19:36: aber das haben wir schon beim letzten Mal als wir über Syrien gesprochen haben beschrieben.
00:19:40: Zeit ist eine in Syrien besonders
00:19:43: wertvolle und knappe Ressource
00:19:46: In einem politischen und wurschaftlichen Wettrennen gegen die Probleme die das Land auch weiterhin
00:19:51: in den Abgrund zu ziehen drohen
00:19:53: Hunderttausende Kämpfer, die ihre Aufgabe und ihre Versorgung verloren haben.
00:19:57: Wirtschaftliche Not,
00:19:58: die zu
00:19:59: Konflikten über die Ressourcen des Landes drängt.
00:20:02: Persönliches Elend, das in die Kriminalität und die Schwarzen Märkte treibt.
00:20:06: eine Mangelversorgung, die Tribalismus- und
00:20:09: ethische Konflikte schürt.
00:20:11: Und dass im internationalen Umfeld, dass mehrheitlich zwar wohlwollend auf Ashara's Machtübernahme blickt Gleichzeitig aber offenbar keinen Not zur Eile sieht, sondern selbst extrem langsam agiert oder auch gar nicht.
00:20:25: Gerade was die Sanktionspolitik anbelangt und deren Transformation in ein System der schnellen
00:20:30: und verlässlichen Unterstützung.
00:20:39: In Deutschland – ich glaube das ist fair – nahm die Ausgangslage in Syrien im Zuge der Diskussion um al-Sharis Besuch
00:20:47: eher eine
00:20:48: untergeordnete Rolle ein.
00:20:49: Im Vordergrund stand vor allem Al-Shara
00:20:51: selbst
00:20:52: und auch über den haben wir schon einmal lange gesprochen,
00:20:56: aber kommen wir noch einmal auf
00:20:57: ihn zurück denn wenn es um die Frage geht wie umgehen mit Syrien dann kommt seiner Beschreibung zumindest in der öffentlichen Debatte
00:21:05: ja doch einige Bedeutung zu
00:21:08: Und da müssen wir zunächst weiterhin
00:21:10: ehrlich sein Es ist zu früh für finale Aussagen.
00:21:14: Weiterhin wissen wir nicht, ob Alshara ein überzeugter Reformer ist oder nur ein taktischermäßiger.
00:21:20: Seine Transformation real
00:21:22: – oder doch eher performativ!
00:21:25: Und stand heute weiß das wahrscheinlich niemand wirklich
00:21:27: mit Sicherheit.
00:21:28: Nicht die westlichen Geheimdienste, nicht die syrische Opposition und vielleicht nicht mal Alsharra selbst der morgen oder erst in fünf Jahren ganz andere Entscheidungen treffen könnte als jetzt wenn die Sachzwänge seine neue Rolle und
00:21:41: ihnen weiter geformt haben.
00:21:43: Was wir aber kennen zumindest in Aussagen, ist seine Geschichte
00:21:47: bis hierhin.
00:21:48: Über islamistische
00:21:49: Kampfverbände Al-Qaeda und HTS – eine Organisation die noch bis vor Kurzem auf westlichen Terroristen standen und deren Entstehungsgeschichte untrennbar mit Gewalt, Extremismus
00:22:01: und dem Schlimmsten des syrischen Bürgerkrieges verbunden sind.
00:22:05: Und insofern ... kann man vielleicht auch etwas Verständnis dafür aufbringen, dass er in fast jedem politischen Spektrum hier
00:22:12: erst mal weiterhin darauf reduziert wird.
00:22:14: Es herrscht weiterhin ein massives Misstrauen gegenüber dem neuen Regime, welches ja nicht unbegründet ist und das an ein altes ebenso begründetes Mistrauen anschließt gegen über der real Politik mit Diktatoren die eigenes Volk ausbeuten zum Nutzen
00:22:32: Europas und des Westens.
00:22:34: Ein historisch gewachsenes Misstrauen gegen das März, wie Al-Sharah und auch alle anderen nun anarbeiten müssen wenn es um Kooperation mit Syrien geht.
00:22:45: Egal in
00:22:45: welchem Sinne.
00:22:47: Aber wenn man den Blick mal über die Erstbeschreibung Al-Shara's hinaus weite so muss man auch zugestehen zumindest für einen so beschriebenen geifernen Islamisten Und das befreit ihnen wohl gemerkt noch lange nicht vom Vorwurf des Autoritarismus Hat dieser selbst die vergangenen Monate doch
00:23:05: diverse
00:23:06: realpolitische, rationale Entscheidungen getroffen.
00:23:09: Und wenn sie nur im Sinne der eigenen Macht sind ... Die zumindest der Form nach auf einen realen Willen zur Transformation des Landes hindeuten.
00:23:20: Wenn auch nicht unbedingt
00:23:21: die demokratische Transformation.
00:23:23: Er hat
00:23:24: Washington besucht was unter Trump bemerkenswert gut gelaufen ist und zeigt
00:23:28: das
00:23:28: er verstanden hat dass sein Projekt ohne US-amerikanische Toleranz nicht überlebensfähig ist.
00:23:33: Er war
00:23:34: bei den Vereinten Nationen,
00:23:35: jetzt in Berlin
00:23:36: und auch schon in Nondon.
00:23:38: Überall gibt er sich als Staatsmann und auch wenn man das natürlich als Oberflächlichkeiten abtun kann politische Taktiken wohl wissen dass man das gegenüber auf der eigenen Seite halten muss.
00:23:49: Er ist auf jeden Fall sehr gut darin
00:23:52: Denn schon die wenigen Interviews zeigen Alshara hat auf alles eine sehr gemäßigte Antwort und das, worauf er nicht antworten möchte, umschifft er zumindest wesentlich
00:24:02: geschickter als Friedrich Merz.
00:24:05: In Sachen präsidialer Talking Points und Fokussierungen scheint er vollumfänglich aufgegangen in seiner persönlichen Transformation zum Präsidenten der zumindest ein tiefes Verständnis ausstrahlt für die Bedingungen unter denen er Politik
00:24:18: machen muss.
00:24:19: keine aggressiven öffentlichen Ausrutscher, kein nach außen getragener Führerkult.
00:24:24: Keine Uniform und betonte Anerkennung von internationalen Normen und der eigenen Vergangenheit
00:24:30: wie der des
00:24:30: Landes.".
00:24:31: Und das scheint durchaus Eindruck zu machen in den USA
00:24:35: wie hier.
00:24:37: Wer die wenigen Interviews in westlichen Medien aufmerksam verfolgt muss zudem feststellen, als Schacher wählt einen sehr interessanten und auch ungewöhnlichen politischen Fokus.
00:24:48: Er spart mit Pathos nationaler Erweckungsrhetorik und er betont seine eigene Rolle, und beton stattdessen ein ums andere Mal Policy.
00:24:57: Also konkrete Politikentscheidungen als den Schlüssel zum Verständnis von Syriens Vergangenheit,
00:25:03: aktueller Lage
00:25:04: und Zukunft – alles eine Frage von konkreten politischen
00:25:09: Entscheidungen,
00:25:10: Strukturen, Institutionen und rechtlicher
00:25:13: Ordnung.
00:25:14: Die verheerende Politik Europas unter USA nahe Osten?
00:25:17: Ah!
00:25:18: Policyfehler, die hoffentlich behoben werden.
00:25:21: Die vertade Lage Syrians, die Folge von schlechter Policy, die ersetzt werden muss und
00:25:27: immer so weiter.
00:25:29: Alshara spart also strategisch schlau an Vertreufelung alter Feinde und rhetorischer Fortsetzung alter
00:25:37: gerade ethnischer
00:25:38: Konflikte Und signalisiert damit dem westlichen Publikum, dass er sich als ehemaliger religiöser Extremist nun distanziert von Tribalismus und göttlicher Berufung.
00:25:49: Die vor rationaler Politik steht.
00:25:52: Und kritisiert damit aber gleichzeitig auch den Status quo
00:25:55: des
00:25:55: westlichen Verhältnisses
00:25:57: zu Syrien
00:25:58: und
00:25:58: der Region.
00:25:59: Jeder
00:26:00: Beobachter
00:26:01: müsse die Fehler der Vergangenheit einsehen Und nun eben seine Policy entsprechend anpassen, dann sei ein besseres Verhältnis und einen Aufschwung politisch wie wirtschaftlich
00:26:12: in der Region möglich.
00:26:14: Und daran müsse ja jeder der Beteiligten
00:26:17: eigentlich ein Interesse haben!
00:26:20: Die Grundhaltung ist also
00:26:21: durchaus herausfordernd,
00:26:22: denn sie unterstellt ein aufrichtiges Interesse des Westens an der Genesung Syrians und darüber hinaus dass historisch und auch akut keinesfalls so eindeutig ist.
00:26:33: Und nimmt dieses im Sinne der westlichen Werte
00:26:35: beim Wort.
00:26:37: Wenn ihr ein anderes Land sehen wollt, dann müsst ihr
00:26:40: die Policy der Vergangenheit
00:26:42: rational als fehlerhaft eingestehen.
00:26:44: So wie auch Alshara in Aussicht stellt, die Fehler in Syrien einzugestehen –
00:26:49: auch seine
00:26:50: persönlichen und diese daher nicht zu wiederholen, sondern nun bessere
00:26:54: Policy-Entscheidungen zu treffen.
00:26:56: Was sich als Erzählung natürlich nur allzu gut in seine persönliche Geschichte
00:27:02: einpassen lässt!
00:27:03: als abtrünniger Extremist und dann Präsident, der auf dem Weg dorthin rhetorik Persönlichkeitsmerkmale wie politische Entscheidungen
00:27:12: immer wieder radikal angepasst hat.
00:27:15: Eine schlaue Erzählung also die den Vorwurf des autoritären Alleinherschas geschickt konterkariert so als wäre er nur oberster Aufseher eines Prozesses der eigentlich gelenkt würde durch rationale
00:27:29: Policy Analyse.
00:27:31: Aber zumindest in Teilen zeigt sich über das geschickte Öffentlichkeits- wirksame Narrativ hinweg.
00:27:36: Tatsächlich auch schon in der Realität des Landes, gerade was die versprochene Öffnung
00:27:41: zur Kooperation mit dem Westen anbelangt.
00:27:43: Zum Beispiel in Form des Siemens-Steals für das Kraftwerk Dir Ali, der erst vor Kurzem unterzeichnet wurde.
00:27:49: ein wichtiges Signal für ausländische Investoren
00:27:52: dass Syrien
00:27:52: für Geschäfte offen ist und auch andere wirtschaftliche Kooperationen deutet zumindest eindeutig darauf hin dass Alshara sich nicht mehr vergleichen lässt mit vielen extremen Akteuren
00:28:03: in der Region und aus seiner eigenen Vergangenheit.
00:28:07: Das muss man dabei vielleicht noch mal betonen, ist neununddreißig Jahre alt.
00:28:13: Er kommt also aus einer ganz anderen Generation als die islamistischen Akteure früherer Zeiten.
00:28:19: Er hat den Islamismus
00:28:20: in der Region
00:28:21: aufsteigen sehen aber auch schon mehrfach scheitern und er ist offensichtlich nicht blind
00:28:27: für die globalen Machtverhältnisse.
00:28:29: Er weiß, welche arabischen Staaten sich in dieser Welt haben profilieren können und welche nicht.
00:28:35: Und er
00:28:35: weiß auch was da für nötig
00:28:37: ist.
00:28:37: Sein Typus entspricht daher weder dem eines Gaddafis noch dem eines
00:28:42: Assats
00:28:43: die sich immer irgendwie als eigenständige globale Machtakteure verstanden mit allem, was dazugehört.
00:28:50: Viel arabischen Pathos
00:28:51: oder
00:28:52: antikolonialen Narrativen – Mit sich in der Mitte eines Führerkurls der religiösen und ethnischen Populismus mit persönlicher Patronageverband.
00:29:02: Vielmehr erinnert das, was als Chara anstößt an
00:29:04: die Golfstaaten.
00:29:06: MBS-Saudis
00:29:07: Krohnprinz zum Beispiel eine ohne Frage brutale, autoritäre und skrupellose Figur
00:29:13: Aber
00:29:14: auch mit der Lernerfahrung,
00:29:15: dass
00:29:15: der Westen inklusive hunderttausender Touristen nur allzu leicht vergessen was ihnen am Islam und seinem Extremismus so ungeheuer ist wenn man in der Außenwirkungen nur einen politischen Fokus darauf legt
00:29:28: was
00:29:28: Europa und den USA wirklich
00:29:30: wichtig ist.
00:29:31: Abgrenzung und Bekämpfung des Terrorismus vor allem des iranischen Signale der gesellschaftlichen Liberalisierung und geschlechtlichen Gleichstellungen die die Akzeptanz zur Kooperation in den westlichen Gesellschaften steigern.
00:29:44: Gute wirtschaftliche Beziehungen, militärische Unterordnung und vor allem etwas Messigung und Anpassung auf der öffentlichen Bühne wenn es um die autoritären und extremeren Elemente der eigenen Staatsideologie
00:29:58: und Praxis geht.
00:30:00: Und nicht umsonst ist die Kooperation zwischen dem neuen Syrien und den Golfstaaten daher
00:30:05: auch besonders eng.
00:30:08: Al-Shara sieht also zumindest die einmalige Chance nach dem Machtwechsel im Land und der eigenen Transformation, die Differenzen zwischen Syrien und dem Westen auszuräumen.
00:30:18: Und er nutzt sie geschickt.
00:30:20: Schließlich zeigt nicht zuletzt das Gegenbeispiel Iran wie es auch laufen kann wenn man nicht bereit ist, Souveränität unter Streben nach regionaler
00:30:28: Macht aufzugeben.
00:30:29: Schon morgen könnten wieder
00:30:31: israelische
00:30:32: und amerikanische Bomben fallen.
00:30:35: Man selbst ist vielleicht tot!
00:30:37: Negativ auffallen sollte man also erst mal vermeiden, sei das durch die Behauptung eigener Souveränität oder auch sich zuspitzener interner Konflikte im Inneren.
00:30:47: Die von außen als Einladungen
00:30:48: verstanden werden könnten was ich die
00:30:50: letzten Monate
00:30:51: immer wieder
00:30:52: gezeigt hat gerade anhand der schweren ethnischen konflikte die sich ein ums andere Mal zu spitzen
00:30:58: so dass viele bereits weiter bürgerkrieg oder
00:31:00: gar genozid fürchteten.
00:31:02: Aber trotz hunderter weiterer Toda und diverser Schermützel, die große Explosion bleibt zumindest bisher aus.
00:31:10: Und Syrien damit ein Randthema was sich Ashara in dieser Hinsicht wohl nur wünschen
00:31:15: kann.
00:31:16: Dafür akzeptiert er auch weiterhin
00:31:18: die israelische
00:31:19: Besatzung
00:31:19: von Teilen des jüdischen Staatsgebiet
00:31:22: wie das Fortleben diverser Autonomiebestrebungen.
00:31:26: Er ist offensichtlich extrem bemüht darum, sein Image
00:31:29: gerade gegenüber
00:31:30: dem Westen
00:31:31: zu managen und zu befrieden.
00:31:33: Inklusive auch
00:31:34: seiner Personalentscheidung.
00:31:36: Safat
00:31:36: Raslan zum Beispiel auf dem wir später noch einmal kurz kommen ein ehemaliger Essener Banker der nun den syrischen Entwicklungsfonds unter Al-Sharas
00:31:45: direkter Autorität
00:31:46: leitet und wohl nicht zufällig einen Mann sich in Europa inzwischen
00:31:51: wohler führt als in Syrien.
00:31:53: Festheiten lässt sich also auch weiterhin Wenn vielleicht auch nur Gesten, das sind keine Gesten eines Mannes der einen theokratischen
00:32:01: Gottesstaat
00:32:02: aufbauen will und die nationale Souveränität und Macht behauptet.
00:32:06: In dem er zum Beispiel
00:32:07: eine Rally around deflag gegen die
00:32:09: alten
00:32:09: Feinde im Westen ausruft.
00:32:12: Und es gibt ein wissenschaftliches Konzept, dass dieses Verhalten geradezu optimal einfängt
00:32:17: und beschreibt.
00:32:19: Strategic
00:32:20: Moderation
00:32:21: oder auch auf Deutsch
00:32:22: strategische Messigung
00:32:24: Welche das Verhalten von Bewegungen oder politischen Akteuren beschreibt, die ihre Rhetorik und ihr öffentliches Auftreten mäßigen um damit Macht zu erlangen
00:32:33: oder sie zu konsolidieren.
00:32:35: Ohne dabei aber ihre grundlegenden Überzeugungen
00:32:38: zwingend zu ändern.
00:32:39: Ein Forschungsfeld, das inzwischen extrem gut erforscht ist.
00:32:43: Zum Beispiel durch
00:32:43: Kerry Wozefsky-Wickens
00:32:45: Arbeit über die ägyptische Muslimbrüderschaft, in der sich zeigt wie islamistische Bewegungen den Eintritt in politische Systeme als Lernprozess erfahren können, der dann auch tatsächliche echte ideologische
00:32:57: Veränderung auslöst.
00:32:59: Jillian Schwedler hat dasselbe für jordanische und immunitische Kontexte untersucht Und das Ergebnis dieser Studien und auch anderer ist dabei durchaus
00:33:08: noanziert
00:33:09: Denn manchmal ist strategische Messigung
00:33:11: eben genau das, taktisch und reversibel.
00:33:15: Manchmal aber auch der Einstieg in eine tatsächliche ideologische
00:33:20: Transformation.
00:33:21: Beides ist historisch belegt – und beides ist für Syrien auch
00:33:25: weiterhin denkbar!
00:33:26: Die
00:33:27: Frage «für Syrien» ist also nicht war Al-Sharah ein Islamist?
00:33:32: Denn die Antwort darauf ist bekannt und ja sie gibt sicherlich Aufschlüsse über ihn, ist sie
00:33:38: letztlich nicht zentral.
00:33:40: Denn die zentrale Frage ist,
00:33:42: was ist er
00:33:42: heute?
00:33:43: und vor allem in welche Richtung entwickelt er sich?
00:33:46: Und was sagen uns die Bedingungen unter denen er agiert darüber,
00:33:50: was wahrscheinlich ist?
00:33:52: Diese Bedingung sind weiterhin
00:33:54: komplex!
00:33:55: Alshara hat ein Land übernommen, das dreizehn Jahre lang von einer Diktatur.
00:33:59: Zerstört wurde in dem verschiedenen Milizen externe Akteure und regionale Mächte jahrelang ihre eigenen Agenten verfolgt haben – und das auch weiterhin tun!
00:34:08: Er braucht westliche Anerkennung und westliche Gelder bei Syrien ohne sie nicht wieder aufgebaut werden kann,
00:34:14: denn
00:34:14: die syrische Wirtschaft ist klein und die internen Ressourcen sind beschränkt Und die einzigen alternativen Geldgeber, nämlich die Golfstaaten und die Türkei knüpfen ihre Gelder
00:34:24: ebenfalls an Erwartungen.
00:34:31: Und er muss dabei gleichzeitig weiterhin
00:34:33: die Loyalität
00:34:34: seiner eigenen Kämpfe erhalten, von denen viele deutlich
00:34:38: radikaler
00:34:38: sind als er und die er nicht einfach ignorieren kann.
00:34:41: Weil sie weiterhin seine Machtbasis bilden auch in der neuen
00:34:45: syrischen Armee.
00:34:46: Er braucht zudem die sunnitische Mehrheitsbevölkerung, die nach dreizehn Jahren Bürgerkrieg vor allem eines will –
00:34:51: Ruhe,
00:34:52: Sicherheit, irgendeine Form wirtschaftlicher Perspektive.
00:34:56: Und zuletzt erbraucht die Minderheiten, Aliviten, Drußen und Christen Kurden entweder als Partner oder zumindest
00:35:04: keine aktiven Gegner.
00:35:06: Zumindest so sieht es weiterhin aus wenn er die Kontrolle über das gesamte
00:35:10: Staatsgebiet
00:35:10: halten will was ohne Frage nicht alternativlos ist sondern eine kritische
00:35:16: politische Entscheidung.
00:35:18: So oder so, aber das sind Sachzwänge die offensichtlich in alle Richtungen gleichzeitig ziehen.
00:35:22: Deshalb die neue syrische Führung auch immer mal wieder widersprüchlich
00:35:26: agiert
00:35:27: zwischen gemäßigten Gesten nach außen wie Gewalt nach innen, die in verschiedenen Teilen des
00:35:32: Landes weiter stattfindet
00:35:34: und auch diese kann man natürlich nicht ignorieren.
00:35:37: vielmehr zeigt sie die Bedeutung vielleicht der Schlüsselfrage an nämlich was für ein Staat Syrien
00:35:43: in Zukunft eigentlich sein soll Ein zentralistischer
00:35:46: Start mit Damaskus im Zentrum, wo sich die Macht bald oder eher ein föderalistisches Konstrukt mit größerer Autonomie seiner
00:35:54: Teile.
00:35:55: Alshara zeigt Tendenzen in beide Richtungen aber die Konflikte zeigen auch die Schwierigkeiten dabei eine tragbare Struktur zu finden nur allzu
00:36:03: deutlich.
00:36:04: So kommt es schon im vergangenen März, an der syrischen Küste zu massakern.
00:36:08: An der alevitischen
00:36:09: Minderheit nach verfügbaren Berichten mehrere hundert bis tausend Tote in wenigen Tagen
00:36:15: darunter viele Zivilisten
00:36:17: inklusive.
00:36:17: auch berichten über den ethnischen Charakter dieser Gewalt und auch Alshara streitet dies nicht ab.
00:36:24: er streitet lediglich ab dass
00:36:25: das von der Regierung
00:36:26: angeordnet war
00:36:29: Im Sommer von der Südsyrischen Provinz Suveida, hauptsächlich von der drusischen Minderheit bewohnt.
00:36:36: Im Herbst von dem Herbst zu dem Herb, eskalieren die Kämpfe mit der SDF im Norden und auch im Frühjahr zum Frühjahren.
00:36:47: Die Lage ist also
00:36:48: weiter extrem angespannt!
00:36:51: Das größte Konfliktwett in Syrien ist eindeutig das zwischen Minderheiten und Regime,
00:36:56: beziehungsweise der sunnitischen
00:36:57: Mehrheit.
00:36:58: Sei es gesellschaftlich oder
00:36:59: militärisch die bisher nicht aufgelöst werden konnten.
00:37:02: wenig verwunderlich haben doch auch diverse
00:37:05: Akteure
00:37:05: innerhalb der Minderheit eigene Machtpolitische Interessen.
00:37:08: Und auch mit Blick auf das regime muss man feststellen dass dieses zumindest und bisher keinen Abstand davon genommen hat, das
00:37:16: gesamte Land militärisch und politisch
00:37:18: zu konsolidieren.
00:37:19: Und dabei auch nicht vor der Konfrontation zurückschreckt oder diese zumindest nicht direkt versucht zu unterbinden, während es weiterhin stark
00:37:28: auf Machtkonzentrationen und Zentralisierung
00:37:30: setzt.".
00:37:31: Was aus Sicht des Machterheils- und rationalen Überlegungen nachvollziehbar ist ... Denn der dauerhafte
00:37:37: Verlust
00:37:37: diverser Schlüsseregionen und die Sprengkraft der Autonomiebestrebungen für ganz Syrien könnten Regime und dann dauerhaft schwächen.
00:37:46: Und auch den Wiederaufbau verkomplizieren oder gleich zum Alarm bringen.
00:37:50: Ebenso ist aber das Misstrauen gegenüber dem syrischen Regimen weiterhin nachvollziehbar, dass bisher noch nicht in der Lage oder willens ist sein Sicherheitsversprechen für alle
00:38:00: tatsächlich
00:38:00: zu garantieren eben so
00:38:02: wie wirtschaftliche Beteiligung.
00:38:04: Ob sich das auflösen lässt, ist abhängig von vielen Faktoren und diversen Entscheidungen aller Beteiligten.
00:38:11: Und vor allem auch der
00:38:12: Ressource Vertrauen,
00:38:14: die in Syrien knapp und von existenzieller Bedeutung ist für nationale Führungen
00:38:19: wie die Minderheiten.
00:38:21: Ashara steht damit vor einem klassischen
00:38:23: Transformationsdilemma,
00:38:24: dass die Politikwissenschaft aus vielen
00:38:26: anderen Kontexten kennt.
00:38:28: Er kann schlicht nicht
00:38:29: alles gleichzeitig
00:38:30: sein.
00:38:30: Verlässlicher Partner des Westens, Garant der Sicherheit für Minderheiten, noyaler Anführer seiner Kämpfer und auch noch Realpolitiker
00:38:37: der Syrien wirtschaftlich wiederaufbaut.
00:38:39: Denn diese Ziele stehen in Teilen
00:38:41: im Widerspruch zueinander.
00:38:43: An welchem Punkt er aber Kompromisse eingeht?
00:38:45: Und zugunsten welcher Gruppe
00:38:47: das ist die eigentliche Frage!
00:38:50: Die Treffnerweise und damit hat Ashara vollkommen recht, letztlich wohl auch in erheblichen Maße von konkreten aufwendig erarbeiteten Policy-Entscheidungen
00:39:00: abhängig ist.
00:39:01: Die bereits seit der Machtübernahme
00:39:02: in Form diverser Verträge zwischen Minderheitengruppen und dem Regime erprobt werden.
00:39:08: Und vermutlich auch noch, wenn es denn gut läuft eine ganze Weile große Kapazitäten des Regimes binden werden.
00:39:14: In quasi endlosen Verhandlungen während versucht wird ein tragbares Verhältnis zwischen wirtschaftlicher Beteiligung, Konsolidierung, Sicherheit und
00:39:23: Kontrolle zu etablieren.
00:39:25: Innerhalb dieses Prozesses gibt es bisher ebenso kleine Erfolge wie große Rückschritte.
00:39:31: Einen Schritt vor,
00:39:32: zwei zurück
00:39:32: könnte man sagen aber das ist wohl auch nicht verwunderlich und wirft einen Blick voraus
00:39:37: auf die Frage der Demokratisierung.
00:39:39: Denn wie bereits angerissen neben der Bedeutung der physischen Ressourcen sind dabei vor allem Vertrauen und Zeit – die essentiellen Ressoursen um die es die nächsten
00:39:49: Jahre gehen wird.
00:39:51: gewinnen, um Vertrauen zu etablieren und andersherum.
00:39:55: Denn nur so wird es möglich sein tatsächlich auch politische Prozesse zu etablieren und zum Beispiel auch Parteien zu entwickeln die sich zumindest nicht nur entlang alter
00:40:05: gerade
00:40:05: ethnischer Gräben formieren sondern neuer
00:40:08: syrischer Interessengruppen.
00:40:10: Und auf dem Weg dorthin gibt es eine Unzahl von Spannungen zu manövrieren und auch aufzulösen
00:40:17: Manche
00:40:17: davon intuitiver
00:40:18: als andere.
00:40:20: Ein konkretes Beispiel dafür
00:40:22: ist die Frage des Schulunterrichts.
00:40:24: Denn in den von Al-Sharra kontrollierten Gebieten wurde in den letzten Monaten hitzig über die
00:40:28: Ausgestaltung des Lehrplans
00:40:30: gestritten,
00:40:30: zum Beispiel über die Rolle des islamischen
00:40:32: Rechts,
00:40:33: über den Umgang
00:40:34: mit Fächern wie Musik oder Binderkunst und über Geschlechtertrennung
00:40:38: in Schulen.
00:40:40: Und die Signale sind auch hier bei diesem vermeintlich kleinen aber sehr relevanten Themenfeld extrem
00:40:46: gemischt.
00:40:47: So wird in manchen Schulen nach Geschlechtern getrennt, unterrichtet.
00:40:50: In anderen nicht!
00:40:51: In manchen Regionen werden Schulen für Mädchen ganz eingeschränkt – in anderen laufen
00:40:56: sie aber normal weiter.
00:40:58: Der Bürgermeister von Herr Raster zeigt dem Journalisten, worin zum Beispiel eine Schule in der Mädchen unterrichtelt werden, allerdings nach Geschlächtern Getrennt
00:41:06: weil es zu wenige Schulen gibt.
00:41:08: Dreiundfünfzig
00:41:08: Mädchen sitzen
00:41:09: in einem Klassenzimmer und dreißig sollten es sein.
00:41:13: Die Geschlechtertrennung spiegelt hier also vielleicht weniger tatsächliche gelebte islamistische Utopie, in Anführungsstrichen.
00:41:21: Denn
00:41:21: Pragmatismus – der Not geschuldet!
00:41:24: Vielleicht ist es aber auch beides und was es ist kann stark divergieren je nachdem
00:41:31: wo man hinguckt
00:41:32: Und das macht vielleicht auch gleich nochmal deutlich wie vieles noch in der Schwebe ist und letztlich von konkreten Akteuren vor Ort abhängt und natürlich auch ihren Möglichkeiten.
00:41:41: Und mitten, wenn es darum geht eine möglichst liberale
00:41:45: Gesellschaft zu gestalten.
00:41:47: Aber welche Möglichkeiten und Mitte sich dabei bieten ist wiederum im allergrößten Maße auch von außen abhängig also der Rolle der internationalen Gemeinschaft als strukturierenden
00:41:58: Akteur.
00:41:59: Denn Alshara's Verhalten ist natürlich nicht nur eine Funktion seiner eigenen Überzeugungen oder seiner Sachzwänge, es ist auch eine Reaktion auf das was
00:42:08: er von außen bekommt.
00:42:11: Aber wenn man Alsharra an konkreten Taten messen will dann gibt es inzwischen zumindest einen ersten konkreten Test nämlich die Ersten Parlamentsverein in Syrien nach dem Sturzersatz die am fünften Oktober
00:42:23: zwanzig fünfundzwanzig stattgefunden haben
00:42:25: und das Ergebnis ist Das muss man ehrlicherweise sagen, doch recht
00:42:29: ernüchternd.
00:42:30: So haben in den Provinzen Soweda, Raga und Hazaka mehr als ein Dritte der syrischen Bevölkerung gelebt, zum
00:42:38: Beispiel erst mal gar keine Wahl stattgefunden.
00:42:40: Die offizielle Begründungen Sicherheitsprobleme, die eigentliche Begründen aber ... diese Provincen erkennen die Regierung in Damaskus
00:42:49: grundsätzlich erst gar nicht an!
00:42:52: Die Sitze, die für diese Region vorgesehen waren bleiben daher bis heute leer.
00:42:56: Von den insgesamt zweihundertzehn Parlamentssitzen werden zudem siebzig direkt von Al-Sharah selbst besetzt.
00:43:02: Ein Drittel des gesamten Parlamens liegt also im persönlichen Ernennungsrecht
00:43:06: des Interimspräsidenten nicht unbedingt das demokratische Ideal.
00:43:11: Dazu kommt kurz vor den Wahlen hat Al-Shara per Dekret auch noch alle politischen Parteien
00:43:16: in Syrien aufgelöst
00:43:18: und zwar ... Alle, inklusive solcher die schon seit den Anfängen der
00:43:21: ehemaligen Syrischen Republik bestehen.
00:43:24: Die Badpartei
00:43:24: zum Beispiel, die Arabische Sozialistische Union, Nationalistische und linke Parteien, die teils
00:43:30: bereits Jahrzehnte
00:43:31: alt waren ohne öffentliche Konsultationen und
00:43:34: ohne Verfassungsbezug.
00:43:36: Kandidatinnen und Kandidaten, die nach dem Jahr für ein Amt kandidiert hatten.
00:43:40: Auch wenn sie Gegner des Assad-Regimes waren durften zudem auch nicht antreten.
00:43:45: Und eine vollständige transparente Liste, wer überhaupt zugelassen oder abgelehnt wurde existiert
00:43:51: bis heute nicht.
00:43:52: Was von den ersten Wahlen also erst mal bleibt ist de facto ein Parlament das ideologisch auf Linie
00:43:58: mit
00:43:58: der Übergangsregion liegt und in dem echte Opposition
00:44:02: strukturell offensichtlich nicht vorgesehen ist.
00:44:05: Der Frauenanteil liegt zudem bei vier Prozent,
00:44:07: dem niedrigsten Wert
00:44:09: seit
00:44:09: Jahrzehnten.
00:44:10: Übrigens niedriger als unter Assad der Frauen zumindest
00:44:13: als politische Fassade einsetzte.
00:44:15: Dafür ist es vor allem gefüllt mit Brusteliten.
00:44:18: Ärzte, Ingenieure, Ökonomen
00:44:20: haben die ehemaligen Arbeiter und Bauern verdrängt Die
00:44:23: jahrzehntelang das Rückgrat des Parlaments unter Assad bildeten
00:44:27: Kurden, Dosen alle Witten.
00:44:29: Christen hingegen Haben keine gewählten Vertreter sondern zugewiesene Menschen, die in den jeweiligen Gemeinschaften aber in der Regel kaum
00:44:37: eine Rolle spielen.
00:44:38: Von einer wirklich demokratischen Transformation kann also bisher
00:44:42: wohl kaum eine Rede sein.
00:44:45: und dennoch der Bertitzmann Transformationsindex verzeichnet für Syrien die größten Verbesserungen im Bereich politische Transformation unter allen hundertseinunddreißig
00:44:56: untersuchten Ländern.
00:44:57: Wie passt das zusammen?
00:45:00: Nun Erst mal ist das davon
00:45:02: abhängig von, wo man kommt.
00:45:04: Und das hat
00:45:04: tatsächlich dreizehn Jahre lang nichts in Sachen politische Transformationen.
00:45:08: Zum anderen zeigt es aber auch die Übergangsregierung ist zumindest bemüht, außenwirksam wieder politische Mechanismen und Institutionen zu etablieren wie zum Beispiel das Parlament und diese zumindest in Teilen auch wieder mit
00:45:21: Leben zu füllen.
00:45:22: Dabei ist augenscheinlich jeder dieser Prozesse gelenkt – das ist aber nicht ungewöhnlich!
00:45:27: Wir erinnern
00:45:28: uns zum Beispiel an Chavez, der gleichzeitig große Legitimität genoss und Institutionen proaktiv ausbaute.
00:45:35: Gleichzeitig aber auch immer schon eine Tendenz zu Autoritarismus oder zumindest
00:45:40: starker Zentralisierung zeigte.
00:45:42: Auch Alshara genießt großen Zuspruch
00:45:44: aus der sonitischen
00:45:45: Mehrheitsbevölkerung.
00:45:47: Angesichts eines Systems mit einer extrem geschwächten Opposition wäre es daher nur erwartbar, dass die Mehrheitsverhältnisse im Parlament auch mit offenen Wahlen
00:45:57: ehrlicherweise eh nicht ausfallen würden.
00:45:59: Allerdings könnten sie auch Fragmentierungen sichtbarer machen und politische Konflikte von außen ins Parlament tragen, und dieses damit
00:46:07: handlungsunfähig machen.
00:46:09: Die Etablierung von Demokratie wird in Syrien also ein langfristiges Unterfangen sein vielleicht irgendwann auch gegen Alshara aber dafür müssen sich die entsprechenden Strukturen überhaupt erst
00:46:19: wieder neu entwickeln
00:46:21: Und das ist ein Jahr nach dem Sturzassatz eigentlich
00:46:24: noch zu viel verlangt.
00:46:26: Denn der Transformationsindex zeigt wenig überraschend auch an.
00:46:30: Die Indikatoren für politisches Lernen, Versöhnung und Konsens
00:46:34: stagnieren.
00:46:35: Die Oberfläche verbessert sich also die Substanz
00:46:39: aber bisher kaum.
00:46:40: Insofern ist das neue politische System in Syrien bisher eher eine Art neues Branding denn ein tatsächlicher Neustart
00:46:48: der durch Ashara's autoritären
00:46:50: Machtzugriff auch sicherlich nicht einfacher wird.
00:46:52: Aber wenn dieser das Land zumindest stabilisiere, dann vielleicht doch über die kommenden fünf bis zehn Jahre tatsächlich
00:46:59: Realität werden könnte?
00:47:01: Bisher aber wird diese strategic moderation nicht von echter
00:47:05: demokratischer Accountability begleitet.
00:47:08: Es ist vielmehr politische Transformation als Machtkonzentration unter
00:47:11: gemiesigteren
00:47:12: Vorzeichen.
00:47:13: Aber ob das
00:47:14: ein Dauerzustand ist oder nur eine Übergangsphase, die vielleicht noch etwas länger andauert.
00:47:20: Die aber tatsächlich irgendwann in echte demokratische Institutionen mündet hängt nicht nur von Alshara
00:47:27: ab
00:47:27: sondern auch davon welche Bedingungen
00:47:30: externe Akteure an ihre Unterstützung knüpfen
00:47:33: im Fall von Syrien vielleicht stärker
00:47:35: als irgendwo sonst was uns zur Rolle Deutschlands und auch Europas bringt.
00:47:40: Denn wenn Europa Nur mal so eine Idee signalisiert, dass es z.B.
00:47:47: primär an Rückführungen interessiert ist und wieder Aufbaugelder entsprechend konditioniert setzt das zwar Anreize
00:47:54: dafür
00:47:54: irgendwie hunderttausende Syrer innen unterzubringen ohne dass einem das
00:47:58: Land dabei
00:47:59: im Bestfall um die Ohren fliegt aber nicht unbedingt für eine umfassende
00:48:03: Transformation.
00:48:04: Selbst wenn der Westen hingegen klare, messbare Bedingungen stellt.
00:48:08: Also Minderheitenschutz, unabhängige
00:48:10: Justiz
00:48:11: oder Pressefreiheit und diese mit konkreten Ressourcen verknüpft setzt das zwar vielleicht andere Anreize aber die müssten dann auch immer ins Verhältnis gesetzt werden zu den Anreizen oder auch Drogen, die vielleicht die Türkei
00:48:24: oder die Golfstaaten zu
00:48:25: bieten haben Und natürlich auch den Forderung und Erwartungen aus der syrischen
00:48:30: Mehrheitsgesellschaft Auch das für
00:48:33: Postkonfliktzonen nicht ungewöhnlich hat in der
00:48:36: Regel erst mal unmittelbarere
00:48:38: Sorgen, Nöte und Wünsche als politischen Austausch auf Kosten
00:48:42: der Stabilität und wirtschaftlichen Restauration.
00:48:45: Der Charakter
00:48:46: des syrischen Regimes wird also im größten Maße davon abhängig sein welches Verhältnis der Interessen von außen sich etabliert und
00:48:55: wie das Regime diese managt.
00:49:03: Was bedeutet in diesem Kontext
00:49:05: also
00:49:05: Wiederaufbau?
00:49:07: Die guten Nachrichten, die wir schon kennen.
00:49:09: Zuerst ...
00:49:15: Denn selbst wenn man meint der Westen sollte in keinster Weise mit Jihadisten zusammenarbeiten waren diese Sanktionen ja erstens eine konkrete Reaktion auf Verbrechen und Stuhlersatz.
00:49:27: Sie beizubehalten käme also einer ungerechtfertigten Kollektivbestrafung gleich die Akteure für Handlungen bestraft, die sie nicht begangen haben.
00:49:36: Und zweitens, unter Beibehaltung der Sanktionen gibt es gar keine Chance auf Wiederaufbau.
00:49:42: Weder unter diesem Regime noch einem
00:49:45: anderen.
00:49:46: Die Sanktsion beizubehalten käme also der Entscheidung gleich die syrische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit zwingend zu weiteren Elenden zu verdammeln weil man diesem Regimen die Chance verwehrt
00:49:58: aber damit wohl
00:49:59: auch jedem anderen das folgen würde und dann einer wohl noch dramatisch zugespitzeren
00:50:04: Lage.
00:50:05: Die Sanktionen aufzuheben ist also nur folgerichtig und hat weitreichende Auswirkungen.
00:50:10: Der CISA Act, der seit Jahrzehnte ausländische Investitionen praktisch unmöglich gemacht hat, wurde weitgehend ausgesetzt
00:50:17: – die EU
00:50:17: ist gefolgt – und das öffnet
00:50:19: die Türen
00:50:20: für internationale Wirtschaftsbeziehungen, die vorher schlicht
00:50:23: nicht existieren konnten.
00:50:25: Der Siemens-Steal
00:50:26: für das Kraftwerk Dialli ist dafür ein konkretes und symbolisch wichtiges
00:50:31: erstes Beispiel
00:50:32: Denn Syrien braucht neben viel im anderen, vor allem auch Strom.
00:50:36: Verlässlicher Strom ist schließlich die Voraussetzung für fast jede wirtschaftliche Aktivität von der Fabrik über das Krankenhaus
00:50:43: bis hin
00:50:44: zur Schule und die Kooperation mit einem deutschen Unternehmen in dieser Größenordnung sendet ein Signal an andere potenzielle Investoren dass Syrien für Geschäfte
00:50:54: offen
00:50:55: und auch rechtlich stabil genug dafür
00:50:56: ist
00:50:57: Und auch wenn Siemens davon natürlich hofft, finanziell zu profitieren.
00:51:01: Es ist am Ende ein Geschäft
00:51:02: keinem
00:51:03: Wohltat!
00:51:04: Wenn Syrien sich wirtschaftlich stabilisieren soll, dann besteht akut keine Alternative dazu das Know-how von außen
00:51:11: einzukaufen
00:51:13: und man muss ehrlicherweise eher froh sein dass hier Unternehmen vorangehen und sich diese Geschäfte trotz aller finanziellen und politischen Risiken zutrauen Und die Signale zur wirtschaftlichen Öffnung hier nicht einfach verhallen wie an so vielen
00:51:28: anderen
00:51:28: Orten.
00:51:29: Gleichzeitig gibt es aber auch eine tiefe Diskrepanz zwischen den Ländern, die bereit sind zu investieren und dem was Syrien
00:51:36: tatsächlich braucht.
00:51:37: Die Golfstaaten Saudi-Arabien, die vereinigten arabischen Emirate zum Beispiel sind erheblich aktiver
00:51:43: als Europa.
00:51:44: Sie haben Normalisierungsschritte eingeleitet und sondieren langwierige wirtschaftliche Partnerschaften, die sich aber natürlich vor allem an ihren geopolitischen Interessen orientieren.
00:51:55: Was eine Stabilität des Landes beinhaltet, aber nicht unbedingt eine politische Liberalisierung, die eher
00:52:02: unsicher scheint.
00:52:03: Europa hingegen zögert mehrheitlich
00:52:05: weiter.
00:52:06: Das liegt zum Teil an risidialen Sicherheitsbedenken, zum Teil in Bürokratie, Und das ist das Relevanteste für diese Folge, aber auch an innenpolitischen Dynamiken die Syrien in erster Linie als Migrations- und nicht
00:52:20: als
00:52:20: Entwicklungsfrage betrachten.
00:52:22: Wozu wir dann gleich kommen?
00:52:24: Aber dem ist natürlich die Frage vorgelagert was
00:52:27: braucht Syrien eigentlich wirklich?
00:52:30: Die Antwort ist geradezu erschlagend.
00:52:33: in ihrer Breite
00:52:34: denn eigentlich alles!
00:52:36: Das
00:52:37: am besten auf einmal Angefangen bei
00:52:40: Acuta-Hungerhilfe, Wohnraum für die eine Million Menschen in Zeltstätten.
00:52:44: Wasser und Strom verlässlich sauber in ausreichender Menge nicht stundenweise sondern durchgehend.
00:52:50: Und dafür braucht es
00:52:51: natürlich
00:52:52: Infrastruktur.
00:52:53: Es braucht zu den Schulen von denen viele zerstört oder beschädigt sind.
00:52:56: Krankenhäuser und oft vergessen aber extrem relevant Governance Institutionen in Verwaltung und politische
00:53:03: Strukturen
00:53:04: von der Ausbildung über das Büro bis hin zu Bürokratie- und
00:53:08: Verwaltungssystem.
00:53:10: Und dass alles trägt dann bitte auch noch zu einem Gesamtsystem bei, das ebenso verlässlich Steuern aufbringt wie ein rechenschaftliches politisches und rechtliches System schafft, das für
00:53:21: alle gilt –
00:53:22: Alles in einem Land dessen Durchschnittslohn ein Dritte des Grundbedarfs deckt bisher und das aktuell neunzig Prozent
00:53:30: seiner Bevölkerung unter der Armutsgrenze hat!
00:53:33: Breitet man das einmal kurz so aus, wird direkt klar.
00:53:36: Der Begriff Wiederaufbau
00:53:39: führt hier eigentlich
00:53:40: ins Leere
00:53:41: und verzerrt
00:53:42: jede folgende Debatte Denn er suggeriert Syrien müsste nur quasi den Logiken eines Aufbauspiels entsprechend entlang eines klaren Fahrplans von Produktionsketten alte Ruinen sanieren Und dann kommt die Wirtschaft schon
00:53:56: wieder in Schwung.
00:53:57: Ein Gedanke, der in seiner ganzen Naivität gerade in Deutschland weit verbreitet ist.
00:54:02: Denn wie schon angerissen
00:54:03: für viele
00:54:04: Deutsche ist der Bezugspunkt Kriegszerstörung und Wiederaufbau natürlich die eigene historische Erfahrung.
00:54:10: Und das ist die
00:54:11: eines internationalen wirtschaftlichen
00:54:13: Schwergewichts
00:54:14: inklusive eines
00:54:15: Verwaltungsstaates dessen physische Strukturen im Zuge des Zweiten Weltkrieges zwar ebenfalls zerstört wurden Aber tatsächlich in vielen Fällen nur neu errichtet, nicht neu entwickelt werden mussten.
00:54:27: Und das alles auch noch in einer internationalen Gesamtlage, in der um Deutschland nicht nur gebuhlt wurde sondern die in Folge internationaler Zerstörung auch geprägt war von einer gesamtwestlichen verschränkten massiven
00:54:41: Wachstumsphase in der die deutsche Industrie schnell
00:54:44: wieder aufsteht
00:54:45: und Europa dominieren konnte.
00:54:47: Das trifft auf Syrien und seine Lage aber ganz
00:54:50: offensichtlich nicht zu
00:54:52: in einer wackeligen Region immer am Rand des Chaos, nicht im Zentrum westlicher Industriedominanz sondern an dessen Peripherie
00:54:59: und nicht etwa geprägt
00:55:00: von fünf Jahren intensiven Krieg den viele staatliche und verwalterische Strukturen relativ unbeschadet überstanden.
00:55:08: Sondern von über zehn Jahren Bürgerkrieg die anschließen an ein bereits zerfallenes und
00:55:14: wenig effizentes
00:55:15: staatliches Konstrukt.
00:55:17: Die Ausgangsbedingungen sind also komplett andere, und so trifft es auch das Narrativ vom Wiederaufbau eigentlich
00:55:23: kaum.
00:55:24: Denn Treffner wäre einfach
00:55:26: aufbauen.
00:55:28: Das macht aber eben direkt klar ...
00:55:30: Es gibt hier keinen Fahrplan!
00:55:32: Das Land
00:55:33: muss sich in einer weiterhin vom Krieg geprägten Region abhängig von außen aus dem Schatten seiner Geschichte herausentwickeln
00:55:40: Und selbst die optimistischen
00:55:42: Erwartungen sind daher eher verhalten, denn das ist schlicht eine kaum zu bewältigende
00:55:46: Aufgabe.
00:55:47: Zumal da alles eigentlich gleichzeitig passieren muss sich in vielen Fällen Problemfelder überlagern und
00:55:53: gegenseitig blockieren.
00:55:55: So mangelt es an verwalterischen Strukturen um geordnete Infrastruktur zu entwickeln.
00:55:59: Es mangelt an Infrastruktur zur wirtschaftlichen Entwicklung.
00:56:02: Gleichzeitig mangelt man Personal mit Know-how Und es auszubilden, scheitert wiederum nur allzu leicht an weiterer Gewalt und dem mangelnden Ausbildungssystem.
00:56:11: Aber um das zu etablieren braucht es eigentlich erst mal Perspektiven neben der Gewalt.
00:56:16: Dafür braucht es wirtschaftliche Möglichkeiten immer so
00:56:19: weiter und sofort.
00:56:21: Das ist also nicht nur eine Frage von Mitteln sondern auch Strategien.
00:56:25: Wie baut man Staat?
00:56:27: Was muss gefördert werden?
00:56:28: wie lassen sich Effekte nutzen und ausweiten?
00:56:32: wo muss überhaupt zuerst angesetzt werden?
00:56:34: Alles Fragen, in deren Beantwortung die internationalen Institutionen und auch Geberländer selbst
00:56:41: eher schlecht sind.
00:56:43: Und die neben akuten Versorgungsfragen nur allzu leicht aufgegeben und vergessen werden.
00:56:48: zu komplex, zu weit entfernt – in der Zukunft zu unklare Verantwortlichkeiten
00:56:53: und Kompetenzen.
00:56:55: Nicht weil es per se an Wissen mangelt
00:56:57: sondern
00:56:58: an dessen konsequenter Übertragung.
00:57:00: Statebuilding ist ein hochkompliziertes Unterfangen wenig zuletzt das Scheitern des Westens
00:57:06: in Afghanistan
00:57:07: eindrücklich gezeigt hat.
00:57:08: und auch wenn die Bedingungen in Syrien andere sind,
00:57:11: die Grundprobleme bleiben.
00:57:14: Effizientes Handeln erfordert Kontrolle gemeinsam Willen – die richtigen Entscheidungen zur rechten Zeit, die positive Effekte nutzen und negative Abfedern.
00:57:24: aber das überfordert selbst bei vorhandenen Willen in der Regel die Kapazitäten
00:57:28: der Collective Action
00:57:30: zwischen diversen Gebern und Empfängern.
00:57:33: Und selbst der Wille scheint nicht nur mit Blick auf Syrien, wie schon vielfach besprochen heute eigentlich
00:57:39: geringer denn je.
00:57:40: Denn die bisherigen Mitte, die geflossen sind, sind ein Tropfen auf den heißen Stein.
00:57:45: In der Form, wie sie eintreffen, reichen Sie
00:57:47: bei Weitem
00:57:47: nicht.".
00:57:49: Das ist auch die Haltung der UN- und Ihres Hilfswerks, die zwar versuchen in Syrien Hilfe zu leisten, deren Anforderungen aber von den Gebern Schon lange nicht mehr gedeckt werden.
00:57:59: und auch die direkten Hilfen.
00:58:00: Deutschland hat schon vor einem Jahr erst dreihundert Millionen Euro angekündigt, die EU immerhin sechshundvierzig Millionen also zusammen knapp eine Milliarde stehen weiter aus bzw fließen so langsam durch die Bürokratie
00:58:14: das nicht mit ihnen kalkuliert werden kann.
00:58:17: Wir erinnern uns!
00:58:18: Die Vereinten Nationen schätzen, dass der physische Wiederaufbau Syriens zwischen zweihundertfünfzig und vierhundert Milliarden US-Dollar kosten
00:58:27: wird.
00:58:28: Das ist mehr als das Zehnfache des gesamten deutschen Entwicklungsbudgets
00:58:31: eines Jahres.
00:58:33: Es ist also bereits klar, dass diese Summe nicht aus einem einzigen
00:58:36: Topf
00:58:36: kommen kann – auch WURT!
00:58:38: Sie braucht private Investitionen, internationale Institutionen, bilaterale Geldgeber und eigentlich auch schon eine funktionierende syrische Wirtschaft.
00:58:47: Die selbst Einnahmen generiert was wiederum Rechtssicherheit für Investoren, verlässliche Energieversorgung, funktionierender Logistik und ausgebildete
00:58:55: Fachkräfte voraussetzt.
00:58:57: aber das allein wird vermutlich auch nicht reichen denn damit dass überhaupt in Gang kommt braucht es eigentlich erstmal politische Lenkung
00:59:05: und Anschub.
00:59:06: Die Bundesregierung und andere müssten also Investitionen absichern.
00:59:11: Und noch viel wichtiger, sie müssen selbst über ihre direkte Hilfe vermitteln, dass diese auch eine realistische
00:59:17: Zukunft haben.
00:59:19: Was nun bedauerlicherweise auf einen Diskurs und eine Politikverschiebung in Sachen Entwicklungspolitik im Westen trifft, die wir hier schon einmal angerissen haben und die heute noch
00:59:29: einmal zentral werden wird.
00:59:31: Nämlich den
00:59:32: westlichen Rückzug aus der Entwicklungspolitik wie die neuen OECD-Zahlen aus diesem April
00:59:37: eindrücklich vermitteln.
00:59:39: Denn sie befinden
00:59:40: sich seit Jahren im freien Fall
00:59:42: und sind gerade
00:59:43: auf einem neuen
00:59:44: Allzeit-Tief angekommen,
00:59:45: was auch für Deutschland gilt – auch wenn vielfach vor allem reportiert wird, dass Deutschland
00:59:50: nun der größte Geber ist!
00:59:52: Denn auch die Bundesregierung hat das Budget des Entwicklungsministeriums in drei aufeinander folgenden Jahren still und heimlich von elf Komma zwei auf inzwischen nur noch zehn Milliarden
01:00:02: Euro gesenkt.
01:00:04: Weitere Kürzungen nur wahrscheinlich und im Entwicklungsministerium wird
01:00:08: man sich auch schon gar nicht mehr dagegen.
01:00:09: Und keine Sorge,
01:00:11: ich stelle euch jetzt nicht die sehr gemeine Frage wer das eigentlich gerade führt aber ich glaube die Tatsache dass wir alle spontan nicht die Antwort wissen verrät einiges über den Stellenwert
01:00:20: der Entwicklungspolitik in Deutschland.
01:00:22: aktuell
01:00:24: Die Sanktionsaufhebung signalisieren also Das Investitionen schon möglich sein sollen.
01:00:30: die Haushaltspolitik signalisiert gleichzeitig aber dass man selbst eigentlich nicht bereit ist, in irgendeinem ernsthaften
01:00:38: Umfang zu investieren.
01:00:40: Und damit folgt auch Deutschland ein internationalen Trend der wieder vor allem von innenpolitischen Überlegungen
01:00:46: dominiert wird – dem Vertrauensverlust
01:00:49: in die Entwicklungspolitik auf der einen und der gezielten politischen Delegitimierung auf der anderen von der AfD bis tief hinein in die CDU und
01:00:59: teilt es darüber hinaus.
01:01:01: Der Kampf um Unterstützung bedeutet, also auch hier sich
01:01:04: mit europäischen
01:01:05: Befindlichkeiten anzulegen.
01:01:07: Für Syrien wie für jede Bundesregierung die es ernst meint und für März besonders ungünstig selbst wenn er wollte ist sein zunehmend Trampesker Führungskader doch genau auf dem Trip wie die Nachbarn in Übersee das Entwicklungspolitik sowas wie der kleine nutzlose Bruder der bösen progressiven Migrationspolitik
01:01:27: ist.
01:01:28: Hierweisen politische Behauptungen und Realität also in unterschiedliche
01:01:32: Richtungen.
01:01:33: Was die deutsche Bevölkerung übrigens extrem verwirrt, die in Umfragen regelmäßig paradoxer Aussagen über die Entwicklungspolitik
01:01:41: zum Besten geben.
01:01:42: Eine Mehrheit will weniger
01:01:43: kosten aber mehr müsste für die internationale Gesundheit getan werden.
01:01:47: Vielleicht sind die Kosten doch angemessen, aber falsch verteilt?
01:01:51: Wohin falsch verteilte?
01:01:52: keine Ahnung, Radwege im Peru oder so ... Vermutlich ließen sich also sogar wieder Mehrheiten für mehr Entwicklungspolitik finden, aber der Diskurs wird
01:02:02: eben vor allem dominiert von den lauten
01:02:03: Stimmen dagegen und das
01:02:05: zeigt sich
01:02:05: dann auch in
01:02:06: den Umfragen.
01:02:07: Noch drastischer wird es aber wenn man dem Blick einmal von der Frage der Mittel weg hin zu den Menschen verschiebt die die Mitte erhalten oder vor allem auch nutzen
01:02:15: soll.
01:02:16: Denn die personelle Dimension ist noch um ein vielfaches Komplexer und extrem ambivalent und auch widersprüchlich.
01:02:23: So hatte Syrien vor dem Bürgerkrieg zum Beispiel ein für die Region ausgesprochenen funktionables Gesundheitssystem, das nun aber in weiten Teilen wenig
01:02:32: überraschend zusammengebrochen ist.
01:02:34: Sowohl physisch als
01:02:35: auch personell.
01:02:36: Nach Angaben der syrischen Übergangsregierung gibt es dafür heute in Deutschland rund sechstausend Ärztinnen und Ärzte mit
01:02:45: syrischer Herkunft.
01:02:46: In deutschen Kliniken stellen syrische MedizinerInnen damit die größte Gruppe austernischer Ärzten
01:02:52: überhaupt.
01:02:53: Dazu kommen nach Angaben des Deutschen Arbeitsministeriums zudem Zehntausend dreihundert Beschäftigte in Kranken- und Altenpflege.
01:02:59: Und insgesamt arbeiten knapp dreihunderttausend syrische Staatsangehörige ins System
01:03:04: relevanten Berufen in Deutschland,
01:03:06: Bereiche, in denen es nach Angabe der Bundesagentur für Arbeit
01:03:09: erheblichen Fachkräftemangel gibt.
01:03:12: Aber was hier an Fachkräftigmangel gilt,
01:03:15: geht natürlich
01:03:15: dreifach für Syrien
01:03:17: selbst.
01:03:18: Was zwangsläufig ... direkt die diversen Widersprüche zwischen den Interessen der Länder, aber auch innerhalb des behaupteten Aufbau- Narrativs des
01:03:28: Kanzlers aufmacht.
01:03:29: Denn ehrlicherweise müsste man zunächst ja eigentlich sagen... naja wenn dann sind das ja eigentlich genau die Menschen, die Syrien jetzt braucht vergleichsweise verschont durch die vergangenen Jahre des Bürgerkriegs in vielen Fällen in Europa ausgebildet, hier strukturell und persönlich an die Arbeit in einem funktionsfähigen Gesundheitssystem gewöhnt.
01:03:51: Und daran
01:03:51: erprobt.".
01:03:52: Genau diese möchte aber auch Merz natürlich eigentlich aus den genannten Gründen gerade nicht zurückschicken
01:03:58: – selbst wenn
01:03:59: er es mit seiner Achtzig-Prozent-Aussage
01:04:01: faktisch behauptet!
01:04:03: Vielmehr Anstatt das eigene Gesundheitssystem an der empfindlichsten Stelle zu treffen, soll kalt rational kalkulieren dass kaum existente syrische Gesundheitssystem überlastet werden.
01:04:16: Denn es wäre die schlichte Konsequenz eines, und ich überspitze hier bewusst im eigentlichen Sinne Menschenhandels der eben nicht allen einfach die erwünschte Rückkehr ermöglicht sondern eigentlich rational aussortieren will nach volkswirtschaftlicher Verwertbarkeit.
01:04:31: Und die mit den geringsten beruflichen Perspektiven dann einem System anverantwortet das weit geringere Möglichkeiten hat Chancen zu schaffen als Deutschland
01:04:40: Während man aus der deutschen
01:04:42: Perspektive genau weiß, dass man jenen die in Syrien eigentlich den neuen Pulk medizinisch versorgen müssten.
01:04:49: Ein viel besseres Angebot machen kann als das Experiment.
01:04:52: Armut in einem zerstörten Land
01:04:54: Das ist der perverse Kernwiderspruch einer Erzählung von den Syran, die mal ihr eigenes Land aufbauen sollen.
01:05:02: aber eben bitte nur die,
01:05:03: die gerade nicht mit ihrer Arbeitskraft deutschen Wohlstand erhalten
01:05:07: Wohlwissend
01:05:07: um die deutsche Wettbewerbsdominanz
01:05:09: in diesem Nullsummspiel.
01:05:11: Aus deutscher Perspektive ist das nur rational, aus Syrischer ganz egal wer das regiert.
01:05:16: aber ein logischer Widerspruch wenn es um die Kooperation
01:05:20: mit Europa geht.
01:05:22: und dieser Widerspruch zieht sich von der Makro bis in die Mikroebene und ist mit weiteren Widersprüchen verbunden die dieses
01:05:29: Nullsommspiel erzeugt.
01:05:31: Denn
01:05:31: für den oder die einzelne, die vielleicht wie viele Doppelpessler zwischen den Identitäten schwankt und der alten Heimat noch mal eine Chance geben will.
01:05:40: Oder sich selbstlos einbringen in den Wiederaufbau mit der hier erworbenen Kompetenz oder auch nur die zurückgebliebene Familie versorgen möchte zeigt das implizite Signal der Bundesregierung ja eigentlich in eine
01:05:53: deutlich andere Richtung.
01:05:54: Wir interessieren uns nicht dafür was ihr braucht sondern was uns nützt und wenn euch das in eine
01:06:01: weitere Krise stürzt.
01:06:03: Aber wer soll sich angesichts dessen an einem Experiment beteiligen, dass von außen ja damit eigentlich
01:06:09: politisch
01:06:10: schon zum
01:06:10: Scheitern verurteilt wird?
01:06:12: Man muss also berechtigterweise nicht nur fürchten für den eigenen Einsatz mit dem Leben im überforderten System belohnt sondern auch noch weiter vom Außen überfordert
01:06:21: zu werden.
01:06:24: Zynischer Weise schließt es sich in der politischen Strategie Deutschlands aber damit ein zumindest oberflächlich rationaler
01:06:31: Kreis.
01:06:32: Man schickt diejenigen ohne Perspektive zurück und das hält diejenigen, die in Deutschland etwas zu verlieren haben gleichzeitig davon ab sich Hoffnung zu machen.
01:06:42: mit ihnen könnte das Experiment vielleicht doch noch gelingen.
01:06:46: Wenn man so will hat Deutschland also zumindest auch Ein volkswirtschaftliches Teilinteresse am weiteren Island im Land
01:06:54: Auch wenn es keiner hier ausspricht
01:06:56: Auch wenn ich persönlich dabei nicht glaube, dass die Bundesregierung tatsächlich bewusst so zielorientiert agiert.
01:07:02: Auch wenn es verwunderlich wäre, wenn ihnen die Konsequenz der eigenen Behauptungen anders als
01:07:06: uns entgehen würde.
01:07:07: Zumal diese Strategie auch noch
01:07:09: einen weiteren Widerspruch aufmacht
01:07:11: Denn zum Einen und daran besteht kein Zweifel will niemand in Europa ein erneutes zerfallenes Syrien was miterklärt warum Alshara so viel wohl
01:07:21: wollen entgegenschlägt
01:07:22: ja ein eindeutiges gesamtsyrisches Versprechen
01:07:24: anzubieten hat.
01:07:26: Der Schock von zwei Tausend Fünfzehn hat die europäische Politik nachträglich
01:07:29: verschoben.
01:07:30: Und auch, wenn man sich seitdem weit besser fabrikadiert hat, die Angst vor einem erneuten Schock bleibt
01:07:35: –
01:07:36: zumal dieser auch bedeuten könnte, dass es gar kein Gegenüber mehr gibt mit dem man Überrückführung
01:07:41: verhandeln könnte!
01:07:43: Ein zerfallenes Syrien kontakariert also auch die vermeintliche migrationspolitische Beruhigung nach innen und alle Achtzig-, Sechzig- oder Dreißigprozentpläne.
01:07:53: Gleichzeitig droht aber eben auch diese Beruhigung, wenn man markige rhetorische Ausbrüche tatsächlich migrationspolitisch aktiv in die Tat umsetzen will.
01:08:02: Die Stabilität in
01:08:03: Syrien genauso zu gefährden.
01:08:06: Man sitzt ja also in einem sehr dummen und zumindest in Teilen
01:08:10: selbst gemachten Dilemma.
01:08:12: Denn eigentlich weist alles bis auf die Tatsache, dass man einen vermeintlichen Volkswillen beruhigen muss, rational weg von Quotenzielen
01:08:22: alle Achtzig Prozent Rückkehr.
01:08:24: Die Lage gestaltet sich, also sagen wir mal schwierig für unseren Außen- wie Innenkanzler
01:08:31: in Personalunion.
01:08:33: Und das scheint sogar der syrischen
01:08:35: Führung bewusst!
01:08:36: allen voran Savard Rastlan gerade schon einmal kurz erwähnt.
01:08:40: Nehmen wir an der Stelle aber vielleicht noch mal etwas intensiver vorstellen, weil er in Persona auch deutlich macht welche Bedeutung die neue syrische Führung grade Deutschland als möglichen Partner zukommen lässt und wie eng die persönlichen und politischen Verbindungen zwischen den Ländern inzwischen sind was diese proaktiv versucht in ihrem eigenen
01:08:58: Sinne zu nutzen.
01:08:59: Rastvan arbeitete vor dem Bürgerkrieg in führender
01:09:02: Position bei einer Bank in Aleppo.
01:09:04: Er und seine Familie flohen aus
01:09:06: Deutschland.
01:09:08: Wie viele fand er sich dann zunächst in Essen wieder?
01:09:12: Lernte aber Deutsch,
01:09:13: machte ein Integrationskurs und
01:09:15: arbeitete hoch.
01:09:17: Zunächst als Praktikant
01:09:18: bei einer Volksbank,
01:09:20: über besser dotierte
01:09:21: Stellen,
01:09:21: Jobs in Banken-
01:09:22: und Unternehmensberatung bis Ende im Jahr zu einem Vertrag
01:09:27: bei der deutschen Apotheker- und Ärztebank.
01:09:29: Zehn Jahre extremer Einsatz, persönliche Entbehrungen ... Aber auch der persönliche Erfolg, sich von ganz unten wieder
01:09:36: nach oben gearbeitet
01:09:37: zu haben.
01:09:38: Inklusive inzwischen dem Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit.
01:09:43: Aber das vielleicht bemerkenswerteste?
01:09:45: Nach dem Sturzersatz ist er einer der Ersten, die zurückkehrt und seit September zwanzig-fünfundzwanzig ist der Chef des syrischen Entwicklungsfonds direkt dem Übergangspräsidenten unterstellt
01:09:56: eine
01:09:57: Funktion, in der er Alshara natürlich auch nach
01:09:59: Berlin begleitet hat.
01:10:01: Rastan ist also eine Art ... ein lebendes Beispiel für die Komplexität syrischer Fluchgeschichten.
01:10:07: Und wenn man so will, auch ein Erfolg für
01:10:09: beide Seiten.
01:10:10: Ein Mensch der sich den deutschen Befindlichkeiten entsprechend vollumfänglich eingebracht hat aber nun zurückgekehrt ist
01:10:17: mit seinem Know-how
01:10:18: um das Land wieder aufzubauen und zu gestalten.
01:10:21: Vielleicht sogar im Sinne deutscher Interessen oder zumindest der Erfahrung mit dem
01:10:25: deutschen Staatswesen.
01:10:27: Rassmann weiß also aus allen Perspektiven Was es bedeutet, Deutscher wie Syrer zu sein zwischen dem Leben hier und dort zu wählen.
01:10:36: Und welche Fragen das gerade auch für den oder
01:10:38: die Einzelne
01:10:39: mit sich bringt?
01:10:40: Er ist ohne Frage eine Autorität auf dem Feld der man schwerlich widersprechen kann aber er weiß daher vielleicht auch besser als jeder andere und wird nicht müde es zu betonen Sein Lebensweg
01:10:53: ist die
01:10:53: Ausnahme und kein realistisches Ziel für den einzelnen
01:10:57: Wie für die Politik hier und Dort.
01:10:59: Ganz im Gegenteil, wie er selbst gesagt hat.
01:11:03: Es könnte vielleicht der größte Fehler überhaupt sein, ihn als Musterbeispiel zu sehen, während bisher kaum Mittel in Aufbau geflossen sind und über eine Million Syrerinnen
01:11:13: noch in Zeltstätten leben.
01:11:15: Auch Alshara hat sich bei seinem Auftritt in London
01:11:17: ähnlich geäußert.
01:11:19: Er könne den Menschen nicht sagen sie sollten einfach in Flugzeuge steigen oder nach Hause fliegen – denn der Migrationsschock wäre quasi
01:11:26: vorprogrammiert!
01:11:28: Und auch das Pressekonferenz-Protokoll aus Berlin zeigt, dass Alshara die syrischen Geflüchteten in Deutschland explizit als ein Kapital für
01:11:35: beide Seiten bezeichnet hat.
01:11:37: Als
01:11:37: eine Art Brücke zwischen
01:11:38: den Welten.
01:11:39: Er sprach von
01:11:39: einem Kreislauf Menschen, die zurückkehren wollen sollen zurückkehern können aber mit guten Bedingungen
01:11:46: und Jobs mit
01:11:46: Sicherheit.
01:11:47: Diejenigen aber, die hier bleiben wollen sollten das auch tun können und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen
01:11:53: den beiden Ländern vertiefen Und das
01:11:56: steht im direkten Widerspruch zu dem,
01:11:58: was Merz als
01:11:59: Ashara's Wunsch dargestellt hat.
01:12:01: Das nicht nur rhetorisch, denn es besteht zwar kein Zweifel daran, dass auch Syrien den Brain-Drain umdrehen muss, aber das bedeutet für die syrische Regierung eben auch sie will eigentlich genau, dass die Menschen ausreisen, die unmittelbar eingesetzt werden können, genau die also in Deutschland
01:12:18: systemrelevant sind
01:12:20: und Sie weiß wie zumindest auch wadevoll.
01:12:23: angesichts der aktuellen Bedingungen wird das schlicht nicht passieren,
01:12:27: um Menschen wie Rasslern eine Ausnahme bleiben.
01:12:30: Alshara hat also Eigen, die Leimern zu bewältigen.
01:12:32: Die ebenfalls mit seinen Innenpolitischen
01:12:34: vielleicht kollidieren.
01:12:36: Denn er muss sich
01:12:36: maximal mäßig gegenüber möglichen Partnern aus dem Westen Kooperation antreiben oder zumindest Willen signalisieren und tatsächlich auch den Wiederaufbau antreiben um Menschen zurückkehrt zu animieren in Sicherheit garantieren Und die Hoffnung dass ihr einsetzt nicht umsonst ist.
01:12:53: gleichzeitig bedeutet das aber auch sich gerade mit denen gutzustellen, die ebenso andeuten das Land in ihrem politischen Sinne migrationspolitisch
01:13:01: zu überfordern.
01:13:03: Ein aus syrischer Sicht extrem schwieriger Spagat im Ringen um gemeinsame und widersprüchliche
01:13:08: Interessen bei dem die Machtverteilung
01:13:11: aber immer klar
01:13:12: ist.
01:13:13: Denn für
01:13:13: März mag es um eine persönliche existenzielle Frage gehen Und für die CDU eine Machtfrage Für Syrien.
01:13:21: Aber Ist Es Eine Frage der Existenz Was uns nun endgültig zur deutschen Innenpolitik führt, aber auch der Frage was ist die tatsächliche reale Konsequenz aus dem Dilematar und den Widersprüchen, die in verschiedene
01:13:35: Richtungen weisen.
01:13:45: Ignoriert man für einen Moment all die großen politischen Fragen im deutsch-syrischen Verhältnis der Gegenwart und Zukunft?
01:13:52: Und reduziert sie noch einmal auf mehr als Aussage scheint erst mal ja relativ einfach nachzuvollziehen
01:13:59: warum er sie getroffen hat.
01:14:00: Merz sagt sinngemäß, er wisse das ein ganz großer Teil der rund neunhundertfünfzigtausend Syrer im Lande auch zurückkehren wolle.
01:14:09: Das werden sich
01:14:10: fördern und sie werden dem land auch helfen sich schnell wieder aufzubauen.
01:14:15: Und dann in längerer Perspektive der nächsten drei jahre Das ist auch der Wunsch des Präsidenten Al-Shara gewesen sollen rund achtzig Prozent der syrerinnen und syrer die sich derzeit in deutschland aufhalten in ihr heimatland
01:14:28: zurückkehern.
01:14:29: Das ist der original Wortlaut
01:14:31: und er ist eindeutig.
01:14:32: Merz sagt, das ist der Wunsch von Präsident Alshara.
01:14:36: Er stellt es da
01:14:37: als Wiedergabe
01:14:38: einer fremden Position nicht als eigenes Ziel.
01:14:41: aber er schließt dann eben auch an, dass werden wir
01:14:45: fördern
01:14:46: was Zustimmung suggeriert, aktives Mitgestalten und eine Art geteilte
01:14:50: Zielsetzung.
01:14:51: Es ist eine Formulierung, die beides gleichzeitig sein will.
01:14:54: Verantwortungsübernahme
01:14:56: für das deutsche
01:14:57: Publikum und auch gleich Distanzierung
01:14:59: für den Fall der Kritik.
01:15:01: Aber Alshara distanziert sich eben noch
01:15:04: am selben Abend –
01:15:05: womit nun wie schon angerissen Aussage
01:15:07: gegen Aussage steht?
01:15:09: Und das ist für sich genommen schon eine Art ausempolitisches Desaster!
01:15:13: Ein Bundeskanzler, der eine Rückkehrquote von achtzig Prozent als Wunsch eines ausländischen Staatsoberhaupts verkündet Und genau dieses Staat widerspricht dann noch am selben Abend
01:15:23: öffentlich.
01:15:24: So etwas passiert
01:15:25: eigentlich nicht,
01:15:27: und das es hier passiert ist zeigt entweder dass Merz etwas sagte, was nicht abgesprochen war oder eben dass Alshara das Gesagte schnell korrigieren musste weil es innenpolitisch für ihn in Syrien
01:15:39: nicht haltbar war
01:15:40: als Forderung
01:15:41: an seine eigene Diaspora
01:15:42: Oder eben beides.
01:15:44: Es schließt sich
01:15:44: ja prinzipiell nicht aus
01:15:46: Und persönlich würde ich auch auf letzteres
01:15:49: Tipp.
01:15:49: Denn Alshara weiß, dass er keine andere Wahl hat als zumindest Willen zu signalisieren und vielleicht auch freundlich-nicken Forderungen über sich ergehen zu lassen die er eigentlich nicht umsetzen will oder kann.
01:16:02: Und Merz gewohnt überschwänglich überinterpretiert das vielleicht nur oder nutzt die Bereitschaft bewusst, um einen innenpolitischen Auflag zu machen.
01:16:12: So oder so ganz unmittelbar
01:16:13: läuft es wohl auch nur darauf hinaus.
01:16:16: Keine Seltenheit
01:16:16: für Merz.
01:16:17: Seine gesamte zweite politische Karriere ist
01:16:20: von solchen Momenten durchzogen –
01:16:22: prägen sie
01:16:22: vielleicht im öffentlichen Bild sogar stärker als jede Policy-Entscheidung.
01:16:26: Merz liebt
01:16:27: den großen
01:16:28: Aufschlag, klare markante Ausbrüche und eine politische Retourik des gesunden Menschenverstandes, die einfach mal ausspricht was doch eh jeder
01:16:36: sehen kann!
01:16:39: Und dafür gibt es dann nicht nur auch mal Lob von Felix Lobrecht für die direkte Ansprache, sondern ist das anderes Versprechen.
01:16:47: Von März gewesen dass ihn überhaupt erst innerhalb zumindest eines Teiles der CDU zum umjubelten CDU-Purkandidaten gemacht hat
01:16:55: mit
01:16:55: vollem Profilierungskurs gegen Links
01:16:58: und auf die AfD.
01:17:00: Wir erinnern uns, um die
01:17:01: Hälfte
01:17:02: wollte März die AfD
01:17:03: auch damit reduzieren.
01:17:05: Robuste Machermentalität, die sich von vermeintlichen linken Mainstream nicht länger in die A-Moralische Ecke drängen lässt und sich stattdessen
01:17:12: die wirklich schwierigen Aussagen zutraut.
01:17:15: Soweit so bekannt
01:17:16: bis sich Merz junger und auch er selbst sich der politischen Nachwahl Realität stellen mussten dass man ja bedauerlicherweise
01:17:23: doch nicht alleine regieren kann Wobei
01:17:25: das die ehemaligen März-Ultras inzwischen vor allem motiviert nun halt eben gegen Merz Regierung mit der SPD zu agitieren
01:17:32: und stattdessen eine Minderheitsregierung ins Schaufenster zu stellen.
01:17:36: Die CDU pur vermeintlich besser alleine und de facto
01:17:40: mit Stimmen der AfD umsetzen
01:17:42: würde, ungeachtet dessen dass der eigene Kanzler diesen Zusammenbruch seiner Koalition und den plötzlichen Kurswechsel wohl politisch nicht überleben würde.
01:17:50: Und allein die Idee ihn schon politisch zu schwächen scheint als Tote
01:17:55: einer brodenden CDU.
01:17:57: Das Experiment Minderheitsregierung
01:17:59: wäre Wahnsinn
01:18:00: gerade für die CDU und
01:18:01: das weiß natürlich
01:18:02: auch mehr als
01:18:03: aber es sind die Geister die er rief Denn es gibt keine März-CDU, wie es vielleicht mal eine Merkel-CDu gab.
01:18:11: Er ist eher der Zufallskandidat eines signifikanten Teils der Partei die ihr heil dogmatisch in der Abkehr von den Mittelmerkelianern sucht.
01:18:19: und nicht wenige von diesen Dogmatikern umgeben März jetzt auch unmittelbar und wirken oft schon mehr wie Saboteure, die für die Zeit nach ihm planen, nachdem seine GroKo gescheitert ist weil er vermeintlich
01:18:31: nicht durchsetzungsfähig genug war.
01:18:33: Je
01:18:34: schlechter die Umfragewerte für März und je besser die für die AfD,
01:18:39: umso lauter wird das Getöse innerhalb
01:18:41: der CDU.
01:18:42: Zumindest gibt uns die Bildzeitung
01:18:43: das ja so zu verstehen!
01:18:45: was wohl eine Art selbst dafür
01:18:47: in den Prophezei ungleich kommt.
01:18:48: Denn es steht außer Frage, auch wenn eine große Mehrheit innerhalb der CDU und erst recht der Gesamtbevölkerung wenig Verständnis für politische Experimente aller Minderheitsregierung aufbringen kann.
01:19:00: Figuren wie die Jungen in der Fraktion Spahn-Linnemann und AfD-Werte mit der CDU gleich auf erzeugen konstant
01:19:08: politischen Profilierungstruck.
01:19:10: Und Merz hat sich vielfach dafür entschieden und den Spagat, den er zwischen Regierung hier und rechtem Tumult dort machen muss
01:19:19: mit eindeutigen Ansagen zu reagieren.
01:19:21: Anders als
01:19:22: vielleicht Scholz der Themen
01:19:23: lieber aussparte –
01:19:24: obwohl er Salopp gesagt damit auch immer wieder auf die Fresse geflogen ist und letztlich unter hohen politischen Kosten
01:19:31: vielfach zurückrudern musste.
01:19:33: Und auch der Fall der gemeinsamen Pressekonferenz
01:19:36: ist nun ein weiteres
01:19:37: Paradebeispiel für diesen Modus und
01:19:39: damit auch die Auseinandersetzung innerhalb der CDU.
01:19:42: Wir erinnern uns!
01:19:44: Außenminister Wadefohl, CDU hatte kurz vor dem Berlin-Besuch Syrien
01:19:48: selbst noch besucht.
01:19:49: Darunter auch den Vorort Harasta,
01:19:52: den wir gerade beschrieben haben.
01:19:54: Ein Besuch
01:19:54: der ganz offensichtlich einen tiefen Eindruck bei dem Minister hinterlassen hat, der sich schon vor Ort und danach ganz offen und ungewohnt ehrlich und menschlich erschütter zeigte.
01:20:06: Kein politisches
01:20:07: Lavieren
01:20:08: mit klarer Strategie keine parteipolitischen Talking Points, sondern nur wenn man so will eine andere aufrichtige Reform des gesunden Menschenverstands.
01:20:18: Der ihn wie er dann uns sagte zu der Erkenntnis führte hierhin will ganz sicher
01:20:23: keiner zurück.
01:20:24: das Land ist zertrümmert.
01:20:26: unter diesen Umständen könne kaum
01:20:28: ein Syrer bei
01:20:29: Zurück reisen wollen
01:20:30: und man könne es auch nicht verlangen.
01:20:32: Das war ein ungewöhnlich empathischer Ton für einen CDU-Ausminister in einer migrationspolitischen Debatte.
01:20:39: Und natürlich wurde er dementsprechend daher auch
01:20:42: sofort von
01:20:42: Fraktionschef Jens Spahn dafür gerüffelt, während ein CDU-Mob seine
01:20:46: Absetzung fordert –
01:20:48: auch in den Tagesthemen, wo ein junger Unionler aus sonst irgendwo zum Aufstand gegen den gefühligen Minister aufrief!
01:20:56: Denn Span und viele mehr erwarteten ein Bekenntnis zur Massenabschiebung, kein differenziertes Bild der Realität
01:21:02: von Wadefuhl.
01:21:03: März wiederum tauchte ab –
01:21:05: schwiegt tagelang.
01:21:06: Während die
01:21:07: Koalition mit der SPD die Rückkehrquoten als nicht realistisch bezeichnete im öffentlichen Widerspruch
01:21:13: zur eigenen Regierungsführungsstand.
01:21:15: Einen Streit,
01:21:16: der das Thema Syrien überhaupt erst wieder auf die Agenda setzte!
01:21:21: Natürlich forderten auch in der CDU und vor allem in der AfD schon vorher viele die rigorose Rückkehr der syrischen, in Anführungsstrichen Gäste.
01:21:30: Aber die Frage der Dimension wird erst in diesem Konflikt zum zentralen
01:21:34: Frage
01:21:35: zeichnen.
01:21:35: Das ist nun auch in den größeren Mainstream-Diskurs schafft und sich
01:21:38: dort verfängt.
01:21:39: Ein Diskurs eingeleitet ohne Not weil Teile der CDU meinten sie müssten einem etwaigen AfD Shitstorm vorwegkommen nach dem Besuch von Badefühl weshalb sie ihn dann gleich
01:21:51: selbst auslösten.
01:21:52: Noch bezeichnender aber Innenminister Dobrindt, einer der wenigen mit wirklicher Verantwortung in diesem Diskurs, der in dieser Phase so martialisch auftrat als würde er Abschiebungen
01:22:02: im großen Stil
01:22:02: bereits vorbereiten – wohl auch um Wadefuls
01:22:05: Aussagen zu kontakarieren.
01:22:06: Er sprach nämlich schon davon bei Linienflügel statt Chartermaschinen für Abschiebenen einzusetzen und alles in die Wege zu leiten, um eine möglichst
01:22:14: schnelle Rückkehr zu
01:22:15: ermöglichen.".
01:22:16: Dobrindt klingt also
01:22:17: durchaus
01:22:18: ernst und schlägt sich offenbar in diesem inneren CDU-Konflikt auf die Seite
01:22:22: von Spahn und den jungen Radikalen.
01:22:25: Allerdings mehr
01:22:26: symbolisch, denn die Zahlen geben
01:22:28: das Schlicht nicht her.
01:22:30: Im gesamten Dezember zwanzig fünfundzwanzig, also dem Monat, in dem Deutschland nach dem Astadsturz die Abschiebung nach Syrien wieder Aufnahmen wurden tatsächlich
01:22:39: nämlich nur vier Menschen abgeschoben.
01:22:41: Vier!
01:22:42: Nicht vierhundert!
01:22:44: Nicht
01:22:44: viertausend!
01:22:45: sondern
01:22:45: schlicht Vier.
01:22:46: Und seit dem Sturzassatz und der Wiederaufnahme der Kooperation mit dem Land hat sich bisher auch ehrlicherweise wenig
01:22:53: daran geändert,
01:22:54: was nicht bedeutet, dass mehr als doberen Spanen und andere das nicht ändern wollen
01:22:58: und dazu
01:22:59: durchaus auch bereit wären auf martialische Maßnahmen zurückzugreifen sei es nun hier oder auch dort.
01:23:05: aber es zeigt doch bereits deutlich worüber man
01:23:08: eher ungern spricht während man große rhetorische
01:23:11: Aufschläge
01:23:11: macht Denn in der Realität
01:23:14: ist das mit CDU pur beim Thema Migration
01:23:18: doch alles nicht so einfach.
01:23:20: Und diese Diskrepanz ist der fruchtbarste
01:23:23: Boden für die AfD,
01:23:25: von der Regierung und vor allem der CDU selbst geweckte Erwartung welchen diese aber letztlich
01:23:30: nicht gerecht wird.
01:23:32: Mehr als hätte in dieser Zeit in den Wochen vor dem Treffen in Berlin nun die Wogen etwas glätten vielleicht die Erwartungen mit einem realistischeren Bild etwas dämpfen können
01:23:40: um den möglichen
01:23:41: Schaden noch einmal zu vergrößern.
01:23:43: Stattdessen aber konkretisiert er sie noch und setzt mit seinen achtzig Prozent in drei Jahren einen ganz klaren Erwartungsrahmen, wohl auch um im Kontrast zu Wadefuel noch einmal den eigenen Willen irgendwie deutlichzumachen.
01:23:58: Nur um dann ein Tag später
01:24:00: erneut zurückzurudern.
01:24:01: Er habe die Zahl von Alshara zur Kenntnis genommen sei sich der Dimension der Aufgaben
01:24:07: natürlich bewusst
01:24:08: was grammatikalisch ungefähr so viel
01:24:10: bedeutet wie.
01:24:11: ich hab das zwar gesagt Aber ich
01:24:13: meine es natürlich nicht so.
01:24:15: Man kennt das inzwischen und auch der Regierungssprecher Stefan Cornelius sprach danach von einem Scheinkonflikt, was sicherlich professionell ausgeführt ist aber ebenso durchschaubar.
01:24:26: Denn ein Scheinkkonflikt entsteht durch einen Missverständnis.
01:24:29: Was hier aber passiert ist war kein Missverständniss.
01:24:32: Es war eine Aussage mit klarem Inhalt die klaren politischen Widerspruch
01:24:37: ausgelöst hat.
01:24:38: Aber wie immer eigentlich ohne Vorbereitung ohne Plan und wohl eigentlich auch ohne Wille.
01:24:45: Als Zahl in den Raum gestellt, als würde man über ein Unternehmenszieher
01:24:48: reden für das nächste Quartal.
01:24:50: Womit man dem grundlegenden Missverständnis von rechts ein weiteres Fundament gab – dass Rückführungen ja tatsächlich abzuhaken wären wie eine Bestellliste
01:24:59: bei einem mittelständischen Automobilzulieferer?
01:25:03: Die unmittelbare Folge dieses Missverständnisses
01:25:06: war ein weiterer Deutungschaos.
01:25:08: nicht zum ersten Mal!
01:25:10: Das selbe Muster hatte es im Herbst,
01:25:12: mit der Stadtbild-Aussage gegeben.
01:25:14: Im Oktober davor mit einer anderen Migrationsformulierung.
01:25:17: und auch dieses Mal weckt März damit wieder ganz unterschiedliche Erwartungen, Hoffnungen und Sorgen ohne
01:25:22: ein politisches Fundament.
01:25:24: Denn was soll das bedeuten?
01:25:26: Achtzig
01:25:28: Prozent von allen
01:25:29: oder nur
01:25:29: die Mitbleibestatus?
01:25:31: eigentlich ist die Aussage völlig absurd!
01:25:33: Beweist aber wieder einmal eindrücklich Merzunberechenbarkeit.
01:25:37: Denn
01:25:37: er hätte diese Aussage ja nicht treffen
01:25:39: müssen –
01:25:40: gar nicht und erst recht nicht so
01:25:42: konkret!
01:25:43: Stattdessen macht der aber nicht nur Migration erneut überhaupt zum Thema, nein, er macht auch wieder klar….
01:25:49: Der politische Gestaltungsbedarf ist hier weiterhin riesig und die CDU und Regierung müssen die vermeintlichen Aufgaben
01:25:56: erst noch erfüllen.
01:25:57: was in einem deutlichen Kontrast zu Aussagen von März Wochen später steht, die Migrationsfrage sei Zitat
01:26:04: gelöst.
01:26:06: Aber was denn nun?
01:26:08: Faktisch zumindest wenn man auf die simplen Zahlen blickt stimmt
01:26:11: letzte Aussage
01:26:13: Es kommen immer weniger hier an.
01:26:15: also wenn man das dann als gelöst begreift
01:26:18: aber hat nicht Merz eben selber noch gesagt Die vermeintliche Frage sei ja eigentlich erst gelöst Wenn achtzig Prozent der Geflüchteten zurückgekehrt sind Also nicht nur das Projekt Migration, sondern auch Remigration abgeschlossen ist.
01:26:32: Der Fall Syrien steht damit ganz konkret für die Widersprüchlichkeit im Migrationsdiskurs
01:26:37: der CDU und nicht nur der!
01:26:39: dem Wechselspiel zwischen Sehnsucht das Thema endlich abzuhaken und gleichzeitig der Tatsache, dass man dann doch nicht
01:26:46: die Finger davon lassen kann.
01:26:47: Weil man meint, dann würde die AfD das Feld weiter alleine bespielen und je stärker diese wird umso empfindlicher wirkt der Reiz sich wieder zu positionieren und auch zu
01:26:57: profilieren.
01:26:59: Man dürfe ihr das Feld schließlich
01:27:00: nicht überlassen
01:27:01: Sondern müsse sie daraus
01:27:03: schlagen, nur
01:27:04: eben mit besseren Argumenten und Lösungen aus der
01:27:07: Mitte.
01:27:07: Und
01:27:07: sich selbst dabei mehr Einsatz abverlangen.
01:27:10: An diesem Mantra hat sich von CDU über SPD bis weit hinein in die
01:27:14: Grünen bisher wenig geändert.
01:27:16: Auch Linke dürfen schließlich nicht schweigen und müssen sich der migrationspolitischen Realität stellen, die Deutschland
01:27:22: spaltet
01:27:23: Auch wenn in der Realität offenbar bisher immer noch keine besseren Argumente gefunden wurden, selbst in über zehn Jahren des Kurs, welche die AfD tatsächlich gebremst
01:27:32: hätten.
01:27:33: Aber die Hoffnung stirbt er bekanntlich zuletzt.
01:27:36: Sich offensiv auf andere Themen zu fokussieren, traut man sich zumindest in der politischen Mitte
01:27:40: kaum
01:27:40: zu – auch nicht nach dutzenden Rechtsverschärfungen
01:27:43: national wie auf EU-Ebene.
01:27:47: Selbst wenn die Achtzig-Prozent-Idee tatsächlich von Alshara stammen sollte,
01:27:51: was Alsharra bestreitet
01:27:53: hat Merz damit einen Schaden angerichtet den er wohl nicht mehr
01:27:56: reparieren kann.
01:27:58: Denn die Schlagzeilen
01:27:58: stehen längst
01:27:59: in der Welt.
01:28:00: Die syrische Community in Deutschland ist zurecht extrem verunsichert und die AfD hat nun eine Zielmarke an der sie Merz
01:28:07: in den nächsten Jahren messen wird.
01:28:09: Die politischen Kosten einer Aussage,
01:28:12: die er sich in Ruhe
01:28:12: hätte überlegen sollen wie so
01:28:14: viele zuvor.
01:28:16: Aber das ist nur
01:28:17: die kommunikative Dimension, dahinter stehen ja nun auch durch März geweckte
01:28:21: sehr konkrete Erwartungen.
01:28:23: An tatsächliche Sachpolitische
01:28:25: Entscheidungen und erst der Blick auf die macht die politische Dummheit und Realitätsferne der gewägten Erwartung
01:28:31: wirklich deutlich.
01:28:32: Spielen wir das Szenario also kurz ein bisschen durch und schauen auf die konkreten Zahlen
01:28:37: hinter den Achtzig Prozent?
01:28:39: Ende twenty-fümundzwanzig lebten nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund neunhundertsechsunddreißigtausend syrische Staatsangehörige
01:28:47: in Deutschland.
01:28:48: Dazu kommen etwa zweihundertfünfzigtausende Menschen mit syrischer Einwanderungsgeschichte,
01:28:52: die inzwischen die deutsche Staatsangeheurigkeit besitzen.
01:28:55: Mehr als achtzig Prozent kann sich dabei nur auf die syrischen Staatsangehöhrigen beziehen – auch wenn er das nicht weiter konkretisierte!
01:29:01: Das wären also ungefähr siebhundertfünftigtausenden
01:29:03: Menschen.
01:29:05: von denen rund sechshunderttausend befristete Aufentheiztitel
01:29:08: über das Asylsystem
01:29:09: haben, Titel die zumindest theoretisch also wiederrufen werden können wenn die Lage im Herkunftsland sich denn fundamental und nachhaltig verbessert
01:29:19: hat.
01:29:20: So steht es in dem
01:29:21: Paragraf dreiundsebzig des
01:29:22: Asylgesetzes was
01:29:24: zumindest auf den Papier voraussetzt dass so eine solche nachhaltige und fundamental Verbesserung dann auch tatsächlich
01:29:32: festgestellt wird was mit Blick auf Syrien keinesfalls
01:29:36: klar ist.
01:29:37: Aber letztlich handelt es sich dabei auch um eine politische
01:29:39: Entscheidung,
01:29:40: denn der tatsächliche Status eines Landes soll zwar an der Realität gemessen werden aber der politische Wille hat hier im Zweifelsfall schon mehrfach dominiert
01:29:49: wie diese Bewertung dann letztendlich ausfiel.
01:29:51: das teile syriens ungeachtet der realität also als sicher gelten
01:29:56: Ist heute keines falls ausgeschlossen.
01:29:59: Worauf die Politik hingegen bisher weniger Einfluss hat
01:30:03: Auch wenn sie es versucht,
01:30:04: ist die grundsätzlich juristisch unabhängige Dimension der Einzelfallprüfung und das damit
01:30:09: verbundene
01:30:09: Recht, dass dagegen
01:30:11: geklagt werden kann.
01:30:12: Und auch wird
01:30:13: vor Verwaltungsgerichten, die schon jetzt mit mehr als hunderttausend
01:30:17: Klagen gegen Asylentscheidungen belastet sind.
01:30:20: Renommierte Asylrechtsexperten wie Reinhard Tim haben das also kurz einmal durchgerechnet und kommen dabei zu dem faszinierenden Schluss Bei aktuellem Tempo würde allein die Bearbeitung der Wiederrufsverfahren
01:30:34: über
01:30:34: dreihundert
01:30:35: Jahre dauern.
01:30:36: Also vermutlich doch noch ein bisschen länger als Merzkanzlerschaft, selbst wenn er sich noch so migrationspolitisch
01:30:43: engagiert!
01:30:44: Und damit wird aus der Idee der Rückkehr und vor allem Rückführungen als eine vermeintliche Entscheidung des gesunden Menschenverstandes,
01:30:52: die nur logisch
01:30:53: klingt in den Ohren von vielen wahrscheinlich.
01:30:56: Eine bei der man eigentlich jedem, der das fordert, nur den Vogel zeigen kann.
01:31:00: so unrealistisch und geradezu entrückt
01:31:03: wirkt das Ganze auf einmal.
01:31:04: Dabei muss man natürlich sagen auch Rechtsgarantien
01:31:08: sind letztlich politische Fragen.
01:31:10: Man sollte sich hier nie einfach darauf verlassen, dass Recht geht
01:31:14: und eine Ewigkeitsgalantie hat.
01:31:16: Es muss aktiv verteidigt werden – selbst das gelingt
01:31:19: in Deutschland jetzt schon nicht immer!
01:31:21: Wie diverse
01:31:21: Fälle zeigen, indem die rechtlichen Auflagen auch vom Innenminister selbst ignoriert wurden der einfach schneller handelte als die Gerichte und diesen nur die Möglichkeit ließ im Nachhinein festzustellen, dass es Unrecht war ohne aber irgendeine
01:31:34: Konsequenz oder Rechenschaft.
01:31:37: Der Status quo bröckelt also bereits und man sollte keineswegs abtun, dass sich gerade auch diese Bundesregierung über geltendes Recht hinweg
01:31:44: setzt.
01:31:45: Und es aktiv versucht zu delegitimieren eine langsame und gefährliche Erosion.
01:31:50: aber es dürfte dennoch wohl auch weiterhin eines gewaltigen politischen Willens bedürfen das recht ein für alle mal faktisch politisch einseitig aufzuheben oder die Mehrheiten zu finden zumindest
01:32:01: noch in dieser
01:32:02: Regierung um es parlamentarisch
01:32:04: endgültig zu beerdigen.
01:32:05: Und selbst wenn neben der Rechtsebene bleibt auch noch die Simple, aber in diesem Fall außerordentlich komplexe Ebene der tatsächlichen
01:32:14: Logistik.
01:32:15: Im gesamten Jahr zwanzigfünfundzwanzig wurden von Deutschland insgesamt etwa
01:32:19: dreihundzwanzigtausend Menschen abgeschoben – in alle Länder
01:32:22: zusammen.
01:32:23: das dann mit den meisten
01:32:24: Abschiebungen
01:32:25: war die Türkei mit etwa zwei tausend dreihundert
01:32:27: Und das sind ohne Frage keine kleinen Zahlen, und mit jeder einzelnen dieser Zahlen ist ein Schicksal verbunden.
01:32:32: Aber aus dem Stand jetzt um siehundertfünfzig tausend Menschen in drei Jahren aus Deutschland zu bringen bräuchte man eine Abschiebungsrate die etwa das Dreißigfache des gesamten aktuellen deutschen Abschiedung
01:32:45: Apparats übersteigt.
01:32:47: Das ist nicht nur ehrgeizig – das ist physikalisch
01:32:51: eigentlich unmöglich!
01:32:52: Und selbst wenn man es versuchen würde, es bedürfte eines politischen Einsatzes in der Realität.
01:32:57: Der wohl Milliarden verschlingen könnte für den Aufbau einer kompletten Infrastruktur neues Personal das in die Tausende gehen würde Dauereinsatz von geschadeten Maschinen und einer gesellschaftlichen Realität
01:33:09: Die kaum mehr ignorierbar ist
01:33:11: Von tausenden die vielleicht hinter Gittern ein Abschieberhaft
01:33:14: auf ihren Flug warten
01:33:15: Das heißt Remigration in der realität
01:33:18: dieser
01:33:18: Dimension.
01:33:19: Das mutet nicht umsonst nach Deportation an und sieht vielleicht
01:33:23: auch so aus.
01:33:24: Achtzig Prozent in drei Jahren bedarf einer industrialisierten Maschinerie der Rückführung.
01:33:30: keinen Tröpfchenfluss, der enttäuschten.
01:33:32: Tatsächlich Ausreisepflichtig ohne Duldung sind hingegen aktuell ungefähr tausend
01:33:37: syrische Staatsangehörige in Deutschland.
01:33:39: Das sind Menschen die keine gültigen Aufenthaltsziete haben oder keinen Duldungsstatus genießen.
01:33:44: Tausend.
01:33:45: Nicht siebenhundfünfzigtausend und auch nicht achtzig
01:33:48: Prozent, sondern tausend!
01:33:50: Das ist die Reale – wie es so schön heißt – Abschiebemasse.
01:33:54: Alles andere aber
01:33:55: ist Wunschdenken der Wahlkampfrhetorik
01:33:57: oder eine düstere Zukunft, die März allerdings wohl nicht mehr einleiten wird, auch wenn seine Nachfolger Sie entweder weiter
01:34:04: rhetorisch
01:34:05: bemühen müssen, enttäuschen
01:34:07: oder sogar zu erfüllen versuchen werden.
01:34:16: Natürlich ist das alles nicht neu.
01:34:20: Allerdings droht man es leicht, selbst zu vergessen in einem politischen Diskurs der seit über zehn Jahren vor allem von einem gesamteuropäischen Modus geprägt ist.
01:34:28: Der sich in Ermangelungen wahrpolitische Effekte mehrheitlich immer nur in eine
01:34:32: Richtung bewegt – Verschärfung und Auslagerung von Verantwortung.
01:34:37: Und neben den Fragen von Grenzschutz, offenen oder geschlossenen Grenzen- und Verteilungsstüsseln geht dabei gerade eine Dimension fast
01:34:46: vollständig unter die entwicklungspolitische.
01:34:49: die sich in den vergangenen zehn Jahren radikal verändert hat, von einem eigenständigen Politikfeld mit zumindest nominell humanitären Zielen zu einem immer stärkeren, instrumentalisierten Werkzeug
01:35:00: der Migrationskontrolle.
01:35:01: Und im Fall von Merz Aussage werden auch nur implizit
01:35:05: doch deutlich auf dem Punkt gebracht.
01:35:07: Diese Geschichte beginnt im März, einst die europäischen Staats- und Regierungschefs mit dem türkischen Präsidenten Erdogan das sogenannte
01:35:15: EU Türkei Abkommen abschlossen.
01:35:17: Der Kern ist bekannt!
01:35:18: Alle in Anführungsstrichen irregulären Migranten, die ab dem zwanzigsten März von der Türkei auf die griechischen Inseln gelangen werden, in die Türkeis
01:35:28: zurückgeschickt.
01:35:29: Im Gegenzug sechs Milliarden Euro politischer Aufwertung als strategischer Partner und Visa-Erleichterungen
01:35:35: für türkische BürgerInnen.
01:35:37: Und für jeden zurückgeschickten, irregulairen Migrantinnen durften zudem ein syrischer Geflüchteter legal
01:35:43: aus der
01:35:44: Türkee
01:35:44: in die EU
01:35:45: einreisen –
01:35:46: das war zumindest die Idee!
01:35:47: Was
01:35:47: aber selten thematisiert wird, ist die entwicklungspolitische Rahmung.
01:35:51: Die sechs Milliarden Euro wurden nicht als Bezahlungen für Grenzschutz ausgewiesen – das wäre damals politisch noch schwer zu verkaufen gewesen.
01:36:00: Vielmehr wurden sie als humanitäre und entwicklungspolitische Unterstützung für die Flüchtlingsversorgung in der Türkei deklariert über die sogenannte Felicity of Refugees, die auch in europäischen ODA-Berichten als Entwicklungsinstrument
01:36:14: auftaucht.
01:36:15: Und das war kein Zufall, sondern bewusste
01:36:17: Strategie.
01:36:18: Europa rahmte den Deal als Entwicklungspartnerschaft und nicht als
01:36:22: transaktionalen Grenzschutzvertrag
01:36:25: was ich gleich viel besser anhörte und viel einfacher politisch zu verkaufen war und zudem auch gleich institutionell einen Weg vorzeichnete wie die Instrumente und Mitte der Entwicklungspolitik und ihre Institution sich als Teil der Migrationspolitik instrumentalisieren
01:36:41: lassen.
01:36:43: Die EU-Menglieder feierten das damals
01:36:45: als gelungene Lösung.
01:36:46: Man
01:36:46: bietet den Menschen eine Alternative, damit sie nicht mehr ihr Leben
01:36:50: aufs Spiel setzten.
01:36:52: Vor allem aber zogen sie daraus eine Lehre die seitdem die europäische Migrationspolitik
01:36:57: definiert.
01:36:58: Nämlich dass sich Flucht und Migration schon managen lassen
01:37:02: wenn man
01:37:02: nur die richtigen Partner findet und dass man die Grenzen vielleicht gar nicht selber halten muss.
01:37:07: Und alle damit verbundenen rechtlichen und öffentlichen Probleme managen,
01:37:11: wenn man jemand bezahlt der es für einen tut.
01:37:13: Was
01:37:14: dann gleich auch noch den Vorteil bringt das man die Öffentlichkeit nicht mit torrentem Summen für den Grenzschutz konfrontiert sondern alles schön einschnüren kann unter dem Deckmantel der Entwicklungspolitik.
01:37:25: Es hilft ihnen mehr
01:37:26: als uns.
01:37:28: Das erhoffte Ergebnis des Türkeides war in der Realität allerdings, sagen wir mal wechselhaft.
01:37:35: Die Ankunftszahlen in der LGS gingen tatsächlich zurück.
01:37:38: Das stimmt
01:37:39: und wird
01:37:39: gern als Beweis
01:37:40: für den Erfolg angeführt.
01:37:41: Aber gleichzeitig verschlechtete sich die Lage für diejenigen, die trotzdem kamen
01:37:45: dramatisch.
01:37:46: Die griechischen Behörden waren schnell überlastet.
01:37:48: Tausende saßen über Monate manchmal Jahre auf Inseln wie Lesbos fest.
01:37:54: Und gerade das Elendslager Moria, dass zuletzt viermal so viele Menschen beherbergte wie eigentlich vorgesehen.
01:38:00: Das zwanzig-zwanzig Niederbrannte wird zum Vergessenen, muss man sagen, Sinnbild der Schande
01:38:06: Europas.
01:38:07: Im Mittelmeer sterben heute
01:38:09: mehr Menschen als hier zuvor,
01:38:11: weil die, die kommen
01:38:12: gefährlicher Route nehmen müssen.
01:38:13: Denn die Absperrung der Einroute produziert
01:38:16: lediglich die nächste – wenn
01:38:17: auch Gefährlichere
01:38:19: wie eigentlich erwartbar sind!
01:38:21: Rechtswidrige Pushbacks sind seit dem Alltag an
01:38:23: europäischen Außengrenzen.
01:38:25: Und anders als angedacht, der innereuropäische Diskurs wurde dadurch nicht einmal beruhigt – er radikalisierte sich noch als die Effekte verpufften und Bilder
01:38:34: der Elendslager um die Welt ging.
01:38:37: So diskutiert Dänemark inzwischen offen den Austritt aus internationalen Abkommen.
01:38:42: Das Land verletzt mit seiner radikalen Abschiebepolitik ohnehin bereits die Europäischen Menschenrechtskonvention.
01:38:48: Und das Wahlprogramm der dortigen Sozialdemokraten trägt den Titel, wir wollen die
01:38:53: nicht, die Dänemarknicht
01:38:54: will.".
01:38:55: Das ist wenigstens
01:38:56: ehrlich aber es ist auch das offene Ende eines Weges an dessen
01:38:59: Anfang der EU-Türkei-Dil stand
01:39:02: Aber die nachhaltigste und folgenreichste Konsequenz des Stils, der für den Syrien Kontext direkt relevant ist.
01:39:09: Die Türkei wurde durch den Deal
01:39:10: nicht
01:39:11: nur wie Blumig beschrieben, zu einem Schlüsselpartner in einer engen Partnerschaft auf Augenhöhe.
01:39:17: Sie wurde zu einem Akteur der schnell in erheblich Maße
01:39:21: über Wohl- und Wehe der europäischen Migrationspolitik entscheiden konnte – und damit machtpolitisch extrem aufgewertet!
01:39:29: Denn indem Europa ihr die Grenzschutzfunktion auslagerte, schuf es eine strukturelle Abhängigkeit, die
01:39:35: Erdogan seitdem sehr gezielt nutzt….
01:39:38: So nimmt die Türkei seit Jahrzehnte kaum noch geflüchtet
01:39:41: zurück.
01:39:41: Wie das Abkommen
01:39:42: es eigentlich vorsieht, was ehrlicherweise wohl auch im erheblichen Maße etwas damit zu tun hat dass die EU sich vorher nicht an die Vereinbarung hielt.
01:39:50: aber Erdogan hat darüber hinaus auch die Grenzen mehrfach für geöffnet erklärt wenn es ihm innenpolitisch
01:39:56: oder außenpolitisch
01:39:57: nützt
01:39:57: als Druckmitte
01:39:58: in Verhandlungen über NATO Fragen Waffenlieferungen
01:40:01: und EU Nähe.
01:40:03: Aus einem
01:40:03: Partner, den man Entwicklungsgelder gab ist damit ein Gegenüber geworden, dem man nichts mehr sagen kann ohne das eigene Migrationssystem
01:40:12: zu gefährden.
01:40:13: Die neurologische Konsequenz, wenn man humanitäre und
01:40:16: entwicklungspolitische Gelder als Migrationsinstrument einsetzt.
01:40:19: Der Empfänger lernt wie man sie nutzt sich darauf politisch einstellt und mit der
01:40:24: Abhängigkeit Macht ausübt was uns
01:40:26: wieder zur Syrien führt.
01:40:28: Denn Europa hat aus dem Türkei-Erlebnis eine klare
01:40:32: operative Schlussfolgerung
01:40:33: gezogen,
01:40:34: nur eben keine besonders gute.
01:40:35: Wenn
01:40:36: ein Partner zu mächtig wird und das Abhängigkeitsverhältnis umkehrt, braucht
01:40:41: man eben schwächere Partner –
01:40:42: abhängigere solche die weniger Verhandlungsmacht haben weil sie existenziell auf europäische
01:40:48: Gelder angewiesen sind.
01:40:50: Das ist die Logik hinter der neuen
01:40:51: Generation der Drittstaatenlösungen
01:40:54: Nicht mehr die Türkei.
01:40:55: Zu groß, zu selbstbewusst, zu unkalkulierbar stattdessen Albanien, Tunesien, Uganda und Ruhanda.
01:41:02: Staaten, die sich weniger leisten können als Erdogan
01:41:05: praktisch wie politisch.
01:41:08: Machtpolitische
01:41:08: Diversifizierung
01:41:09: ist also das Zauberwort.
01:41:11: Selbst wenn einer der Akteure ausfällt oder seine machtpolitischen Hebel überspannt dann bleiben andere, die auf
01:41:17: die Mittel angewiesen sind.
01:41:20: Von dem Plan der Drittstaatenlösung an sich ist man
01:41:23: derweil nicht abgekommen.
01:41:24: Dieser wird nur immer stärker fossiert, auch durch
01:41:27: eine künstliche Dramatisierung
01:41:28: der Lage der Geflüchteten
01:41:29: hier – wie der neue EU-Asyl
01:41:32: und Migrationspark, der seit Jahrzehntausendfünfzehn schrittweise in Kraft tritt
01:41:35: eindrücklich zeigt.
01:41:36: Bestäunigte Grenzverfahren, zwölf Wochen Haftähnliche Unterbringungen, verkürzte Rechtsberatung, weniger Möglichkeiten des individuellen Rechtsschutzes
01:41:45: usw.
01:41:45: Der UNHCR hat den Park daher
01:41:47: mehr fakritisiert
01:41:49: Er gefährde das Recht auf effektiven Rechtsschutz und dürfte dazu führen, dass Schutzbedürftige Menschen abgelehnt werden die bei ordnungsgemäßer Prüfung eigentlich Schutz
01:41:58: erhalten hätten.
01:42:00: Aber mit dieser
01:42:01: Kritik hält sich die EU natürlich nicht auf.
01:42:04: sie trifft vielmehr genau
01:42:05: die bewusste Zielsetzung.
01:42:08: Gleichzeitig wird das Konzept der sicheren Drittstaaten
01:42:10: weiter ausgedehnt.
01:42:11: Ein sicherer Drittstaat muss heute nicht mehr die Genfer Flüchtlingskonvention ratifiziert haben.
01:42:16: Es reicht, wenn das Herkunftsland die Geflüchteten
01:42:18: theoretisch
01:42:19: nicht zurückschägt
01:42:20: und das öffnet die Tür zu Abkommen wie
01:42:22: zum Beispiel mit Tunesien
01:42:24: dem unter den aktuellen Regimen eigentlich fundamentale Rechtsstaatlichkeit fehlt
01:42:29: oder auch
01:42:29: Uganda dessen Menschenrechtslage ebenfalls erhebliche
01:42:32: Fragen aufhört.
01:42:34: Zudem hat die EU-Kommission sogenannte Return Hubs vorgeschlagen, also Rückführungszentren außerhalb der EU
01:42:40: in denen
01:42:40: abgelehnte Asylbewerber dann untergebracht werden bis sie tatsächlich
01:42:44: abgeschoben werden können.
01:42:45: Und diese ganz bewusst nicht in der EU sondern eben in Albanien, Uganda und
01:42:50: Nordafrikanischen Staaten.
01:42:52: Also eigentlich genau das was auch der hier so kritisch betrachtete Donald
01:42:55: Trump
01:42:56: anstrebt Der Asylsuchende nach Rwanda abschieben lassen will selbst wenn Sie aus völlig
01:43:01: anderen Teilen der Welt kommen.
01:43:02: Aber das Entscheidendste für uns ist heute nicht der Vergleich zu Trump-Rhetorik, es ist die entwicklungspolitische Struktur
01:43:09: dieses Arrangements.
01:43:10: Denn
01:43:11: was haben Tunesien, Uganda und
01:43:13: Albanien gemeinsam?
01:43:15: Und sie sind alle erheblich stärker auf westliche Entwicklungsgelder angewiesen als die Türkei es je war.
01:43:22: Sie haben weniger geopolitische Verhandlungen macht und genau deshalb sind sie als mögliche Partner
01:43:27: attraktiv.
01:43:28: Die Drittstaaten-Logik ist also keine migrationspolitische Innovation, es rechnet zum Nutzen der Geflüchteten.
01:43:36: Sondern sie ist die konsequente Weiterentwicklung der Konditionalisierungslogik, der Entwicklungspolitik, die wir aus Folge
01:43:42: thirty-two kennen.
01:43:44: Wer Geld braucht muss Bedingungen akzeptieren.
01:43:47: Nur lautet die Bedingung jetzt eben nicht mehr die Waage Demokratisierung oder auch Good Governance sondern eben
01:43:54: nehmt unsere abgelehnten.
01:43:55: Man hat also nicht etwa die Logik verlassen, sondern die Bedingungen geändert weg von humanitären Zielen hin zu Migrationsmanagement.
01:44:03: Und das was offiziell oft als Entwicklungspartnerschaft ausgewiesen wird ist heute daher in vielen Fällen faktisch nur noch Grenzschutz-Outsourcing.
01:44:13: und das bedeutet neben dem ganz praktischen Schiff... Gelder werden umdeklariert, Personal und Institutionen anders eingesetzt.
01:44:20: Zum einen eine Art ideologischen Schiff mit Blick auf die Narrative der
01:44:24: Entwicklungspolitik
01:44:25: von zwei Tausend Sechzehn
01:44:26: bis hierhin.
01:44:27: Denn wie vorhin noch einmal anrissen – anders als Zwei-Tausend Sechszehn als Migrationspolitik das Label Entwicklungspolitik angeheftet wurde, um es besser zu verkaufen ist es heute vielfach anders herum auch in März
01:44:41: Aussage!
01:44:42: Entwicklungspolitik hat so stark an politischem Status und Legitimität verloren, dass sie heute vielfach nur noch rechtfertigbar scheint.
01:44:50: Wenn sie offensiv mit den Interessen der Migrationspolitik verknüpft
01:44:54: wird.
01:44:55: Das Geld ist knapp und wurde historisch verschwendet.
01:44:57: Ist das Mantra?
01:44:59: Was bekommt Deutschland also für seine Hilfe?
01:45:02: Naja ... weniger Ausländer!
01:45:03: Mehr Aussage über die erhoffte und unterstützte Rückkehr lässt sich insofern also auch als Rechtfertigung verstehen, für die immerhin dreihundert
01:45:10: Millionen Euro
01:45:11: Hilfe plus die Deutschland
01:45:13: bereitgestellt hat.
01:45:14: Der Kreis hat sich also wenn man so will erneut geschlossen aber alles hat nun verkehrte und fatale
01:45:20: Vorzeichen
01:45:21: zum anderen bedeutet.
01:45:22: es ist natürlich auch einen sehr konkreten und signifikanten Schiff mit Blick auf die Rolle und Anreize von Entwicklungspolitik
01:45:29: in den Empfängern ändern
01:45:30: Denn wenn Entwicklungsgelder an Rückkehrabkommen geknüpft werden, explizit oder implizit verändert sich die Anreizstruktur für die Empfängerregierung
01:45:39: natürlich fundamental.
01:45:40: Denn nicht die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung oder sei es auch nur wirtschaftliche Auflagen der internationalen Geber sondern die migrationspolitischen Werden nun zur entscheidenden Bedingungen für
01:45:51: Ressourcenzugang
01:45:52: was anschließt an das Rechenschaftsproblem dass Dambisa Moyo in Dead Eight beschrieben hat und dass wir in Folge thirty-two
01:45:58: besprochen haben
01:45:59: Regierungen, die ihre Finanzierung von externen Gebern beziehen statt von ihren eigenen BürgerInnen durch Steuern haben strukturell weniger Anreize gegenüber der eigenen
01:46:08: Bevölkerung Rechenschaft abzulegen.
01:46:10: Europa explodiert also auch bisher vielfach Governance Dysfunktion
01:46:15: und nennt das Partnerschaft.
01:46:17: Durch den migrationspolitischen Fokus wird diese Kopplung aber nun noch einmal pervertiert und konkret auch
01:46:23: militarisiert.
01:46:24: Untergebrochen auf den sehr einfachen Anreiz Unterbringung für so viele wie möglich, etwaige gewaltsame Stabilisierung im eigenen Land.
01:46:33: Art der Unterbringing aber und Status der Staatlichkeit und Rechtssicherheit
01:46:38: egal.".
01:46:38: Und
01:46:39: das hat einen kolonialen Charakter, der in der Migrationsfrage vielleicht noch einmal deutlicher wird als bei
01:46:45: jedem wirtschaftlichen Ausbeutungscharakter.
01:46:47: Denn wie eins in Australien begünstigt das Modell eine Form von Strafkonditionalisierung, die bewusst outsourzt um in der globalen Peripherie weit weg von den eigenen Rechtssystem und der Kontrolle zwischenstatt hier Grenzzonen ohne klare Verantwortung
01:47:03: und rechenschaftspflicht zu schaffen.
01:47:05: Und jeglicher humanitärer Anspruch der Entwicklungspolitik wird dabei ersetzt durch ein System dass de facto im
01:47:12: Kern Repression fördert.
01:47:14: Damit verschiebt sich das Fundament der Entwicklungpolitik
01:47:16: grundlegend Denn
01:47:19: es ließe sich wie schon kurz angerissen argumentieren, viele der eigentlichen Zielsetzung der Entwicklungspolitik stehen im Widerspruch mit migrationspolitischen
01:47:28: Zielen.
01:47:29: Zum Beispiel Stabilität der
01:47:31: Partnerländer.
01:47:32: Klar, stabilität genug um überhaupt ein Verhandlungspartner zu sein sollte schon garantiert werden.
01:47:38: Aber zu viel wirtschaftliche Aufschwung und politische Liberalisierung und der Partner wird vielleicht zu mächtig oder versucht sich von den Migrationsdiehets
01:47:47: unabhängig zu machen.
01:47:49: oder noch grundsätzlicher, eigentlich fördert Entwicklungspolitik in der Regel Flucht.
01:47:55: Schlicht weil die Möglichkeit zur Flucht eine konkrete Frage von mitten
01:47:59: ist?
01:48:00: Es sind also nicht die Ärmsten, die nach Europa fliehen, sondern die, die sich die Flucht, die schnell einige Zehntausend Euro kosten kann, tatsächlich leisten
01:48:08: können.
01:48:09: Wissenschaftlich ist dieses Phänomen
01:48:11: vielfach beschrieben.
01:48:12: Erst der Austritt aus absoluter Armut schafft die Bedingungen, Und Entwicklungspolitik, die Armut effektiv bekämpfen würde,
01:48:22: fördert das natürlich.
01:48:23: Aber wie passt das nun zusammen mit der Entwicklungspolitik als Arm
01:48:27: der Migrationspolitik?
01:48:29: Nun
01:48:30: gar nicht!
01:48:31: Denn zynisch muss man sagen – wer nicht möchte dass Menschen nach Europa fliehen, der kann zum einen zwar auf langwierigen politischen und wirtschaftlichen Aufbau setzen
01:48:42: ohne
01:48:43: Garantieauferfolg, Oder aber vielleicht wackelege autokratische Regime finanziell stützen
01:48:52: und damit ausreichend
01:48:53: Stabilität garantieren, während die Bevölkerung arm bleibt was jede Möglichkeit zur Flucht hemmt den nicht mit Mitteln der Gewalt
01:49:00: unterbunden werden kann.
01:49:01: Und dementsprechend werden Migrationspolitik zunehmend als Entwicklungspolitik deklariert wird und andersherum sinken gleichzeitig die realen
01:49:09: Ausgaben für die alten entwicklungspolitischen Zielsetzungen.
01:49:12: So hat sich Deutschland zum Beispiel eigentlich verpflichtet, Nullkomma sieben Prozent des Bruttonationaleinkommens für öffentliche Entwicklungshilfe
01:49:19: anzuwenden.
01:49:21: Ohne die Anrechnung der inländischen Kosten für Geflüchtete – also der Kosten für Syrerinnen und Syrer, die nach Deutschland kamen – liegt die tatsächliche Quote heute aber nur noch bei Nullkommer
01:49:32: fünffünf Prozent.
01:49:33: Das heißt, Deutschland rechnet Geld dass es für Menschen aufwendet, die in Deutschland leben als Entwicklungshelfe für die Herkunftsländer
01:49:41: ab was einer
01:49:42: OECD-Regel entspricht, die das Format auch erlaubt.
01:49:45: Aber natürlich verschleiert, was tatsächlich passiert!
01:49:49: Die realen Entwicklungshilfebudgets werden gekürzt, während die Verwaltungskosten der Migrationspolitik steigen.
01:49:55: Was wir jetzt schon seit fast zehn Jahren erleben ist also eine Art
01:49:59: doppelte Bewegung –
01:50:00: die Gelder für echte Entwicklungszusammenarbeit schrumpfen und dass etwas bleibt wird
01:50:04: zunehmend zur
01:50:05: Migrationskontrolle
01:50:06: umgewidmet.
01:50:07: In diesem Kontext ist auch Merz Aussage mehr als
01:50:10: nur ein diplomatischer Verpaar.
01:50:12: Denn sie ist das bislang expliziteste Bekenntnis der deutschen Bundesregierung zu einer Logik, die in der Regel eigentlich still und technokratisch
01:50:20: vollzogen werden soll.
01:50:21: Wiederaufbauhilfe
01:50:23: für Syrien
01:50:25: ist verbunden mit der Erwartung von Rückkehrbewegungen.
01:50:27: Das steht zwar
01:50:28: nicht im gemeinsamen Aktionsprogramm, dass bei dem Besuch vereinbart wurde aber es steht in der politischen Logik
01:50:34: des Gesamtkontextes.
01:50:36: Diese Logik ist das nächste Kapitel einer Geschichte, die mit dem EU-Türkei ihren konkreten
01:50:41: Anfang genommen hat.
01:50:43: Und nun für Syriens weitere Entwicklungen
01:50:45: dramatische Folgen haben könnte.
01:50:48: Denn erstens ...
01:50:49: Die Grundlogik ist pervers!
01:50:51: Wenn
01:50:52: ich einem Land sage, ich gebe wieder Aufbaugelder damit deine Leute zurückkommen, dann ist das keine Entwicklungspolitik.
01:50:59: Das ist Migrationskontrolle
01:51:01: und die Entwicklungspolitische Legitimation meines Engagements
01:51:05: ist damit dann auch weg.
01:51:07: Die Betonung von Menschenrechtsauflagen, Demokratisierungen und Liberalisierung kann man sich also gleich sparen.
01:51:14: Denn jedem ist bewusst welche Interessen hier stärker
01:51:16: wirken
01:51:17: was eher ein gegensätzlichen Anreiz schafft und das Risiko erhöht dass Ressourcen nicht dorthin fließen wo sie am meisten gebraucht werden nämlich in Grundversorgung Schulen und Gesundheit sondern dort hin wo Sie Rückkehrbewegungen
01:51:29: wahrscheinlich machen sollen.
01:51:31: Und das sind offensichtlich
01:51:32: nicht dieselben Orte.
01:51:34: Die politische und wirtschaftliche Entwicklung wird durch die falschen Konditionalitäten, also vielleicht sogar gehemmt.
01:51:40: Was zweitens zu dem Kondicionalisierungsproblem führt, das dann Bisa Moyo
01:51:44: beschrieben hat.
01:51:45: Denn die syrische Übergangsregelung muss sich dann gegenüber deutschen Haushaltsvorlagen verantworten – nicht aber gegenüber
01:51:52: der syrischen Bevölkerung.
01:51:53: Womit genau jene Abhängigkeit entsteht, die langfristig die Demokratisierung und eigene staatliche Entwicklungen
01:51:58: untergräbt.
01:52:00: Man hat die Türkei stark gemacht Und mit demselben Mechanismus macht man Syrien
01:52:05: nun vom europäischen Wohlwollen abhängig.
01:52:08: Aber drittens, natürlich gibt das alles auch demgegenüber trotz allem Machtungleichgewicht einen Hebel den es nutzen
01:52:14: kann.
01:52:15: Alshara weiß schließlich
01:52:16: was Deutschland will – nämlich dass Jura zurückkehrt.
01:52:19: Er weiß also, dass Deutschland ein innenpolitisches Interesse daran hat, dass Syrien schnell wieder stabil genug wird unabhängig von seinem Verhalten gegenüber Minderheiten oder von Rechtsstaatlichkeit
01:52:30: und Menschenrechtsfragen.
01:52:32: Was die Konditionalisierung macht, schwächt die Deutschland vielleicht haben könnte.
01:52:36: Denn warum sollte Ashara ernsthaft auch Forderungen zum Minderheitenschutz eingehen?
01:52:41: Wenn er doch eh schon weiß, dass das deutsche Engagement aus eigenem migrationspolitischen Interesse
01:52:46: so oder so fortgesetzt wird.
01:52:48: Merz hat durch das Stellenkonkreter Rückkehr-Erwartung also signalisiert, dass Deutschland ein eigenes erhebliches innenpolitisches Interesse an Rückkehr hat.
01:52:56: Und damit hat er nicht nur Druck auf
01:52:58: Syrien
01:52:58: ausgeübt, er hat vor allem auch sich
01:53:00: selbst und die deutsche Politik unter Druck gesetzt.
01:53:03: Fast man dieser Anreize zusammen und das was wir anfangs über Syrien gesagt haben sind die Vorzeichen für die Zukunft
01:53:10: daher eher düster aus.
01:53:12: Denn wenn die Frage der Zukunft des Landes und die Entscheidungen der Zukunft v.a.
01:53:16: auch vom Input und den Erwartung von außenabhängig sein werden dann setzt Europa Anreize, die eher in die entgegengesetzte Richtung
01:53:24: von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Liberalisierung weisen.
01:53:27: Zur Wahrheit gehört fairerweise aber auch damit aus dem gesagten überhaupt Politikwirt reicht das aktuelle Engagement der
01:53:34: Bundesregierung wohl kaum aus.
01:53:37: Im gesamten Aktionsprogramm, dass beim Besuch als Charas im Berlin vereinbart wurde, stellt Deutschland in diesem Jahr mehr als zweihundert
01:53:43: Millionen Euro für Syrien bereit – für
01:53:45: Wasserversorgung, für Krankenhäuser, für Qualifizierung
01:53:48: von Lehrkräften!
01:53:50: Und das alles ist notwendig und prinzipiell
01:53:52: auch wünschenswert.
01:53:54: Gleichzeitig ist es aber bei einem Wiederaufbau der DAF von zweihundertfünfzig bis vierhundert Milliarden Dollar,
01:54:01: auch weniger als ein Promille des Gesamtbedarfs!
01:54:04: Und vielleicht auch deshalb befindet sich im deutsch-syrischen Aktionsprogramm selbst noch keine konkrete Beschreibung.
01:54:10: Wie die Rückkehr derjenigen ermöglicht werden soll, die keinen gültigen Aufenthaltstitel mehr haben, kein Plan für jene, die freiwillig gehen wollen, keinen Rahmen dafür was passiert wenn jemand zurückgeht und Syrien noch nicht sicher ist nur Vageformulierung über eine irgendwie geartete engere Zusammenarbeit.
01:54:26: So konkret die Rhetorik ist.
01:54:27: Die Politik dahinter ist also noch vage und wird vielleicht auch davon abhängen wie viel Deutschland in der Zukunft bereit ist zu geben, dafür dass Syrien
01:54:35: seinen Staatsangehörigen
01:54:36: wieder zurücknimmt.
01:54:38: Der Trend ist aber dennoch schon klar – inwieweit Migrationspolitik zum dominierenden Faktor der Entwicklungspolitik Syrians wird, würde sich also
01:54:46: zeigen müssen.
01:54:47: Schließlich haben auch noch andere Geld- und eigene Interessen die sie in Syrien
01:54:51: einbringen wollen.
01:54:53: Aber was wir bei Merzer leben, ist kein Ausrutscher und nicht ein spezifisch
01:54:57: deutsches Problem.
01:54:58: Es ist der bislang sichtbarste Ausdruck einer Logik, die europäische Außen- und Entwicklungspolitik
01:55:03: seit mindestens zehn Jahren prägt.
01:55:06: Gelder nicht nach Bedarf
01:55:07: sondern nach eigenen innenpolitischen Nutzen verteilen.
01:55:10: Abhängige Partner schaffen diese dann als Hebe nutzen wollen nur um dann oftmals festzustellen dass sich der
01:55:16: Hebel dreht.
01:55:17: Während man Entwicklungspolitik langsam aber sicher in ein Instrument umwandelt das weder Entwicklung fördert noch Migration effektiv steuert Aber dass den europäischen und deutschen Geist zumindest
01:55:29: immer mal wieder für einen Moment beruhigt, während
01:55:31: man martialische Realitäten schafft
01:55:33: an EU-Außengrenzen.
01:55:44: Europa befindet sich migrationspolitisch
01:55:47: schon lange nicht mehr am viel beschriebenen Wendepunkt – der Weg ist längst klar!
01:55:52: Auch wenn neben dem EU-Türkei-Deal
01:55:54: auch andere Drittstaaten,
01:55:55: die jetzt wie der der britischen
01:55:56: Regierung, sich bisher
01:55:57: als teure,
01:55:58: wenig effiziente
01:55:59: Flops herausgestellt haben….
01:56:01: Wir haben diesen Prozess hier über drei Jahre in diversen Folgen begleitet.
01:56:05: Der Fall Syrien macht die Logiken und Konsequenzen dieser Politik, die dabei zunehmend Migration und Entwicklung zu einem zusammenführen aber nur
01:56:12: allzu deutlich.
01:56:14: Angefangen bei der grundsätzlich kollidierenden Logik
01:56:16: der Politikfelder.
01:56:18: Dann geht es zuerst um die Migrationsfrage.
01:56:21: dann hat Deutschland strukturell zumindest auch ein Interesse daran dass Syrien nicht so schnell
01:56:26: wieder auf die Beine kommt
01:56:28: Denn wenn Syrien stabil wäre, könnten sechstausend Ärztinnen und Ärzte die Zehntausend Pflegekräfte, die zweiundneinzigtausend weiteren Systemrelevanten
01:56:37: zurückgehen.
01:56:37: Aber will
01:56:38: Deutschland das wirklich?
01:56:40: Wohl kaum –
01:56:41: auch wenn der Kanzler anderes
01:56:42: in Aussicht stellt!
01:56:43: Stattdessen schaffen Deutschland wie die EU de facto weniger Anreize für alle, die hier angekommen sind.
01:56:49: Sondern Drohnenentwicklungen zu begünstigen.
01:56:52: Gerade weil Migrationspolitik die Entwicklungsfragen dominiert, die letztlich dazu führen könnten, dass niemand mehr zurückkehren kann oder
01:57:00: wenigstens nicht will.
01:57:00: Dabei
01:57:01: hat Alshara was auch immer man sonst von ihm halten mag recht politisch wie moralisch wenn er beschreibt das sich deutsch-syrische Verbindung nicht mehr auflösen lässt und die Menschen zwischen den Identitäten daher das Kapital
01:57:14: beider Länder sind.
01:57:15: Das geht ganz praktisch, wenn es zum Beispiel um private Überweisungen von denen aus Deutschland geht, die denen in Syrien Mitte zur Verfügung stellen oder
01:57:23: um
01:57:24: Ärzte, die vielleicht in Syrieren aushelfen und ausbilden, während sie wissen dass sie jederzeit ins sichere Deutschland zu ihrem Beruf zurückkehren können.
01:57:31: aber das gilt natürlich auch auf der persönlichen
01:57:33: Ebene
01:57:34: für konkret fast eine Million Schicksale von Menschen mit legalem Status, mit Jobs.
01:57:39: Mit Kindern in deutschen Schulen die sich nicht entscheiden können oder wollen zwischen den Identitäten und die man nach über zehn Jahren in denen sie vor allem versucht haben deutschen Befindlichkeiten zu entsprechen integrieren gar Leitkultur an neben deutscher sein wollen nun schon aus moralischer Verantwortlichkeit allein Einfach in Ruhe lassen sollte, anstatt sie mit Pressemitteilung einzuschüchtern und ihnen damit den berechtigten Eindruck zu vermitteln.
01:58:07: Am Ende hilft alle Integrationen nichts!
01:58:10: Man bleibt Gast für die Deutschen und ihren Kanzler auch wenn man selbst
01:58:13: längst Deutscher ist –
01:58:15: eine Identität reduziert auf
01:58:16: ein innerstädtisches Störmfühl.
01:58:19: Damit hingegen freiwillige Rückkehr in nennenswertem Umfang überhaupt möglich wird, bräuchte es hingegen verlässliche Gelder nicht als Migrationsinstrument und vor allem auch einen Zeithorizont der keine drei Jahre anbraumt.
01:58:32: Sondern
01:58:32: zehn bis zwanzig.
01:58:34: Wer das nicht akzeptiert hat entweder Syrien oder die eigene Geschichte nicht verstanden.
01:58:39: Denn das war schon nach nineteenfünfundvierzig
01:58:41: in Europa keine Frage von drei Jahren
01:58:44: Und er hat auch kein aufrichtiges Interesse, weder an der Stabilität in Syrien noch an dem Leben
01:58:49: der Menschen dort wie hier.
01:58:52: Gerade wenn es um die Syrerinnen geht keine Angstmacherei brauchen, keine Ausgrenzung sondern vor allem Vertrauen, Geduld
01:58:59: und Selbstbestimmung
01:59:00: Denn viele haben nachvollziehbarerweise den Schock des Ersatzsturzes noch immer
01:59:04: nicht verdaut
01:59:05: viele berechtigterweise Angst vor der Rückkehr und damit vielleicht verbundenen Armut.
01:59:09: Vor der Frage, was aus ihrem Job ihren Kindern ihrer Zukunft wird, während sie gleichzeitig mit den Verantwortlichkeiten für die zurückgebliebenen hier und dort
01:59:16: ringen müssen?
01:59:17: Und das ist eine gigantische Belastung und weitere Erschöpfung, die auf dem Krieg folgt, die ganz praktisch Jahre zu bearbeiten sein wird für jeden Einzelnen, bei der Sie vor allem Unterstützung brauchen und wenn schon nicht DIE dann doch weniger Druck und auch mehr Verständnis
01:59:32: erwarten können soll!
01:59:34: Als deutsche Bürgerin, als Teile der deutschen Gesellschaft – egal mit welchem Pass.
01:59:39: Und längst auch als Teilen einer tieferen Verknüpfung zwischen Deutschland und Syrien, dass sich vielleicht nicht mehr in den einen oder anderen
01:59:46: Pass auflösen lässt.
01:59:48: Und Vorschläge wie das aussehen könnte liegen politisch ja tatsächlich auf dem Tisch.
01:59:52: Linke SPD und Grüne haben zum Beispiel gemeinsam vorgeschlagen Reisen nach Syrien zu liberalisieren und zu vereinfachen ohne Sorge vor Verlust des
02:00:00: Aufenthaltstitels.
02:00:01: Ein Vorschlag, dafür kennen wir Deutschland gut genug.
02:00:03: Der wahrscheinlich nicht kommen wird aber dem man eigentlich nur unterstützen kann Denn er bringt Vertrauen entgegen und schafft selbstbestimmtheit eine Möglichkeit seinen Zukunft auszutarieren zu planen und zu gestalten ohne die konstante lebende
02:00:18: Angst vor Verlust
02:00:19: Und ein solches Bann zwischen Menschen die zwischen beiden zwehren Reisen und diese weiter verknüpfen kann man eigentlich beiden Ländern nur wünschen Denn mehr als nur eine wage Hoffnung von Wiederaufbau und Liberalisierung würde das tatsächlich Möglichkeiten zum Austausch von Waren, Gedanken Menschen und damit auch politischen Visionen und politischer Praxis
02:00:41: ermöglichen.
02:00:43: Ashara hat bei jedem seiner Auftritte
02:00:45: eines betont
02:00:46: Es ist alles eine Frage
02:00:48: von Policy
02:00:49: Von konkreten Entscheidungen Strukturen und Institution Und es geht auch hier.
02:00:55: Die Frage ist nicht, ob Surerinnen zurückkehren wollen oder nicht.
02:00:58: Viele wollen wenn die Bedingungen stimmen.
02:01:01: Die Frage isst welche Bedingung Europa
02:01:03: dafür schafft?
02:01:04: Und Deutschland könnte dabei gerade aufgrund der engen und intensiven auch persönlichen Verbindungen eigentlich eine Schlüsserolle einnehmen.
02:01:12: Aber wer sich Liberalisierung und Demokratisierung wünscht Der kann nicht gleichzeitig einen System fördern das institutionelle Accountability untergräbt in dem es ein Modus etabliert, indem eine Regierung einzig gegenüber externen Geldgebern rechenschaftpflichtig ist und sich diese Rechenschaft dann einzig auf migrationspolitische
02:01:31: Ziele fokussiert.
02:01:33: Insofern sind März-Treißigworte
02:01:34: symptomatisch.
02:01:36: Für eine Migrationspolitik, die seit einem Jahrzehnt strukturell nicht in der Lage ist, einfach ehrlich zu sagen was sie kann oder was nicht und für eine Entwicklungspolitik, die zunehmend aufgehört hat, Entwicklungspolitik
02:01:48: zu
02:01:48: sein.".
02:01:49: Und beides zusammen ergibt das, was wir gerade erleben
02:01:51: – in Syrien und hier.
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02:02:14: Alle Infos findet ihr dazu
02:02:16: wie immer in den Schaunots.
02:02:17: Vielen Dank und
02:02:18: bis zum nächsten Mal!
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